Archiv für März 2011

♫ »Du bist gegen vieles: wir auch!«

»Du bist dagegen« von Koljah & Refpolk [Hip Hop]

Illustrations

Florian Nicolle

»Everything you forgot yesterday«


Laurie Frick

Prioritäten

Wie die Neutralität in Person kommt der Artikel auf Spiegel Online daher, der einen Erfolg des israelischen Geheimdienstes Mossad publik macht. Ein wahrer »Agententhriller« sei das, in den der mutmaßliche Hamas-Ingenieur Abu Sisi geraten ist. Der wurde nämlich festgenommen. Wenn man schon keine Kinofilme machen kann, dann will man wenigstens seine Nachrichten in James-Bond-Manier platzieren. Brav werden auch alle Fakten aufgezählt: Es geht um den Fall des Gilad Schalit, der seit über vier Jahren von der islamistischen Terrororganisation Hamas festgehalten wird. Abu Sisi soll nun Informationen zu dessen Verbleib besitzen, alternativ fordert die Hamas für Schalits Freilassung lediglich 1000 palästinensische Terrorist_innen zurück.
Weil man sich über solche offensichtlichen Verirrungen nicht gegen Israel empören kann, macht man das dann einfach ein paar Sätze später. Dazu wird eine emotional aufgeladene Geschichte runtergeleiert, und schwupps: auf einmal haben wir ein Problem damit, wenn Menschen mir nichts, dir nichts festgehalten werden. Die Israelis »schmettern Widersprüche ab«, und zuhause sitzt nun auch eine besorgte Familie.
Dass sich um Gilad Schalit eventuell auch Menschen sorgen machen, taucht wieder einmal nicht auf. Aber der ist schließlich auch jüdischer Soldat, gefangengehalten von mordenden Antisemit_innen.

Gegen Gaddafi

Libyen

Tripolis/Riad – Verzweifelt schreit die Frau, als die Sicherheitkräfte sie abholen kommen, deutlich ist es auf einem YouTube-Video zu sehen. Die Libyerin war zuvor in ein Fünf-Sterne-Hotel in der Hauptstadt Tripolis gestürmt und berichtete den dort untergebrachten Journalisten, wie sie von Gaddafi-treuen Kämpfern missbraucht worden sei. Sie sagte, sie sei an einer Straßensperre verschleppt, anschließend von 15 Männern vergewaltigt und gefoltert worden.
Laut „Washington Post“ sagte die Frau: „Schaut, was sie mir angetan haben.“ Demnach zeigte sie den Journalisten Kratzer und Blutspuren an ihren Oberschenkeln. An ihren Händen und Knöcheln habe man sehen können, dass sie gefesselt worden war, schreibt das US-Blatt. Sie sagte den Reportern, sie heiße Iman al-Obeidi. Laut der Zeitung schilderte die Frau, wie die Männer sie erniedrigten: „Sie urinierten auf mich, sie schändeten meine Ehre.“
Die „Washington Post“ beschreibt die Szene so: Während sie sprach, kamen Hotelangestellte und Sicherheitskräfte hinzu und versuchten, die Frau fortzuziehen. Einige Journalisten, die versuchten, die Frau zu beschützen, seien geschlagen worden. Ein Reporter der „Financial Times“ sei niedergeschlagen und getreten worden. Zwei Kellnerinnen griffen demnach nach Messern und schrien, die Frau sei eine Verräterin. Beamte warfen eine Kamera des Fernsehsenders CNN auf den Boden und bedrohten den Kameramann mit einer Pistole, als er sie wieder aufheben wollte.
Kurz darauf wurde die Frau vor den Augen der Journalisten von einem Vertreter der Staatsmacht in Zivil überwältigt und fortgebracht. Er hielt ihr die Hand auf den Mund, um sie am Sprechen zu hindern.

via Spiegel Online

Und Deutschland gefällt sich wieder im Zuschauen.

Der ehrbare Antisemitismus

Der vorliegende Text von Jean Améry wurde am 25.7. 1969 in der Zeit veröffentlicht und wird hier nach nach dem Conne Island Newsflyer zitiert.

