
Noch während gar nicht klar ist, wie sich die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima entwickelt, reiben sich die Deutschen schon wieder die Hände. Die Hunderttausenden Obdachlosen, die unzähligen Toten und Vermissten, die sind ihnen herzlich egal. Wichtiger ist ihnen, dass es endlich zur Kernschmelze kommt und Menschen an einem Ort, der nicht weiter entfernt sein könnte, das abschreckende Beispiel für ihre politischen Forderungen durchleben müssen.
Es ist in Zusammenhang mit dem Katastrophenporno, der durch die Wohnzimmer flimmert, nicht nur hanebüchen, diesen für die Mobilmachung der Demonstrant_innen zu benutzen, sondern auch schlichtweg widerlich, denn wieviel mehr Hohn könnte man den Menschen im Katastrophengebiet jetzt entgegenschleudern, als noch im Moment ihres Unglücks nur das eigene Schicksal vor sich herzutragen, das heute nicht minder gut oder schlecht aussieht als noch vor einer Woche.
die anti-antomkraft-demos für heute waren schon lange vorher geplant. und natürlich benutzen die demonstranten, grüne und linke politiker nun auch fukushima als argumentation in einer eigentlich schon viel zu lang geführten debatte. denn atomkraft ist gefährlich. es ist eher ein skandal, dass es erst wieder einen potenziellen gau und unzählige japanische opfer braucht, um diesen fakt darzustellen. deine argumentation erinnert ja ein bisschen an guttenberg am anfang der plagiatsgeschichte: „wenn ein titel wichtiger ist als tote deutsche soldaten…“ oder so ähnlich. gewollt?
»es ist eher ein skandal, dass es erst wieder einen potenziellen gau und unzählige japanische opfer braucht, um diesen fakt darzustellen.«
Die Menschen in Japan sind durch Erdbeben und Tsunami gestorben und obdachlos geworden, nicht durch das AKW.
Atomkraft ist auch ohne diesen Vorfall gefährlich, und genau deswegen finde ich es widerlich, eine Katastrophe, in der ein potentieller GAU momentan nur ein Unglück unter vielen ist (noch ist doch gar nicht raus, wie sich das entwickelt, egal wie wahrscheinlich es ist, dass es schlecht ausgeht), derart zu verballhornen und als Beweis der eigenen Position zu verschachern.
Denn Atomkraft wird durch dieses Ereignis nicht mehr und nicht weniger gefährlich, und den Betroffenen in Japan ist mit solchen Argumentationen auch nicht geholfen.
Was da auch mit reinspielt:
http://boess.welt.de/2011/03/12/menschgemachte-menschenverachtung/
mit dem potenziellen gau waren dementsprechend auch die potenziellen opfer gemeint. diese gibt es bisher zum glück nicht. aber mal im ernst: ich traue japanischen energieunternehmen genauso wenig wie deutschen oder französischen…
die gefahr des gaus steht aber nun mal unmittelbar bevor und ist natürlich gefundenes fressen für jede anti-akw-demo und jeden politiker oder aktivisten. das kann man natürlich kritisieren. die gefahr nun aber herunterspielen oder komplett aus den augen zu verlieren mit hinblick auf „gibt es nicht schon genug opfer durch das beben/den tsunami“ (wie kommentare in deinem link) ist für mich noch viel unglaublicher. da wird nämlich mit denen gespielt, die bisher überlebt haben und so getan, als wenn die nicht mehr in gefahr sind.
und: argumentationen helfen doch sowieso nie – taten tun es.
ich kotz‘ die wand an: „Fukushima ist überall!“
auch nicht schlecht: ex-„Dreckschweine der Atomlobby“
Na, da berufst Du Dich mit Boess ja gleich auf das nächste, reaktionäre Arschloch, diesmal aus der liberalen Ecke. Das, was Du schreibst, liegt exakt auf einer Linie mit Jan Fleischauer und dem, was @cducsu gestern twitterte. Wenn das eigene Hirn komplett mit den rechten Ecken deutscher Publizistik verschmolzen ist, sollte man vielleicht wenigstens den Blog-Anbieter wechseln.
