Archiv für Dezember 2010

no more Kugelhagel


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szeneintern

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Überlege, ob ich meine Lustigkeit mit einer »Auch die Horda steht zum FCH!«-Mail auf die Spitze treibe.

Frohe Weihnachten!

»unless you love, your life will flash by«

»Der heutige Jude steht mitten im Krieg.« — Sartre: Überlegungen zur Judenfrage.


Wir sahen, dass … der Antisemit den Juden schafft.

Bereits wenige Wochen nach der Befreiung von Paris im Oktober 1944 schrieb Jean-Paul Sartre, bedeutendster Vertreter des Existentialismus und bereits damals ein geachteter Intellektueller, den Essay Überlegungen zur Judenfrage. Entgegen den meisten seiner Mitmenschen beschäftigte er sich hier offensiv mit der Struktur des Antisemitismus, unter dem Wissen von Massenmord, aber nicht von dessen Ausmaßen, Formen, Schlagwörtern.
So erklärt sich der ungeschickt anmutende Titel, der von einer Judenfrage spricht, die die Nazis bekanntlich endgültig zu lösen angetreten waren. Auf französisch gibt es allerdings nur die jüdische Frage (»question juive«), welche einen anderen Anspruch nahelegt als den Massenmord. Diesen Wissensstand Sartres gilt es zu berücksichtigen.
Ein weiteres Problem beim Lesen scheint darin zu liegen, dass Sartre fortlaufend schrieb, sich also gedankliche Entwicklungen im Text niederschlagen. So gleitet er anfangs noch in eine teils antisemitisch und rassistisch gefärbte Tonlage ab, die sich glücklicherweise aber im Laufe des Textes zurückbildet, was offensichtlich dem inhaltlichen Anspruch einer befreiten Gesellschaft geschuldet ist.

existierte der Jude nicht, der Antisemit würde ihn erfinden.

Der Essay beginnt mit einem scharf und ergarmungslos gezeichneten Bild vom Antisemiten*. Dessen Beweggründe, Ängste und Verhaltensweisen zeichnet Sartre mit dem Werkzeug seiner Philosophie, die er einige Jahre zuvor in Das Sein und das Nichts beschrieben hat. So kommt er zu dem Schluss, dass der Antisemitismus nicht eine bloße und daher harmlose oder kurzlebige Anschauung ist, sondern einen essentiellen Charakterzug des Antisemiten* darstellt: Er mythologisiert die Welt und kittet seine Ideologie mit einer Karikatur vom Juden* zusammen, den er für sein Scheitern verantwortlich macht. Im Grunde genommen fußt dieses Weltbild, wie Sartre zeigt, auf etwas, was ähnlich der Blut und Boden-Ideologie funktioniert, nämlich über biologische Abstammung und Grundbesitz.

auch für die Juden werden wir die Revolution machen

Er analysiert, dass die Jüdinnen und Juden nur zwei Optionen haben: Authenzität oder Unauthenzität, was nicht anderes heißt, als dass sie die ihnen vom Antisemiten auferlegte Rolle als Gemeinschaft annehmen oder verweigern können. Über diese Flucht vor der Rolle erklärt Sartre einige Verhaltensweisen, die der Antisemit als »typisch jüdisch« ausmacht, die aber nur den Getriebenen charakterisieren. So z.B. die Rationalität und den Humanismus, welche mitunter jüdisch geprägt sind.

Aber der Mensch existiert nicht.

Im Angesicht dieser Verhältnisse zwischen Antisemit* und Jude* kritisiert Sartre vor allem den Demokraten*, da dieser den Antisemitismus schlicht verbieten wolle, was den Antisemiten* aber nicht tangiert, da dieser eh im Dienste einer »wahren Nation« unterwegs ist, die nicht durch die tatsächliche vertreten wird. Die Tendenz der Demokrat_innen sei es, »schlicht und einfach den Juden zugunsten des Menschen* zu beseitigen. Aber das läuft dem Mensch-sein zuwider, da dieses auch das jüdisch/katholisch/wasauchimmer-sein beinhaltet. Insofern ist die demokratische Positionierung zum Antisemitismus erstens Schall und Rauch und zweites unangemessen.

Das jüdische Problem ist durch den Antisemitismus entstanden; also muss man den Antisemitismus abschaffen, um es zu lösen.

