Archiv für April 2011

Gute Freunde kann niemand trennen

MdB Niema Movassat zusammen mit der reaktionären Band »Die Bandbreite«, welche immer wieder durch nationalistische, homophobe, sexistische und — wie auch im Bild — durch Verschwörer-Fantasien auffällt.
Scheinbar hat man nicht einmal in der Bundestagsfraktion der »Linken« Probleme mit diesem originär rechten Gedankenkosmos.
Mal sehen, wieviel länger der Link zum Bild auf seiner Homepage verweilt.

Der Machtkampf von Sein und Bewusstsein

Der neue Antisemitismus

Über die Duisburger Linkspartei bricht es blogmäßig ja grade von allen Seiten herein. Klick, klick, klick, klick.
Neben dieser kurzen Link-Sammlung habe ich noch ein paar Rosinen der linksdeutschen Israelkritik herauspickt, die den intellektuellen Tiefflug der antisemitischen Hetzer_innen schauderhaft unterstreichen.
Abgesehen von ein paar Gruselmärchen über die Juden im Nahen Osten lernen wir kennen: die Kontrolle des Weltjudentums über irgendwie alles — alter Hut. Kauft nicht beim Juden — da wird es für Linksdeutsche langsam wieder interessant. Aber soweit in das nationalsozialistische Vernichtungsvokabular hat sich lange keine_r vorgewagt:
Da wird von einer »Judenpresse« schwadroniert, wie es sich die Neonazis gar nicht mehr trauen. Genauso wenig wie folgende Sätze:

Tretet der moralischen Erpressung durch den sogenannten Holocaust entgegen! Wahrheit macht Frei!

Hier schafft Die.Linke beachtliches: Einerseits wird in dem Flugblatt, das inzwischen von der Homepage entfernt wurde, die Shoah schlicht geleugnet — als hätte es Auschwitz, Sobibor, Babi Jar, … nicht gegeben — um im gleichen Atemzug wieder mit der Vernichtung zu drohen, wie es die Torbögen der Vernichtungslager der Deutschen taten.
Wie die »Wahrheit« aussieht, der sich die Autor_innen des Flugblattes und die Duisburger Linkspartei verschrieben haben, macht schon der Kopf der Hetzschrift klar: Ein zu einem Hakenkreuz verschandelter Davidstern.

Das Flugblatt wurde von der Seite der Linkspartei entfernt, kann aber zur Kontrolle der genannten Zitate hier runtergeladen werden.

(im Sinne Robespierres)

Unter Zionismus versteht die Linke ungefähr das, was man so vor rund 30 Jahren in Deutschland das ‘Weltjudentum’ genannt hat. Gegen diesen Zionismus, den man auch ‘Nationalzionismus’ nennt, um ihn schon phonetisch dem Nationalsozialismus anzunähern, erhebt sich linker Purismus, linker Eifer und linke Tugend (im Sinne Robespierres). […] Und ihre Sympathien wenden sich selbstverständlich den verschiedenen arabischen Freikorps zu, vor allem dem El Fatah, der für sie, die Linke, das zugleich eherne und verklärte Antlitz des Widerstandskämpfers trägt.
Wie, so fragt man sich, konnte es dahin kommen? Was hat geschehen müssen, daß die Linke der Welt […] einstimmt in einen Haßgesang gegen Israel, der, des bin ich gewiß, wenn die Dinge weiter ihren Lauf nehmen, schließlich dem schlechten, unrechten Antisemitismus dienen muß? Wie ist es geschehen, daß marxistisch-dialektisches Denken sich dazu hergibt, den Genozid von morgen vorzubereiten?

— Jean Améry – Die Linke und der “Zionismus” (1969), in ders. Werke Bd. 7: Aufsätze zur Politik und Zeitgeschichte

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Utopie mal anders

Fünf Freunde aus ‚Maaskantje‘ werden wegen der Wirtschaftskrise entlassen. Sie beschließen, dass sie für nichts mehr bezahlen.

»Easter Eggs For Hitler«


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Blog me a river.


