Archiv für April 2010

Get the party started


♫ »Kein Worte sind die letzten, nicht zu sagen, nur verhallt.«

Leblos von Freitag [Indie]

Das mit den Steinen stimmt doch nicht.

Die Welt schaut gebannt auf Hamburg und Berlin — wann wird endlich das Machetenverbot durchgesetzt?

♫ »Until I can see nothing at all«

»November« von Azure Ray [Indiepop]

written in the sky

»Tell me what to swallow«

»Tell Me What To Swallow« von Crystal Castles« [Electronic]

Die Lichter sind noch da, aber--

»Komm, leb die Panik aus«

»und weißt du-- merkst du--«

Berlin

flickr
via Blockpaua

Musik an. Welt aus.

Wenn’s in der Schule scheiße läuft, kann man ja immernoch zu den Bullen gehen.

Eigentlich ist ja schon das meiste gesagt über Polizisten, den 1. Mai und Extremismus. Aber was Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), im Interview mit Spiegel Online vom Stapel lässt, das toppt die sowieso schon hohe Messlatte der Lächerlichkeit noch einmal.

-»es gibt überhaupt keine Hemmungen, auch die Tötung von Polizisten in Kauf zu nehmen«
-»es fehlt eigentlich nur noch der Schusswaffengebrauch«
-»das hat mit Widerstand gegen Rechts überhaupt nichts zu tun, sondern ist schlichtweg Kriminalität und Terrorismus«
-»teilweise sind Repräsentanten von Rot-Rot bei diesen Krawallen mit dabei«

Jetzt muss er sich nur noch eine rote Nase vors Gesicht schnallen und aufpassen, dass er sich nicht mit der Dienstwaffe selber verletzt. Doller Typ.

»Auf dem Weg vom Kiosk zurück ins Büro«

Momorulez schreibt auf, was passiert, wenn sich Reflektion nicht exportieren lässt.

»Gehe zum Bus, will Fahrkarte lösen, geht nicht: Apparat kaputt. Muss schwarz fahren.«

♫ »Get on top of me before I‘m gone- gone- gone----«

»Come On Kids« von Tegan & Sara [Indie]

»Am Ende kommen Touristen«

Was die Menschen über sich und ihre Geschichte zu lernen bereit sind, zeigt sich an den Orten ihrer Verbrechen und ihres Gedenkens besonders fokussiert. Der Lernprozess der deutschen Bevölkerung lässt sich sehr genau an dem Ort messen, an dem Robert Thalheim seinen Zivildienst Mitte der Neunziger Jahre ableistete: in der Jugendbegegnungsstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im heutigen Oświęcim. Die Eindrücke und Erlebnisse flossen in einen der eindrucksvollsten deutschsprachigen Filme der letzten Jahre ein, mit dem vielsagenden und treffenden Titel »Am Ende kommen Touristen«.
Der Zivildienstleistende Sven findet mehr oder weniger ungeplant den Weg zu seiner Dienststelle in Oświęcim, eigentlich hatte er sich für eine Stelle in den Niederlanden interessiert. Dementsprechend unbedarft und zurückhaltend nähert er sich dem Ort an, an dem kleine Häuser auf den Plätzen alter Baracken stehen und abends Konzerte stattfinden, Diskotheken geöffnet haben. Er wird dem KZ-Überlebenden Stanislaw Krzeminski zur Seite gestellt, welcher in der Gedenkstätte als Restaurator arbeitet und sich auch Jugendgruppen als Zeitzeuge zur Verfügung stellt. Ungeachtet der abweisenden Haltung Krzeminskis ihm gegenüber entwickelt Sven schnell ein Verständnis für die Situation, das das der meisten Besuchergruppen übersteigt.
Zwar sind tiefgreifende Kommentare in dem Film kaum zu finden, aber grade dadurch gewinnt das Desinteresse in den Zeitzeugengesprächen, das viele Besucher an den Tag legen, ohne eine Spur von Distanz oder Reflektion oder Nähe, an niederschmetternder Wucht. Da unterbricht eine Geschäftsführerin den Zeitzeugen mitten im Vortrag, kurz nachdem er eindringlich erklärte, die Lagerinsassen wären nur nach ihrem Nutzen bewertet worden. Oder ein deutscher Lehrling beklagt, man könne die eintätowierte Nummer im Unterarm kaum noch erkennen.
Unterstützt durch die emotionalen Wirrungen einer kurzen Beziehung zur Mitarbeiterin Ania baut sich die Frustration in Sven immer weiter auf, und als er schon auf gepackten Koffern am Bahnhof sitzt, da kommen erneut Touristen an. Und wie der Gruppenleiter Svens Engagement lobt, während dieser die Gruppe doch noch zur Herberge bringt, mit leerem Blick zwar, weiß man, dass die Arbeit wohl nie getan sein wird, aber trotzdem immer Früchte trägt und notwendig bleibt.