Das Schlimme ist ja, dass Boess nicht etwa nur genau das schreibt, was Franz-Josef Strauss schon 1979 brüllte, wenn er gerade nicht für standrechtliche Erschießungen votierte oder „Liber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder sabberte“, sondern dass er, dass Du und all die anderen Menschenverächter exakt das tun, was sie zu kritisieren vorgeben: Sie instrumentalieren Mal tausende, mal Millionen Tote, um innenpolitische Gegner zu diskreditieren, indem sie sie quasi-ethnisieren und eine linke Charaterologie erfinden. Und eine Empörungskultur zelebrieren, die der bei manchen Feld-, Wald- und Wiesenlinken um nix nachsteht und zudem mittels Demagogie jegliche sachliche Argumentation unterbindet.
Es war, so lange ich politisch denken kann, gewichtiges Argument gegen Atomkraft, dass diese im Fall von Naturkatastrophen nicht beherrschbar ist und die Folgen ebenso wenig. Es war immer Argument, dass nicht Beherrschbares und das, dessen Folgen man nicht abschätzen kann, im Technologiekontext nix zu suchen hat. Es wurde immer mit dem Lebensrecht jetziger und künftiger Generationen argumentiert, auch, weil die Endlager-Frage unter aktuellen Bedingungen nicht lösbar scheint.
Dir scheint das schlicht schnurz zu sein. Du fandest ja auch den Atombombenabwurf auch Hiroshima prima. Dann bläh hier mal nicht so rum, wenn Entsetzen darüber herrscht, dass ZUSÄTZLICH zu dem Grauen des Tsunami es aktuell so aussieht, dass viele akut verstrahlt werden könnten, dass, wer in bestimmten Regionen im Pazifik fischt, ebenso Strahlenrisiko ausgesetzt sein wird usw. Es ist eine ziemliche Unverfrorenheit, wenn in rechten Blättern, Blogs und bei Dir klammheimliche Freude darüber unterstellt wird.
Ach, mehr Franz-Josef Strauß als die verkappten Sozialdemokraten, die nur gegen das sind, was »Baden-Württemberg schadet«, kann ich ja nun auch nicht sein.
Aber Fukushima ist ja überall, und das ist total seriös und den Betroffenen gegenüber respektvoll, was?
Anstatt sich mal ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie Energiepolitik gestaltet werden kann, und ein abgewogenes Urteil zu fällen, wird einfach nur mit Toten um sich geworfen, die noch nicht einmal was damit zu tun haben. Das ist und bleibt verachtenswert.
Als ob ich nicht hier sitzen würde mit runtergefallener Kinnlade, wenn ich Nachrichten lese.
was ist eigentlich deine kritik am instrumentalisieren? am „verballhornen und als Beweis der eigenen Position zu verschachern.“? ist „schlichtweg widerlich“ nicht „pespektvoll“ schon alles? verstößt es gegen irgendeine ethik, oder so?
+und
-p +r
»Anstatt sich mal ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie Energiepolitik gestaltet werden kann«
Mit solchen Phrasen kannst du dich als Regierungssprecher bewerben. Vielleicht kann dir der Böss einen Posten bei Springer vermitteln, da werden immer Leute gebraucht, die sich »ernsthaft Gedanken machen« wollen.
»wird einfach nur mit Toten um sich geworfen, die noch nicht einmal was damit zu tun haben«
Du bist der einzige, der einen Zusammenhang zwischen den Erdbebentoten und dem Anti-Atom-Protest aufmacht. Weise das doch einmal den Protesten nach, anstatt es bloß zu behaupten. Weise doch einmal nach, dass die Erdbebenkatastrophe »verballhornt« wird und »und als Beweis der eigenen Position [verschachert]« wird. Wo sind die Texte, die Reden, die Transparente, die »mit Toten um sich werfen«? Die seit langem geplanten Proteste bezogen sich aus aktuellem Anlass auf den Reaktorunfall.