De Gaulle fiel. Manch einem war trüb zumut wie einem Heineschen Grenadier; mir auch, mir auch. Nur leider, dass in New York dem französischen UNO- Delegierten Armand Bérard nichts besseres einfiel, als verzweifelt auszurufen (laut „Nouvel Observateur“ vom 5.Mai): „C’est l’or juif!“ Und kein Dementi. Rechter Hand, linker Hand alles vertauscht. Der Antisemitismus schafft’s und, wie es einst bei Stefan George hiess: „… er reisst in den Ring.“
Das klassische Phänomen des Antisemitismus nimmt aktuelle Gestalt an. Der alte besteht weiter, das nenn ich mir Koexistenz. Was war, das blieb und wird bleiben: der krummnasige, krummbeinige Jude, der vor irgendwas – was sag ich? – der vor allem davonläuft. So ist er auch zu sehen auf den Affichen und in den Pamphleten der arabischen Propaganda, an der angeblich braune Herren deutscher Muttersprache von einst, wohlkaschiert hinter arabischen Namen, mitkassieren sollen. Die neuen Vorstellungen aber traten auf die Szene gleich nach dem Sechs-Tage-Krieg und setzen langsamerhand sich durch: der israelische Unterdrücker, die mit dem ehernen Tritt römischer Legionen friedliches palästinensisches Land zerstampft. Anti-Israelismus, Anti-Zionismus in reinstem Vernehmen mit dem Antisemitismus von dazumal. Der ehern tretende Unterdrücker-Legionär und der krummbeinige Davonläufer stören einander nicht. Wie sich endlich die Bilder gleichen!
Doch neu ist in der Tat die Ansiedlung des als Anti-Israelismus sich gerierenden Antisemitismus auf der Linken. Einst war das der Sozialismus der dummen Kerle. Heute steht er im Begriff, ein integrierender Bestandteil des Sozialismus schlechthin zu werden, und so macht jeder Sozialist sich selber freien Willens zum dummen Kerl.
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♫ Prinz Pi: Du Bist

»Du bist« von Prinz Pi [Hip Hop]

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»Israel angreifen müssen«

Fun Fact: die Juden sind schlimmer als Gaddafi und Saddam Hussein zusammen.


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Äquivalenzdosis


Eine anschauliche Tabelle, die das Verhältnis der Strahlenbelastungen klarmacht, von denen in diesen Tagen so viel die Rede ist.
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»Die Individuen sollen nie und nimmer für Staat, Gemeinschaft, Kollektiv, Kultur oder Tradition da sein.«

Die Redaktion meldet sich wieder aus dem Sumpf der Audioarchive, diesmal mit einem Referat von Martin Dornis aus dem Jahr 2009. Unter dem Thema »Im Zeichen der Krise. Massenwahn und gewaltförmige Vergleichung in der Warengesellschaft« unterzieht er die Zustände einer materialistischen Kritik mit Hilfe des Marxismus. Hierbei wird aufgezeigt, dass jegliche Krise bereits im kapitalistischen Produktionsprozess angelegt ist, und eine Kritik, die eine gesunde Marktwirtschaft vorstellt, auf antisemitische Feindbilder zurückgreifen muss.

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Die freiheitlich-demokratische Grundordnung

Dieses Bild ist bei weitem der beste Kommentar zum Verhalten der Bundesregierung gegenüber Diktatoren, welche die Bevölkerung vom Militär niedermähen lassen.

»Hängt ihr die Juden auf, wir hängen die anderen Kapitalisten auf!«

Ein hörenswerter Beitrag, den ich beim Audioarchiv gefunden habe, beschäftigt sich mit dem Antisemitismus in der KPD vor dem Machtantritt der Nazis. Es wird deutlich, dass die KPD den Antisemitismus als willkommenen Impuls zur Kapitalismuskritik begrüßte, wie es schon die SPD Ende des 19. Jahrhunderts proklamierte. Hierbei scheute man auch keineswegs vor der Zusammenarbeit mit nationalistischen Gruppen zurück, und genierte sich nicht einmal dafür.

♫ »this is not another girl meets boy«

»I‘m Not Your Toy« von La Roux [Electropop]

Tel Aviv


Skandal