A human fucking political being

Offensichtlich sind wir auf der Welt und haben Zeit. Nicht viel davon, aber genug, um sie in irgendeiner Weise sinnvoll zu verbringen. Aber wie verbringt man seine Zeit sinnvoll — vielleicht, indem man auf die ein oder andere Weise das Richtige tut. Was jedoch richtig ist, das weiß man natürlich nicht. Die Tage ziehen vorbei und in ihnen wirbelt man etwas umher; läuft hier- oder dagegen, um sich seiner selbst zu vergewissern, während man immernoch fortwährend überlegt, was richtig ist oder gewesen wäre.
Dabei ist diese Frage gar nicht so schwer zu beantworten. Oder vielmehr, sie ist nicht so schwer zu lösen, denn eine wirkliche Antwort gibt es nicht. Richtig ist nur, was einem selbst Genüge tut. Wo man sich wohlfühlt, wobei man am Leben ist und was mit einem selbst übereinstimmt. Am Leben sein, nunja: ist man nicht sowieso am Leben, solange man hier ist? Biologisch gesehen ja, aber so rein menschlich — nein, das kommt schnell abhanden. Technisch gesehen bedeutet am Leben sein, mit seiner Umwelt wechselzuwirken. Das passt für die menschlichen Aspekte genauso gut.
Insofern stehen wir vor der simplen wie komplexen Aufgabe, unser Ich und unsere Wechselwirkungen zu erhalten, wenn wir mit den vorigen Zeilen konform gehen. Das führt aber zwangsläufig zu den anderen Menschen hin, welche wir für diesen Austausch benötigen — der durch Interaktion jeglich vorstellbarer Art stattfindet. Da die vorangestellten Ansprüche aber allgemeine Gültigkeit fordern, ebenso wie der einzelne Mensch den Austausch mit dem Anderen fordert, kann diese Beziehung nur auf Augenhöhe stattfinden. Die Rechte und Bedürfnisse der Einzelnen sind sich gleich in ihrer Wertigkeit und in keiner Weise verhandelbar, da sie jedem Menschen selbst innewohnen.
Wenn nun aber all dies dem Menschen selbst innewohnt und nur auf Augenhöhe diskutiert werden kann, so schließt das mit ein, dass diese nichtverhandelbaren Schlussfolgerungen nicht akzeptiert, beschnitten oder gar bekämpft werden. Die Interaktion kann aus diesem Idealbild in eine Asymmetrie kippen, welche als ständiger Zustand aus den beschriebenen Gründen nicht hinnehmbar ist.
Und genau dieses Ringen, oft auch Kämpfen, ist es, was man dem abstrakten Begriff »Politik« zuordnen kann und sogar muss. Denn eine Sache besteht nicht nur aus einem Teil ihrer Folgen oder Notwendigkeiten, sondern aus der Gesamtheit ebendieser, und vielmehr noch aus den Gründen für ihre momentane Beschaffenheit. Und »Politik« ist weder ein Hobbydenksport, noch ist es ein merkwürdiges Oben in der Hierarchie.
Politik ist der Kampf für ein besseres Leben. Hier. Jetzt. Immer. Überall.

♫ »I just don‘t wanna have to pretend«

»I‘m not ready« von Modern Life Is War [Melodic Hardcore]

♫ »Zum Glück bin ich nur ein Einzelfall«

»Enttäuscht vom Leben« von Funny van Dannen [Liedermaching]