»Ich habe keine Kraft mehr.«

Sie sind 1959 nach Deutschland gegangen. Würden Sie rückblickend sagen, dass dieser Entschluss richtig war?
Am liebsten wären wir nach dem Krieg in die Schweiz übergesiedelt. Aber wir hatten damals kein Geld, man hätte uns dort nicht aufgenommen. Ob es richtig war, nach Deutschland zu gehen und nicht etwa nach Israel oder in die USA? Darüber möchte ich hier und heute nicht sprechen. Ich habe keine Kraft mehr. Haben Sie Nachsicht mit mir. Ich bin ein alter Mann. Adieu.
—Marcel Reich-Ranicki

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Appeasement

»Die USA haben die rote Linie überschritten«, titelt Carsten Luther auf Zeit Online und man fragt sich, wo dieser Mensch überall rote Linien vermutet. Offensichtlich nicht im Iran, das sagt er ja ausdrücklich, denn das bisschen Mit-Vernichtung-Drohen, Bombenbauen, Demonstranten-Foltern, das geht schon irgendwie alles klar, denkt er sich wohl.
Für genauso unbedenklich hält er wahrscheinlich die militärische Blockade ziviler Schifffahrtsrouten. Da würde wahrscheinlich ganz doll gelacht und gesungen, wenn mal ein Schiff vorbei will ohne Bordgeschütze. Irrerweise ist das aber gar nicht so, im Gegenteil: wenn den Propagandisten und Akteuren der Barbarei schon in den eigenen Landesgrenzen freie Hand gewährt wird, dann hört erst Recht bei der aktiven Bedrohung außerhalb dieser Grenzen die Geduld auf, denn das Regime in Teheran selbst ist eine rote Linie.
Die Antwort auf eine militärische Drohung kann niemals Appeasement sein, zumal angesichts der vollkommenen Rücksichtslosigkeit ebendiesen Regimes gegen die eigene Bevölkerung. Vielmehr gilt es, den Rest der Welt vor dieser Bedrohung zu schützen. Das ist dann kein »Muskelspiel«, sondern schlicht eine rationale Reaktion auf eine irrationale Gefahr. Stattdessen schlägt Carsten Luther uns vor (nein, nicht Sanktionen), mehr Gesprächsangebote an die Verbrecher zu senden, welche den Iran terrorisieren. Das ist einerseits zwar ziemlich zynisch, hat aber den Vorteil, dass die deutsche Wirtschaft weiterhin Überwachungstechnik und Autos in den Iran exportieren darf.
Davon hat dann jeder was. Außer den Menschen, die in die Fänge der Mullahs geraten.

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«In the very midst of Revolution»

Die HBO-Miniserien sind ja bekanntlich immer ein paar Abende wert. Das war bei Band of Brothers und The Pacific so, und auch John Adams kann ruhig in diese Reihe eingeordnet werden.
In der Serie wird das Leben eines der Mitbegründer der USA, John Adams, vom «Boston Massacre» 1770 bis zu dessen Tod am 4. Juli 1826 abgedeckt und damit die Gründungsphase der Vereinigten Staaten. Man sieht also einen Menschen, der einerseits britische Offiziere gegen den Lynchmob vor Gericht verteidigt, andererseits auf dem Zweiten Kontinentalkongress vehement für die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien von der britischen Krone streitet. Damit ist er ein gewisser Gegenpart zum strahlenden Thomas Jefferson, der sich an ebenso prominenter Stelle für die Freiheit in den amerikanischen Kolonien engagierte, darüber hinaus auch für die Französische Revolution.
Die Beziehung der beiden schreit natürlich gradezu danach, dramaturgisch ausgeschlachtet zu werden. Denn ihre vielen Kämpfe miteinander spiegeln letztlich auch nur den Willen wider, die Menschen in eine freiere Welt zu entlassen. Als beide am 50. Unabhängigkeitstag hochbetagt starben, konnte man ihnen sicherlich kein Scheitern vorwerfen.
Wenn man sich also die historischen Ungenauigkeiten klarmacht, ist diese Miniserie genau das Richtige, um sich mindestens die Vorweihnachtszeit gebührend und menschenfrei um die Ohren zu schlagen.

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The Mountain from TSO Photography on Vimeo.

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Racism is stupid.

Ihr habt gehört, was der Panda gesagt hat!!

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Zecken und Blutsauger

Gemäß dem Schreiben müsse davon ausgegangen werden, dass „noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. In dem Schreiben war demnach die Rede von drei geplanten Explosionen „gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“. Das LKA geht daher davon aus, dass noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten.
zeit.de

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Halle? Irgendwer?