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Tag der Befreiung Neuköllns

Die ein oder andere Leser_in wird vielleicht schon das schöne Werbebanner der Autonomen Neuköllner Antifa hier in der Sidebar bemerkt haben. Den anderen sei nochmal die Streetparade, vor allem aber der Gedenkpolitische Stadtrundgang durch Neukölln am Sonntag ans Herz gelegt.
Raufklicken, hingehen, weitersagen.
Danke.

San Francisco

»Anders gesagt: produktive Arbeit ist die strukturelle Quelle ihrer eigenen Beherrschung.«

Nachfolgend ein frei verfügbarer Abschnitt aus Moishe Postones »Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft«, den ich für beachtenswert halte.

Das Proletariat

Ich kann nun zu der Frage nach der historischen Rolle der Arbeiterklasse und dem grundlegenden Widerspruch des Kapitalismus zurückkehren und darlegen, wie sie in der späten Marxschen kritischen Theorie implizit beantwortet wird. Mit meiner Konzentration auf seine Analyse der für den Kapitalismus konstitutiven strukturierenden Formen gesellschaftlicher Vermittlung habe ich zeigen können, daß nicht der Klassenkonflikt an und für sich die historische Dynamik des Kapitalismus erzeugt, und daß er nur deshalb ein treibendes Element dieser Entwicklung ist, weil er durch gesellschaftliche Formen strukturiert ist, die eine Dynamik aus sich heraus besitzen. Wie festgestellt, widerspricht die Marxsche Analyse der Auffassung, der Kampf zwischen der Kapitalistenklasse und dem Proletariat sei einer zwischen der herrschenden Klasse im Kapitalismus und einer, die den Sozialismus verkörpere, und der Sozialismus bedeute deshalb die Selbstverwirklichung des Proletariats. Diese Vorstellung entspringt notwendig dem traditionellen Verständnis des grundlegenden Widerspruchs des Kapitalismus als einem zwischen industrieller Produktion auf der einen, Markt und Privateigentum auf der anderen Seite. Dabei wird jede der beiden großen Klassen des Kapitalismus mit einer Seite dieses angenommenen Widerspruchs identifiziert und der Antagonismus zwischen Arbeitern und Kapitalisten als gesellschaftlicher Ausdruck des strukturellen Widerspruchs zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen interpretiert. Diese gesamte Konzeption beharrt auf einem Begriff von ›Arbeit‹ als transhistorischer Quelle gesellschaftlichen Reichtums und als dem konstituierenden Element gesellschaftlichen Lebens.
Ich habe die dieser Vorstellung zugrundeliegenden Annahmen umfassend kritisiert, indem ich die Marxsche Unterscheidung zwischen abstrakter und konkreter Arbeit, Wert und stofflichem Reichtum nachzeichnete und als zentral für seine kritische Theorie auswies. Auf der Grundlage dieser Unterscheidungen habe ich die Dialektik von Arbeit und Zeit entwickelt, die den Kern der Marxschen Analyse der für den Kapitalismus charakteristischen Muster von Wachstum und Entwicklungsverlauf der Produktion ausmacht. Weit davon entfernt lediglich die Materialisierung der Produktivkräfte darzustellen, die strukturell im Widerspruch zum Kapital stehen, ist die auf dem Proletariat basierende industrielle Produktion ihrem inneren Wesen nach durch das Kapital geformt. Sie ist die materialisierte Form sowohl der Produktivkräfte als auch der Produktionsverhältnisse. Deshalb kann sie nicht als eine Art und Weise des Produzierens aufgefaßt werden, die unverändert dem Sozialismus als Grundlage dienen könnte. Die historische Negation des Kapitalismus in der späten Marxschen Kritik kann nicht verstanden werden, wenn sie den Bedingungen einer Transformation der Distributionsweise gemäß formuliert sind, die der industriellen, im Kapitalismus entwickelten Produktionsweise entsprechen.