Daher plädiert Sartre für einen mehr oder weniger direkten Zwang den Antisemit_innen gegenüber. Da sie sich weder um Gesetze noch um Rationalität scheren, »muss man seine* Situation von Grund auf verändern«. Diese Veränderung bedeutet allerdings vielmehr eine sozialistische Revolution, die dem Antisemitismus seine Grundlage, nämlich die Klassenunterschiede entziehen würde. An dieser Stelle geht Sartre glücklicherweise auf die Gefahr reaktionärer Arbeiterbewegungen ein, nachdem er diesen zu Beginn mehr oder weniger einen Gutschein zur Antisemitismuslosigkeit ausgestellt hat. »Das bedeutet, Antisemitismus ist eine mythische und bürgerliche Vorstellung vom Klassenkampf, die in einer klassenlosen Gesellschaft nicht existieren könnte.« Dass auch Arbeiter_innen diesem falschen Klassenkampf anheim fallen können, zeigt ein Zitat im Anhang der deutschen Ausgabe, das sich in der Kommentarspalte findet.

Es ist nicht zuerst Sache der Juden, eine militante Liga gegen Antisemitismus zu gründen, es ist unsere Sache.

Wie sehr dieser Essay auf dem philosophischen Werk Sartres beruht, erschließt sich an den Worten, mit denen er ihn beendet. Denn dass der Jude sich als Jude* fühlt, das ist nicht seine Schuld. »Es sind unsere Worte und unsere Gesten — alle unsere Worte und alle unsere Gesten, unser Antisemitismus, aber auch unser herablassender Liberalismus —, die ihn bis ins Mark vergiftet haben.« Und da ich nicht meine Freiheit wollen kann, ohne die Freiheit des Anderen zu wollen, schließt Sartre konsequent:

Wenn wir uns dieser Gefahren bewusst sind, wenn wir voller Scham unsere unfreiwillige Komplizenschaft mit den Antisemiten erlebt haben, die uns zu Henkern gemacht hat, dann werden wir vielleicht anfangen zu begreifen, dass wir für den Juden* kämpfen müssen, nicht mehr und nicht weniger als für uns selber.

*Sartre benutzt zur Zeichnung der Strukturen versinnbildlichte Einzelmenschen. Es ist zu bemängeln, dass diese ausschließlich männlich sind.

»die metaphysische Sorge ist ein Luxus«

Ich sage ohne Zögern, die metaphysische Sorge ist ein Luxus, den sich der Jude heute sowenig wie der Arbeiter leisten kann. Man muss seiner Rechte sicher und tief in der Welt verwurzelt sein, man muss frei sein von den Ängsten, die täglich die unterdrückten Klassen oder Minderheiten umhertreiben, um es sich zu erlauben, nach dem Platz des Menschen in der Welt und nach seiner Bestimmung zu fragen.
Jean-Paul Sartre: Überlegungen zur Judenfrage. S. 80

Rom

Nun stellt sich für die Weltgemeinschaft die Frage: Was hat Santa gegen die Bullen?

»it’s a goldrush of confusion«

»dieser permanente Aufstand«

So gibt es für den Antisemiten ein reales Frankreich, mit einer realen, jedoch diffusen Regierung ohne spezialisierte Organe und ein abstraktes, offizielles, verjudetes Frankreich, gegen das sich zu erheben zum guten Ton gehört. Natürlich ist dieser permanente Aufstand die Angelegenheit der Gruppe: in keinem Fall würde der Antisemit allein handeln oder denken.
— Jean-Paul Sartre: Überlegungen zur Judenfrage.

Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs: Von Haus Aus Allein

Antifa-Yuppies


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Der Held des Internets — ein Vergewaltiger und Verschwörungstheoretiker