Birte Hewera (Berlin):
Engagement und Desengagement.
Jean-Paul Sartre – Michel Foucault – Jean Améry

Di, 13.12.11, 18.30 Uhr, Melanchthonianum, Uniplatz

Jean Améry wurde im April 1945 von den Engländern aus Bergen-Belsen befreit. Nach zwei Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, stieß der Anhänger des Wiener Neopositivismus nun auf die Philosophie Jean-Paul Sartres.
In Auschwitz hatte Amérys Bezug zum Neopositivismus einen Bruch erfahren, da sich in diesem Denken die erlittene Wirklichkeit von Folter und KZ nicht wiederfinden ließ. Erst der Sartre’sche Existentialismus gab Améry die Möglichkeit, dieses Erlittene zu artikulieren, sein eigenes Handeln als moralisch zu bekräftigen, die Täter zu verurteilen und für sich selbst eine Zukunft jenseits des von den Nazis über ihn verhängten Urteils überhaupt zu denken.
Die „Tendenzwende“ – das Aufkommen des französischen Strukturalismus – stellte diese Errungenschaft jedoch wieder in Frage. Améry kritisierte den Strukturalismus, dem er Michel Foucault entgegen dessen Selbstbeschreibung ausdrücklich zuordnete, bereits sehr früh, lange schon, bevor dieser in Deutschland populär wurde. Er bezeichnete den Strukturalismus als „Philosophie jenseits des Menschen“, da der leibliche und leidende Mensch hier keinen Platz hatte, das Handeln als Akt freier Wahl negiert, sowie überhaupt von jeglicher Erfahrung abstrahiert wurde.
Schließlich ist es konstitutiv für das Denken Amérys, dass die gelebte Erfahrung – das „vécu“, den unhintergehbaren Referenzpunkt jeglicher Reflexion bildet. So polemisierte Améry auch gegen alle diejenigen, die die existenzielle Bedeutung des Staates Israels nicht sehen wollten. Denn das Bestehen dieses Staates, so Améry, sei nur vor dem Hintergrund der Katastrophe Auschwitz und der darin enthaltenen Möglichkeit eines zweiten Auschwitz zu sehen. Améry hatte sich selbst immer als der Linken zugehörig betrachtet. Die Ignoranz gegenüber der andauernden Bedrohung Israels und der zunehmende und nur schlecht als „Antizionismus“ verhüllte Antisemitismus ausgerechnet innerhalb der Linken ließen ihn jedoch schließlich an dieser Linken verzweifeln. Die Bezeichnung der arabischen Gewaltregime als progressiv, Israels hingegen als reaktionär, verweise auf eine „totale Verwirrung der Begriffe“, auf den „definitiven Verlust moralisch-politischer Maßstäbe“. Am Israel-Palästina-Konflikt schließlich habe die Linke sich neu zu definieren, insofern sie sich nicht selbst aufgeben und die Maßstäbe der Gerechtigkeit für den „Fetisch Revolution“ opfern will.

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elendes Gesindel

In der Frage des Antisemitismus habe ich wenig Lust, Erklärungen zu suchen, verspüre eine starke Neigung, mich meinen Affekten zu überlassen, und fühle mich in der ganzen unwissenschaftlichen Einstellung bestärkt, daß die Menschen so durchschnittlich und im großen ganzen doch elendes Gesindel sind.
— Sigmund Freud: Brief an Arnold Zweig 1927, in: Ernst L. Freud (Hg.): Sigmund Freud – Arnold Zweig Briefwechsel, Frankfurt am Main 1969, S. 11
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Zizek über Occupy Frankfurt

»Je weniger man von diesem Ort sieht, desto besser versteht man ihn. Der Sinn der Occupy-Bewegung liegt nicht darin, dass wir daran teilnehmen, sondern dass möglichst viele Leute von ihr erfahren.« Paradoxie à la Slavoj Žižek: Eine Illusion, die durchschaut ist, hat sich noch lange nicht erledigt – wir müssen uns trotzdem dazu verhalten. Die Leute müssen protestieren, damit ein Bewusstsein entsteht, aber eigentlich sind es, natürlich, die falschen Leute.
-zeit.de

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Ein Fall für die Psychiatrie

Das medizinische Gutachten über Anders Breivik liegt nun vor und kommt zu der Schlussfolgerung, die hier schon vorsichtig vermutet wurde: Der Mann ist krank, nicht politisch indoktriniert.

Leygraf: Die Theorie, dass seine Taten einen internationalen rechtsextremen Hintergrund haben, ist damit nicht mehr zu halten. Es handelt sich um die individuelle Krankheit eines Menschen. Das bedeutet auf der anderen Seite aber nicht, dass Rechtsextremismus nicht mehr gefährlich wäre. Aber das, was er geschrieben hat, wird man in erster Linie unter dem Aspekt seiner Krankheit bewerten müssen.

ZEIT ONLINE: In Breiviks krankem Weltbild waren die Morde an Unschuldigen offenbar gerechtfertigt. Was unterscheidet ihn von religiös motivierten Fundamentalisten? Könnten sie auch als unzurechnungsfähig gelten?