Es ist ebenfalls deutlich geworden, daß das Proletariat in der Marxschen Analyse nicht den gesellschaftlichen Repräsentanten einer möglichen nicht-kapitalistischen Zukunft darstellt. Die logische Stoßrichtung der Marxschen Entfaltung des Kapitalbegriffs, also seiner Analyse der industriellen Produktion, steht im vollkommenen Widerspruch zu den traditionellen Annahmen vom Proletariat als revolutionärem Subjekt. Für Marx ist die kapitalistische Produktion durch eine enorme Ausdehnung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und des gesellschaftlichen Wissens charakterisiert, die sich unter den vom Wert bestimmten Bedingungen konstituiert und deshalb in entfremdeter Form als Kapital existiert. Mit der vollständigen Entwicklung der industriellen Produktion werden diese Produktivkräfte des gesellschaftlichen Ganzen größer als die kombinierten Fähigkeiten, größer als die Arbeit und die Erfahrung des Gesamtarbeiters. Sie sind gesellschaftlich-allgemein und repräsentieren die akkumulierten Erfahrungen und Potenzen der Menschheit, die sich als solche selbst in entfremdeter Form konstituieren. Als die objektivierten Potenzen des Proletariats können sie jedenfalls nicht adäquat verstanden werden. »Tote Arbeit«, um Marxens Begriff zu gebrauchen, ist nicht mehr nur die Vergegenständlichung »lebendiger Arbeit« – sie wurde zur Vergegenständlichung historischer Zeit.
Marx zufolge wird die Erzeugung von stofflichem Reichtum mit der Entwicklung der kapitalistischen industriellen Produktion immer weniger von der Verausgabung unmittelbarer menschlicher Arbeit in der Produktion abhängig. Dennoch spielt solche Arbeit auch weiterhin insofern eine notwendige Rolle, als die Produktion von (Mehr) Wert notwenig von ihr abhängt. Die strukturell begründete Rekonstitution des Werts, die wir oben untersucht haben, ist gleichzeitig die Rekonstitution der Notwendigkeit proletarischer Arbeit. Dies resultiert darin, daß proletarische Arbeit mit der fortdauernden Entwicklung der kapitalistischen industriellen Produktion vom Standpunkt der Produktion von stofflichem Reichtum zunehmend überflüssig und deshalb letztlich anachronistisch wird – als Quelle des Werts bleibt sie allerdings notwendig. Je mehr sich das Kapital entwickelt und diese Dualität zum Tragen kommt, desto mehr entleert und fragmentiert es genau die Arbeit, die es für seine Konstitution benötigt.
Die von Marx analysierte ›Ironie‹ dieser Situation besteht darin, daß sie durch proletarische Arbeit selbst konstituiert wird. Es ist in dieser Hinsicht von Bedeutung, daß Marx bei der Erörterung der polit-ökonomischen Kategorie der ›produktiven Arbeit‹ diese nicht als eine gesellschaftliche Tätigkeit behandelt, die Gesellschaft und Reichtum im allgemeinen konstituiert – anders gesagt, er behandelt sie nicht als ›Arbeit‹. Vielmehr definiert er produktive Arbeit im Kapitalismus als Arbeit, die Mehrwert produziert, was gleichbedeutend damit ist, daß sie zur Selbstverwertung des Kapitals beiträgt. (MEW 23, 532) Dadurch verwandelt er eine ehemals transhistorische und affirmative Kategorie der politischen Ökonomie in eine, die historisch spezifisch und kritisch ist, darin erfassend, was für den Kapitalismus zentral ist. Gegen eine Glorifizierung produktiver Arbeit argumentiert Marx:

Der Begriff des produktiven Arbeiters schließt daher keineswegs bloß ein Verhältnis zwischen Tätigkeit und Nutzeffekt … ein, sondern auch ein spezifisch gesellschaftliches … Produktionsverhältnis, welches den Arbeiter zum unmittelbaren Verwertungsmittel des Kapitals stempelt. Produktiver Arbeiter zu sein ist daher kein Glück, sondern ein Pech. (MEW 23, 532)11

