Archiv für September 2010

»train wrecks always make the front page.«

♫ »I entered nothing and nothing entered me.«

»You Have Killed Me« von Morrissey [Indie]

♫ »now we must pick up every piece of the lif we used to love«

»Holland, 1945« von Neutral Milk Hotel [Indie]

Transzendenz

♫ »Ich habe nichts erreicht außer dir«

»Ich habe nichts erreicht außer dir« von Bernd Begemann

♫ »Right Back To You« von Electric Youth

Electric Youth – Right Back To You (Demo Mix) via DISCODUST

»66/67 — Fairplay war gestern«

»Das Chaos ist aufgebraucht — es war die beste Zeit«

Ziemlich lange musste ich darauf warten, mir den Film endlich mal anzuschauen. Schon im November letzten Jahres kam er in die Kinos, allerdings hauptsächlich in der Stadt, die keinen Namen trägt. Nun gibt es das Ding aber auch in der Videothek.
Die Kommentare in einschlägigen Internetforen und vergleichbarem waren ähnlich vielversprechend wie der Trailer: von »schwul« über »langweilig« bis zu »sozialpädagogisch« war wohl jede Einschätzung dabei, nur eben nicht die, dass es sich um einen großen Schlägerfilm wie bspw. »Football Factory« handelt. Also machte ich mich auf einen nachdenklichen Film gefasst, mit ein paar Schlägereien, die man schon im Trailer gesehen hat. Zumal »schwul« im wertenden Sinne meist für tolle Dinge benutzt wird, vor denen man Angst hat, aber das nur am Rande.
Zur Handlung braucht man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Die Protagonisten bilden die Braunschweiger Hooligangruppe 66/67, benannt nach der Saison, in der der Braunschweiger TSV Eintracht das erste und letzte Mal deutscher Meister wurde. Nun steht der Verein allerdings vor dem Absturz in die vierte Liga, genauso dezimiert sich der Freundeskreis aufgrund von Vorstrafen, Stadionverboten und damit einhergehnder Unlust immer weiter.
Von diesem Szenario aus wird ein eindringlicher Blick geworfen in das Innenleben der Zerrüttung, welcher die Charaktere preisgegeben sind. Da ist das Diplom und der Vater mit der eigenen Firma. Da sind die eigenen Pläne und die noch ernüchterndere Realität. Vor allem aber sieht man in diesem Film Menschen, die sich im Alltag auf ihr Innerstes zurückziehen.
Diese Starrheit mag man ihnen vorwerfen, bestechen tut der Film aber vor allem dadurch, dass er die Eingeengtheit der Sozialsphären seiner Figuren ohne jede Wertung wiedergeben kann. Als Zuschauer_in kann man sich auf die Seite von Özlem schlagen, »als wenn’s diese Kloppereien nicht schon wären«, genauso auf die von Florian, wenn er ihr entgegnet: »Diese Vögel sind das Beste, was mir je passiert ist. Und ich bin das Beste, was ihnen je passieren wird!« Besonders interessant sind die Psychogramme, die der Film eher beiläufig entwirft. Denn genau das, was Florian gerne hätte, sich irgendwo in der Mitte zu treffen, ist unmöglich. Weil im Laufe des Films immer mehr offenkundig wird, dass aus den Hoffnungen, die sich die Figuren machen, niemals etwas werden kann; es sei denn, sie gäben sich selbst auf.

»Hier geht es um was! Um alles nämlich!«

Am erkenntlichsten wird das, als einer der Freunde von seinem eigenen Vater suspendiert wird. Der fand im Spind des Sohnes Diebesgut aus dem Vereinsmuseum, und da beide ausgerechnet bei der Polizei arbeiten, implodiert der regressive Lebensentwurf selbstverständlich sofort. Er geht in ein Büro, nimmt die Dienstwaffe, und augenblicklich halten alle Anwesenden inne. Aber anstatt loszuschießen legt er nur Waffe und Magazin auf den Tisch und fragt: »Was glaubt ihr eigentlich von mir?«
Und parallel zu dieser Zerfahrenheit entsteht nicht einmal beim Zuschauen eine Art von Hoffnung, dass es für die Menschen in diesem Film eine Alternative im Leben gäbe, die ähnlich wertvoll oder lebenswert wäre. Und so kann man ihnen die Resignation nicht mehr übelnehmen, warum auch, und im Endeffekt machen sie dann wenigstens noch Sport an der frischen Luft.
Darüber, dass hier keine nette Gewaltorgie geliefert wurde, mag sich manch eine_r kurz ärgern, aber dafür liefert der Film so viel mehr. Die Reisen durch das Nachtleben und die vielen kleinen Abgründe, genauso wie Personen, die sich selbst gefunden haben und darüber verzweifeln.

PS: Im Gegensatz zu anderen Filmen sind die wenigen Kampfszenen wenigstens realistisch und passen zur Handlung.

Blockpaua Remix

»I love you for being so brave for so long.«

I‘m waiting for the train
subway that only goes one way
the stupid thing that‘ll come to pull us apart
make everybody late

And you spent everything you had
wanted everything to stop that bad
now I‘m a crashed credit card registered to Smith
— not the name that you call me with

You turned white like a saint
I‘m tired of dancing on a pot of gold-flaked paint
oh, we‘re so very precious, you and I
and everything that you do
makes me wanna die

I just told the biggest lie

Frust! automatischer Poller!

im Willen des Volkes

Auf sueddeutsche.de habe ich einen Kommentar gefunden, der mir die eigene Ausformulierung meiner Position zum Urteil im Brunner-Prozess ganz gut abnimmt.

Das Gericht hat das Urteil gefällt, das das Volk will. Ein richtiges Urteil wird es dadurch nicht. Nur mit Mühe dürften die Mordmerkmale zu konstruieren sein. Es bleibt zu hoffen, dass der BGH in Karlsuhe den Fall nüchterner sieht und all die vielen juristischen Fragen diskutiert und lösen wird, die zu einem angemessenen Urteil führen werden.
Immerhin wissen wir nun, dass Selbstjustiz in Bayern unter dem Deckmantel einer falsch verstandenen „Zivilcourage“ erlaubt ist. Anständige Bürger dürfen jugendliche Taugenichts blutig schlagen. Ein Zurückschlagen führt zu langen Haftstrafen. Ob damit die gesamtgesellschaftliche Gewaltbereitschaft zurück gedrängt werden kann, erscheint fraglich.

leave me paralyzed