Natürlich ist Fukushima nicht überall, weil die Antiatomschwaben im Gegensatz zur japanischen Bevölkerung keine Verstrahlung zu befürchten haben und kein Erdbeben und Tsunami ihr »Ländle« heimsuchten. Aber das behauptet diese Parole auch nicht, sondern dass auf der ganzen Welt Atomkraftwerke herumstehen und auf der ganzen Welt Atomkatastrophen passiert sind und wieder passieren werden.
Ursprünglich hast du noch kritisiert, dass diese Proteste die wirkliche Katastrophe ignorieren. Das klingt schon plausibler, aber weise das doch mal nach. Das auf den Transparenten nicht »Solidarität mit den Opfern von Erdbeben, Tsunami und AKW-Unfall in Japan« stand, sondern irrsinnige Standortlogik, hat unter anderem einfach den Grund, dass sie vor dem Beben gedruckt wurden.
Dass du von Anti-Atom-Aktivisten im Moment der Kernschmelze, der Evakuierung von Hunderttausenden, der Verstrahlung einiger und des drohenden GAUs erwartest, sie sollen vornehmlich über die Opfer vom Erdbeben reden und bloß nicht die Tragödie instrumentalisieren, ist totaler Unsinn. Damit will ich sie nicht in Schutz nehmen, aber es wäre doch eher herauszuarbeiten, wie dieser Aktivismus so funktioniert.
Ich würde sagen, Politik als rein-rationale Bearbeitung von Sachfragen ist eine Ideologie. Die CDU/CSU und FDP stehen nun mit der Kernschmelze in Japan nur doof da. Die können nicht auf den Putz hauen. Deshalb bitten sie um Sachlichkeit und sprechen sich gegen Parteipolitik aus, weil sie nichts zu gewinnen haben gerade.
Allerdings kann einem schon schwindelig werden wie dramatisch die Ereignisse in Japan vor Augen führen, dass die Atomenergie eine scheißgefährliche Sache ist.
»Natürlich ist Fukushima nicht überall, weil die Antiatomschwaben im Gegensatz zur japanischen Bevölkerung keine Verstrahlung zu befürchten haben und kein Erdbeben und Tsunami ihr »Ländle« heimsuchten.«
Check.
»Das auf den Transparenten nicht »Solidarität mit den Opfern von Erdbeben, Tsunami und AKW-Unfall in Japan« stand, sondern irrsinnige Standortlogik, hat unter anderem einfach den Grund, dass sie vor dem Beben gedruckt wurden.«
Hauptsächlich wird das wohl einfach den Grund haben, dass die Idioten Angst um ihre Volksgemeinschaft haben. Genau so! funktioniert dieser Aktivismus nämlich.
Außerdem ist Baden-Württemberg sowieso abzuschaffen, was soll also das Transparent.
»Mit solchen Phrasen kannst du dich als Regierungssprecher bewerben. Vielleicht kann dir der Böss einen Posten bei Springer vermitteln, da werden immer Leute gebraucht, die sich »ernsthaft Gedanken machen« wollen.«
Vorsitzende_r des Rates der Volkskommissare wär auch cool.
»Ich würde sagen, Politik als rein-rationale Bearbeitung von Sachfragen ist eine Ideologie.«
Weil genau das nicht Politik ist, stimmt schon. Von daher ist die Behauptung fürn Arsch und mein Kommentar oben blöd formuliert.
Aber eine politische Position kann nichtsdestotrotz rational formuliert werden — Angst vor den Gefahren der Atomenergie zu haben ist ja nun auch nicht irrational, wie es teilweise verkauft werden soll. Aber Angst um sein Heimatland und sein Volk zu haben ist irrational.