Anders gesagt: produktive Arbeit ist die strukturelle Quelle ihrer eigenen Beherrschung.
In der Marxschen Analyse kommt dem Proletariat also weiterhin eine strukturell wichtige Funktion für den Kapitalismus zu: Quelle des Werts zu sein, nicht jedoch Quelle des stofflichen Reichtums. Dies ist dem traditionellen Verständnis vom Proletariat diametral entgegengesetzt. Weit davon entfernt, die vergesellschafteten Produktivkräfte darzustellen, die in Widerspruch mit den kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnissen geraten und dadurch auf die Möglichkeit einer postkapitalistischen Zukunft verweisen, ist die Arbeiterklasse für Marx das wesentliche, konstituierende Element dieser Verhältnisse selbst. Sowohl Arbeiterklasse als auch Kapitalistenklasse bleiben an das Kapital gebunden, die erstere jedoch um einiges mehr: das Kapital könnte ohne Kapitalisten existieren, jedoch nicht ohne wertproduzierende Arbeit. Der Logik der Marxschen Analyse zufolge ist die Arbeiterklasse, statt eine mögliche zukünftige Gesellschaft zu verkörpern, die notwendige Grundlage derjenigen, unter der sie leidet: der gegenwärtigen. Sie ist an die bestehende Ordnung auf eine Art und Weise gebunden, die sie zum Objekt der Geschichte macht.
Kurz gesagt weist die Marxsche Analyse des Entwicklungsverlaufs des Kapitals in keiner Weise auf die mögliche Selbstverwirklichung des Proletariats – als dem wahren Subjekt der Geschichte – im Sozialismus hin.12 Ganz im Gegenteil verweist sie, als Bedingung für Emanzipation, auf die mögliche Abschaffung des Proletariats und der von ihm verrichteten Arbeit. Diese Interpretation reflektiert notwendigerweise das Verhältnis der Kämpfe der Arbeiterklasse in der kapitalistischen Gesellschaft zur möglichen Aufhebung des Kapitalismus in neuer Weise – ein Thema, das wir in dieser Arbeit nur streifen können. Sie läuft darauf hinaus, daß die durch die Marxsche Kritik implizierte mögliche historische Negation des Kapitalismus nicht so verstanden werden kann, als würde sich das Proletariat das, was es konstituiert hat, wieder aneignen, also bloß in der Abschaffung des Privateigentums bestünde. Vielmehr impliziert die logische Stoßrichtung der Marxschen Darstellung eindeutig, daß man sich diese historische Negation als Wiederaneignung der gesellschaftlich-allgemeinen Fähigkeiten, die letztlich nicht in der Arbeiterklasse ihren Ursprung haben und historisch in entfremdeter Form als Kapital konstituiert wurden, durch alle Menschen vorstellen sollte.13 Eine solche Wiederaneignung setzt die Abschaffung der strukturellen Grundlage dieses Entfremdungsprozesses – Wert, und somit proletarische Arbeit – voraus. Das historische Auftreten dieser Möglichkeit hängt wiederum von dem Widerspruch ab, der der kapitalistischen Gesellschaft zugrundeliegt.

Quelle und pdf

Der Mob hat Bock


Dresdner Gästeblock beim Spiel gegen Hansa Rostock

Ist das jetzt wieder so ein Fall von Islamophobie aka Neuer Antisemitismus?

Hier wohl nicht.

Die Revolutionen in Nordafrika beschäftigen in Deutschland grade einmal die Reisebüros, Flüchtlinge nimmt die CSU nur als Ballast wahr. Und was in Tunesien und anderswo einen Umsturz auslöst, das ringt den Deutschen grade einmal die Mindestportion Mitleid ab: »persönliche Probleme«, nicht politische, wie etwa Abschiebung, sind hier der Grund für Selbstverbrennungen. Manchmal weiß ich auch nicht.

Want / Need

Erin Hanson

Escape from Fairytale Land


nikki.jane

♫ »Wird doch nicht so schlimm sein.«

»Wird doch nicht so schlimm sein« von Frittenbude [Electro]

Wir stehen noch immer über den Dingen

cole rise