In den letzten Tagen drehte sich das gesamte Internet um einen Mann, nämlich Julian Assange. Nachdem seine Webseite Wikileaks geheime Dokumente des US-Außenministeriums veröffentlicht hatte, die nicht viel mehr taten, als gängige politische Analysen zu untermauern, brach über ihn erst eine Welle von Repression, dann von Solidarität herein.
Die beiden größten Kreditkarten-Unternehmen, Visa und Mastercard, stellten vor kurzem Zahlungen ihrer Kunden an Wikileaks ein — obwohl sie sich sonst nicht einmal am Ku-Klux-Klan stören. Eine schweizerische Bank sperrte zuvor Assanges Konto, da er keinen Wohnsitz in der Schweiz nachweisen kann. Genauso stellte vorher Paypal die Zahlungen an Wikileaks ein.
In einer Situation, in der Wikileaks ständigen Angriffen auf die Verfügbarkeit seiner Internetpräsenz ausgesetzt ist, wiegt die Erschwerung von Spenden natürlich schwer. Allerdings ist das auch ein ganz lustiger Querverweis auf die politische Deregulierung, für die Assange steht.
Weiterhin erhielt Assange zahlreiche Morddrohungen, die sich nach seiner Auskunft auch »gegen seine Kinder und Anwälte« richteten.
Zusätzlich zu dieser Bedrohungslage, die für Assange wohl handhabbar ist, wurde nun ein internationaler Haftbefehl der schwedischen Staatsanwaltschaft vollstreckt. Vor allem dieser Haftbefehl ist für Julian Assange und viele seiner Fürredner_innen ein Ärgernis. Denn die Einschätzungen der Staatsanwaltschaft wechselten einige Male; außerdem unterstellt Assange den beiden Frauen, die ihn anzeigten, es habe nur einvernehmlichen Sex gegeben.
Zunächst einmal ignoriert dies komplett die halbwegs emanzipierte Rechtslage in Schweden, die nicht einvernehmliche Handlungen auch dann strafrechtlich sanktioniert, wenn es bspw nach deutschem Recht nicht möglich wäre.
Dieser gesetzliche Rahmen ist sinnvoll und zu akzeptieren. Dass das nicht der Fall ist, zeigen ein paar ziemlich widerliche Blogposts, die in der Google-Suche recht weit oben landen, hier aber nicht verlinkt werden sollen.
Was aber noch schwerer wiegt, ist die Haltung Assanges zu den Vorwürfen: anstatt sein Verhalten zu hinterfragen und sich die Frage zu stellen, was er getan hat, das seine Sexpartner_innen nicht als einvernehmlich empfunden haben, spricht er ihnen einfach das Recht ab, selbst zu bestimmen, was nun einvernehmlich ist und was nicht.
Er tut die Vorwürfe einfach als falsch ab und unterstellt den Frauen damit, sie könnten nicht beurteilen, ob sie einer sexuellen Handlung zustimmen oder nicht. Und unabhängig davon, ob und warum er glaubte, die Handlungen seien einvernehmlich gewesen, ist durch seine Reaktion auf die Vorwürfe festzustellen:
Dieser Mann weiß gar nicht, was einvernehmliche Handlungen sind, und er ist auch nicht in der Lage, sein Handeln zu reflektieren und einzuordnen.
Stattdessen schiebt er die Verantwortung für die Vorwürfe der amerikanischen Regierung zu. Obwohl die schwedische Staatsanwaltschaft zu diesem Thema ganz klar Stellung bezog:

Dass Assange von Schweden an die USA ausgeliefert werden könnte, schloss Ny aus. Sie sagte: „Das ist in einem Fall wie diesem nicht möglich.“

Seinem Irrglauben weiter folgend interpretiert er die einzelnen Entscheidungen, die ihm und seinem Projekt in letzter Zeit Schaden zufügten, allesamt als Kampagne der US-Regierung gegen ihn.
Allerdings haben die Enthüllungen von Wikileaks vor allem eines gezeigt: dass es solche gezielt und global gesteuerten Kampagnen nicht gibt, sondern sich der politische Betrieb durchaus so vollzieht, wie man sich ihn vorstellt: scheiße, aber nicht verschworen.

♫ Eye Of The Tiger Rmx

Eye Of The Tiger Rmx von ineQ

Ihr als Deutsche

Wir dürfen nicht darauf warten, dass Israel von sich aus kollabiert. […] Insbesondere wir Deutsche haben die Pflicht, Stellung zu beziehen. Deutschland hat eine Mitschuld am Entstehen Israels und dem damit verbundenen Schicksal der palästinensischen Bevölkerung.

Wer sich dafür schuldig fühlt, dass es Menschen gibt, die die Shoah überlebt haben, den kann man nun wahrlich im ganz klassischen Sinne als deutsch bezeichnen.

♫ »it always seems like you‘re leaving when I need you here«

Good Feeling von Violent Femmes

Der Antisemit