Von daher ist es durchaus gerechtfertigt, an politische Positionen den Maßstab anzulegen, dass sie einigermaßen reflektiert und vor allem fortschrittlich sind. Genau das ist Atomkraft schadet dem Ländle — Greenpeace genausowenig wie eine kapitalistisch organisierte Energiegewinnung, deren Leitlinie damit Profit und nicht Sicherheit ist.
edit: siehe:
Lengfelder: „In allen Industrieländern, die auf Kernkraft setzen, ist die Bevölkerung über das Gefahrenpotenzial nicht aufgeklärt worden. Nicht einmal, wenn so etwas wie in Japan passiert. Alle Staaten, die ich kenne, bagatellisieren die Folgen und sagen, bei uns ist alles sicher.“
„Aber Angst um sein Heimatland und sein Volk zu haben ist irrational.“
wieso denn? wenn wir es mal runterbrechen: heimat, da wo ich lebe, interessiert mich logischerweise mehr als die orte, wo ich nicht lebe und keine oder weniger leute kenne
Du sprichst von einer anderen Heimat, wie es eben auch Volkstreue tun; ein an den Boden gekoppelter Begriff, der zu nichts zu gebrauchen und keineswegs schützenswert ist.
„Mitgefühl und Respekt wären jetzt ein völlig falsches Signal. Wir müssen den Japanern jetzt aus ganzem Herzen all unsere Panik senden.“
Na Hauptsache dein Gehirn kannst du dadurch besser im Griff behalten.
Na Hauptsache es springt was für die deutsche Politik dabei raus.
na gucke, heimat also ein an den boden gekoppelter begriff. was für eine erkenntnis! mein haus (da wo ich wohn) ist auch an diesen boden gekoppelt. und der see, in dem ich schwimme. und die wiese, auf der ich … naja, lassen wir das. ist sicher noch ein gaaaaanz anderer begriff von heimat. oder die kausalität mit der volkstreue ist von gott gegeben.
leider hast du meine frage weiter oben nicht beantwortet. was ist deine kritik am instrumentalisieren?
du tust so, als wäre profitdenken nicht nicht reflektiert.
sein demokratieidealismus in allen unehren, DER ist nämlich „irrational“.
Tee: Das liegt vielleicht an deiner Art, Fragen so schön sachlich zu stellen.
Es ist doch gar nicht schlimm, Begriffe mit Boden zu verknüpfen, das steckt in meiner Aussage auch gar nicht drin.
Aber es wundert mich schon, dass Deutsche den Heimatbegriff wirklich nicht mehr anders denken können. Heimat kann doch auch die Geborgenheit von Freunden sein; im Prinzip kann sie alles sein. Sicher auch irgendein verödeter Landstrich, aber in Atomkraft schadet dem Ländle steckt eben auch: ob es euch schadet, ist mir egal; ob es mir selbst schadet, ist mir eigentlich auch egal; wir alle formen den Volkskörper Ländle, weil er unsere Heimat ist und wir unsere Heimat sind und das alles groß und wichtig.
Wenn man von Instrumentalisieren spricht, spielen da sicher verschiedene Dinge mit rein: einerseits schaffen Ereignisse in gewisser Art Fakten, mit denen man argumentieren muss. Andererseits aber schaffen Ereignisse auch Fakten, die die Diskussion keineswegs tangieren, sondern einfach nur ein Gaffen auf Andere darstellen, in diesem Fall auf den Katastrophenporno. Das Ergaffte wird lückenlos auf die eigene Situation übertragen, und neben dem Mitgefühl entsteht daraus irrationalerweise das Bedürfnis, exakt diese instrumentalisierte Situation mit aller Kraft abzuwenden, was eben ein Zerrbild der tatsächlich möglichen Unglücke und Fortschritte ergibt.
Auf so einer Grundlage kann man eigentlich nicht diskutieren.
Hm, also für mich ist Profitdenken nicht wirklich rational. Wo sollte ich so etwas angedeutet haben?
Vielmehr sprach ich davon, dass unter Profitzwang sowieso keine vernünftige Lösung zu finden ist.