Leygraf: Nein, weil ein religiös motivierter Akt nicht durch eine wahnhafte Erkrankung ausgelöst wird. Aus psychiatrischer Sicht besitzen religiös motivierte Fundamentalisten eine sogenannte überweltliche Idee. Zu solchen Ideen kann ein Mensch im Unterschied zum Wahn kritischen Abstand gewinnen. Das hat nichts mit einer Krankheit zu tun. Zudem gehört zu der Diagnose paranoide Schizophrenie nicht nur der Wahn. Es gibt immer auch andere Symptome wie eine Störung der Affektivität oder der zwischenmenschlichen Kontaktfähigkeit. Die von außen absurd erscheinende Überzeugung macht nicht die Krankheit aus.

das ganze Interview mit dem Professor für Psychiatrie, Norbert Leygraf

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Wir haben dies Wunder so verstanden, dass der einzelne sein Ich-Ideal aufgibt und es gegen das im Führer verkörperte Massenideal vertauscht. Das Wunder, dürfen wir berichtigend hinzufügen, ist nicht in allen Fällen gleich groß. Die Sonderung von Ich und Ich -Ideal ist bei vielen Individuen nicht weit vorgeschritten, die beiden fallen noch leicht zusammen, das Ich hat sich oft die frühere narzisstische Selbstgefälligkeit bewahrt. Die Wahl des Führers wird durch dies Verhältnis sehr erleichtert. Er braucht oft nur die typischen Eigenschaften dieser Individuen in besonders scharfer und reiner Ausprägung zu besitzen und den Eindruck größerer Kraft und libidinöser Freiheit zu machen, so kommt ihm das Bedürfnis nach einem starken Oberhaupt entgegen und bekleidet ihn mit der Übermacht, auf die er sonst vielleicht keinen Anspruch hätte.
Sigmund Freud, Massenpsychologie und Ich-Analyse.

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„Deutschland? Weißt du doch nich!“

2012 – Fliegen bis Dresden Geschichte ist!
Gemeinsamer Aufruf der Bündnisse
Dresden Häuserfrei und X-tausendmal leer

1945 ist es uns erstmalig gelungen, Europas größte Barockausstellung durch Flächenbombardements zu beenden. Grundlage unseres Erfolges war die Länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Luftwaffen der beteiligten Staaten sowie einigen anderen Organisationen und Einzelpersonen. Mit unserer klaren Ankündigung, die größte Barockausstellung der Welt zu beenden, haben wir gemeinsam den Raum des symbolischen Protestes verlassen. Die Entschlossenheit tausender Piloten, sich mit den Mitteln des militärischen Gehorsams der schnöden Barockbauten zu entledigen, hat die Operation zu einem Erfolg werden lassen.

Für 2012 hat die Stadt Dresden angekündigt, mehrere Veranstaltungen zum Jahrestag der allierten Luftangriffe auf Dresden durchzuführen. Seit Jahren versucht Dresden die eigene Bombardierung für die Zwecke der Stadt zu instrumentalisieren und an bestehende Mythen und die Gedenkkultur anzuknüpfen. Wir werden nicht akzeptieren, dass die Stadt Dresden die Geschichte verdreht und die eigentlichen Helden, die Piloten der allierten Streitkräfte, verhöhnt werden.

Wir sind uns bewusst, dass sich Dresden seine „Prachtbauten“ nicht einfach nehmen lassen wird. Deshalb werden wir uns 2012 wieder durch Aktionen des militärischen Gehorsams mit Flächenbombardements auf uns aufmerksam machen. Dieses Ziel eint uns über alle sozialen, politischen oder kulturellen Unterschiede hinweg. Von uns wird dabei eine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, Dresden wieder zu enturbanisieren, seiner Prachtgebäude zu entreissen und damit auch ein klares Zeichen gegen Gentrifizierung zu setzen.

Wir werden uns weiterhin bei Versuchen der Gegenwehr solidarisch zueinander verhalten. Wir stellen uns gegen jeden Versuch, Flächenbombardements als „extremistisch“ zu bezeichnen.
2012 werden wir Dresden gemeinsam bombardieren – bunt und lautstark, kreativ und entschlossen!

Nie wieder Dresden! Feuer frei!

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Hass… Hass… Hass und Gewalt.

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»Occupy the Movement!«

In der aktuellen Jungle World vergisst Bernhard Schmid in einem sonst guten Artikel, »dass die SA-Aufmärsche dann doch schneller organisiert waren als die soziale Revolution.« (ebd.)

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»Biopolitik«

Germanisten, die Carl Schmitt zitieren, rufen in einer der nächsten Fußnoten garantiert Giorgio Agamben auf, um anschließend auf Michel Foucaults Begriff der »Biopolitik« zu sprechen zu kommen.
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