(im Sinne Robespierres)

Unter Zionismus versteht die Linke ungefähr das, was man so vor rund 30 Jahren in Deutschland das ‘Weltjudentum’ genannt hat. Gegen diesen Zionismus, den man auch ‘Nationalzionismus’ nennt, um ihn schon phonetisch dem Nationalsozialismus anzunähern, erhebt sich linker Purismus, linker Eifer und linke Tugend (im Sinne Robespierres). […] Und ihre Sympathien wenden sich selbstverständlich den verschiedenen arabischen Freikorps zu, vor allem dem El Fatah, der für sie, die Linke, das zugleich eherne und verklärte Antlitz des Widerstandskämpfers trägt.
Wie, so fragt man sich, konnte es dahin kommen? Was hat geschehen müssen, daß die Linke der Welt […] einstimmt in einen Haßgesang gegen Israel, der, des bin ich gewiß, wenn die Dinge weiter ihren Lauf nehmen, schließlich dem schlechten, unrechten Antisemitismus dienen muß? Wie ist es geschehen, daß marxistisch-dialektisches Denken sich dazu hergibt, den Genozid von morgen vorzubereiten?

— Jean Améry – Die Linke und der “Zionismus” (1969), in ders. Werke Bd. 7: Aufsätze zur Politik und Zeitgeschichte

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