Wessen Demokratieidealismus, Tee?
zur erinnerung, bigmouth schrieb:
also unterstelle doch nicht pauschal allen benutzer_innen des begriffs heimat eine „Volkstreue“ und einen „an den Boden gekoppelter Begriff, der zu nichts zu gebrauchen und keineswegs schützenswert ist“!
das solltest du schon im einzelfall nachweisen und nicht längst überholte antideutsche beißreflexe auspacken.
ach, übrigens: LÄNDLE Y LIBERTAD!
zum instrumentalisieren: das japanische katastrophenbeispiel zeigt einleuchtend, dass bisherige sicherheitsvorstellungen und -praxen in extremfällen nicht ausreichen. solche extremfälle gab in in deutschland noch nicht, gerade deswegen ist doch aber das argumentieren damit so wichtig. um an einem beispiel darlegen zu können, dass es immer unabwägbare sicherheitsrisiken gibt. die japanische katastrophe zu instrumentalisieren halte ich da für äußerst sinnvoll. denn deren fakten tangieren alle diskussionen um atomkraftwerke.
und wie der begriff ja auch schon sagt, ist es ein instrument(arium), also ein werkzeug, zu gebrauchen für einen bestimmten zweck. daran kann nichts verkehrt sein. es sei denn, du versuchst mit einem hammer eine schraube einzudrehen. aber der mißerfolg bestimmt beim instrument seine
und dass du profitdenken nicht als rational betrachtest, deutete ich über umwege zum demokratieidealismus. kann nicht ganz stimmen, zugegeben. nur was am profitdenken, also dem bestreben, aus geld mehr geld zu machen, irrational sein soll, verstehe ich bei weitem nicht.
ich denke eher, du verwechselst hier moral mit rationalität.
Ach, Tee… Lies doch bitte, was ich schreibe. Ich schrieb doch, dass es einen ganz und gar legitimen Heimatbegriff gibt. Den kann man benutzen, oder man kann sich als Reichsdeutscher fühlen, ganz nach Geschmack.
»solche extremfälle gab in in deutschland noch nicht«
Es werden auch keine deutschen Atomkraftwerke von Tsunamis überrollt werden. Was dennoch passieren kann, muss man sich ansehen, da darf dann auch gerne rumgekeift werden, was das Zeug hält. Aber Fukushima ist nicht das Planspiel für Biblis. Zum gefühlt tausendsten Mal: das macht Biblis & Co. natürlich nicht sicherer.
»nur was am profitdenken, also dem bestreben, aus geld mehr geld zu machen, irrational sein soll, verstehe ich bei weitem nicht. ich denke eher, du verwechselst hier moral mit rationalität.«
Profitstreben ist doch nicht unmoralisch! Wo kämen wir denn da hin.
Ich habe mich auch etwas missverständlich ausgedrückt: es ist irrational, die Produktion mit Profitstreben zu regulieren. Es ergibt keinen Sinn, da kommt Scheiße bei raus. Und es wird auch weiterhin Scheiße dabei rauskommen, egal ob die CDU jetzt auf einmal selber den Atomausstieg beschließt oder nicht.
da kommt profit bei raus. ist das nicht rational genug?!
was die heimat betrifft, dachte ich du hättest hier auf bigmouth geantwortet. muss ich mich wohl getäuscht haben.
da blitzt er übrigens wieder auf, dein demokratieidealismus. als wäre die politik (eben auch die demokratisch-parlamentarische) dafür da, produktion anders zu regeln, als für den profit der eigentümer. das ergibt einfach sowas von sinn. nur kannst du den sinn nicht kritisieren. höchstens, dass von genau diesem sinn die wenigsten etwas haben.
na dann bist du ja voll drin in der mär vom erwartbaren unerwartbaren. tsunamis vielleicht nicht, aber die erkenntnis ist doch, dass das, worauf die kraftwerke hier und überall ausgelegt sind, nicht dem entspricht, was in der realität alles passieren kann, sondern allerhöchstens dem, was in der vergangenheit schonmal passiert ist (und auch das reicht nicht aus).
und mit dieser herangehensweise kommt dann so eine (zu erwartende) katastrophe wie die aktuelle heraus.
um’s nochmal plastisch zu machen: die deutschen atomkraftwerke sind nur für eine gewisse ZU ERWARTENDE stärke von beben (nur als bsp., es gibt noch andere risiken) ausgelegt. passiert das UNERWARTETE, nämlich ein stärkeres beben, gucken alle doof aus der wäsche, wenn die dinger nicht halten. WEIL DAMIT KONNTE JA NIEMAND RECHNEN!!!1!
Da kommt vor allem ein GAU bei raus.
Da isser wieder weg, der Sinn. Ach nee, es haben ja doch alle was von Fallout am Ende. Sinn wieder da?
Biste ja schonmal auf der richtigen Fährte.
TEE! ACHTUNG! Du hast mich verstanden. Schön. Sehe ich auch so. Wenn ich darin einen Sinn sehen würde, könnten wir ja zusammen eine Greenpeace-Gruppe aufmachen oder so. Ist das der demokratisch-parlamentarische Sinn, den du meintest?
ja und? stört doch den profit nicht.
vielleicht solltest du erstmal anfangen und unterscheiden zwischen dem erkennen eines (rationalen) sinns und deiner ganz eigenen wunschvorstellung von sinn. denn dass es nicht nach deinem sinn geht, heisst noch lange nicht, dass etwas irrational oder „sinnlos“ ist. nur, dass du diesen sinn NICHT TEILST.
ich sehe allerdings so oder so keinen sinn darin, mit dir eine greenpeace-gruppe aufzumachen, sondern höchstens die leute zu fronten, deren rationales interesse ich nicht teile.
Also jetzt doch Hip-Hop?
Wenn ich den Sinn nicht teile, werde ich ihn doch frontenderweise auch niemals anerkennen.
„ja und? stört doch den profit nicht.“
doch, sogar saudicke, weil die betreiberfirmen zum. in D mit ihrem gesamtkapital haften. die rechnen also damit, dass denen keiner passiert
hier kann man mal wieder sehen, welche saudumme verwirrung es anrichtet, dass viele leute den begriff der „vernunft“ so überfrachten mit einem normativen gehalt, der eigentlich einem begriff wie dem „guten“ oder so zukäme
was heisst denn „anerkennen“? ich meinte ja „erkennen“. wenn das heisst, den sinn als das zu betrachten was er ist und einzugestehen, dass es einige leute gute (also sinnvolle) gründe haben, nach profit zu streben, dann solltest du den sinn schon (an)erkennen. in opposition dazu stehen kannst du ja immer noch. ich erkenne bspw. auch die bemühungen der cdu an, den atomkraftwerksbetreibern mehr profite zu beschaffen. das ist nur konsequent für eine partei, deren mitglieder oft gleichzeitig auch profiteure sind. das kann ich doch nachvollziehen.
das zu erkennen hilft auf jeden fall bei der klaren frontenbildung, die es schon braucht, um vielen leuten zu zeigen, dass sie nicht zu den gewinnern zählen.
zu deinem panik-zitat: würde die japanische regierung (und die kraftwerksbetreiber) offen mit informationen umgehen, würde es die angst verstrahlt zu werden, eher dann geben, wenn diese angst durch messwerte auch gerechtfertigt sind. da die meisten zahlen aber unter verschluss gehalten werden, haben natürlich viele menschen angst, weil sie ja nicht wissen, was los ist.
nicht die strahlung ist eben der panikmacher, sondern die verantwortlichen informationszurückhalter.
Das ist jetzt schon ein kleiner Eiertanz. Natürlich muss man die Beweggründe von CDU & Co. betrachten und dann erkennt man auch, dass sie einer inneren Logik folgen. Aber die Logik ist fürn Arsch und schafft am laufenden Band Widersprüche, die man diesen Leuten Tag und Nacht um die Ohren hauen müsste.
Ich würde bezweifeln, dass ausschließlich die Informationspolitik der Regierung der Grund dafür ist. Zumal die doch selber keine Ahnung haben im Speziellen, was ja der Skandal ist bei der Behauptung, Atomkraft wäre sicher und kontrollierbar.
Aber einen Versuch wäre es wert, klar. Und eine Bevölkerung, die Messwerte versteht und als Entscheidungsgrundlage nimmt, das wäre ja auch mal was.
falsch. die haftung ist gedeckelt – bei einer naturkatastrophe springt der staat ein, sobald der betrag von 2,5 mrden überschritten ist (ist bald mal der fall).
woher beziehst du eigentlich deine infos immer? hast nen newsletter von EON abonniert, oder wie muss man sich das vorstellen?
§32 atg:
wir reden hier von 2,5 mrden haftung.
umwerfend, mach mal halblang. die haftungsbegrenzung ist die AUSNAHME. stein des anstoß war „“Da kommt vor allem ein GAU bei raus.“–“ja und? stört doch den profit nicht“" und das ist schlicht verkehrt. (mal abgesehen davon, dass die verwendung der terms GAU da eh verkehrt ist, weil freisetzung in die umwelt ja schon einen Super-GAU darstellt, und für die schäden an den eigenen anlagen (GAU) die betreiber ja eh aufkommen müssen – son kaputtes AKW geht ja auch ganz schön ins geld. thre miles island ging ganz schön auf den profit)
worauf ich hinaus will: die rechnen beim profit schon tatsächlich mit ihren eigenen angaben, dass das nicht passieren wird
@tee:
„Der Begriff Anerkennung wird auch als Synonym für Akzeptanz, Lob oder Respekt verwendet.“ (wikipedia)
richtig, umwerfend. bigmouth hat allerdings auch nicht verstanden, dass ich kaum den gau meinte, der die profite nicht stört, sondern die möglichkeit eines gaus. immer schön in der realität bleiben.
@tnb: ich stimme dir schon zu. nur dass es die innere logik des profits gibt und die marktwirtschaftliche logik vom allen nützenden wachstum und profit, die sie der bevölkerung verkaufen wollen. lediglich letztere ist widersprüchlich und gehört eher der bevölkerung um die ohren gehauen, die ihr noch glauben schenken.
naja, als grundlage für panik wäre das (nicht nur für die japanische wirtschaft) wohl noch verheerender als so schon ;)
http://www.sueddeutsche.de/politik/aktuelles-lexikon-zu-japan-warum-fukushima-ein-super-gau-ist-1.1073362
wenn die akw-betreiber angst vor einem gau hätten, würden die wohl eher kein akw bauen. ich bin mir da natürlich nich so sicher, hab ja kein akw, sollte man mal so einen typen fragen warum der sich eins hingestellt hat. vielleicht bekommt man dann eine interessante antwort:)
„die rechnen beim profit schon tatsächlich mit ihren eigenen angaben, dass das nicht passieren wird“
die rechnen mit ihren angaben über eine unwahrscheinlichkeit. klar glauben die an ihr geschäft, aber damit es so richtig eins wird, schrauben die doch auch ihre eigenen kosten runter. arbeiter müssen mehr arbeiten, mehr geräte überwachen (danke an die ergonomie und computerisierung die das erlaubt), wartungen werden unregelmäßiger ausgeführt etc. die arbeiten schon selber daran, dass es so unsicher wie eben möglich wird. da funken ganz besorgt zwar immer mal wieder staatliche stellen rein und haben denen eine ganz eigene aufsicht vorgesetzt, aber wie viel das bringt sieht man an lebensmittelskandalen, konstruktionsmängeln in autos, billigversorgung in krankenhäusern etc.
das ziel der energiekonzerne ist eben nicht, um auf die launige frage vom anfang zurückzukommen, „kein gau“ sondern „profit“. das relativiert dein bild vom eigentlich-besorgt-sein-müssendem-akw-boss doch erheblich.
http://farm2.static.flickr.com/1417/556190958_3cf7bb9379.jpg
Lieber tnb,
was soll uns das Bild dieser Strahlenopfer sagen? Ich finde es schrecklich aus deren Elend fragwürdige „Kommentare“ zu stricken.
Mit freundlichem Gruß,
…
nochmal @bigmouth:
kommen die akw-betreiber, denn selber auf verschärfungen der sicherheitsbestimmungen, weil sie die angst vorm gau umtreibt? dazu muss man die doch glatt zwingen. viel sorge um die sicherheit ihrer akws kann ich da nicht entdecken. eher die sorge um ihren cut.
»Die spinnen, die Deutschen!«
klick
http://jungle-world.com/artikel/2011/12/42873.html