Kollektivschuld

Kollektivschuld. Das ist natürlich blanker Unsinn, sofern es impliziert, die Gemeinschaft der Deutschen habe ein gemeinsames Bewusstsein, einen gemeinsamen Willen, eine gemeinsame Handlungsinitiative besessen und sei darin schuldhaft geworden. Es ist aber eine brauchbare Hypothese, wenn man nichts anderes darunter versteht als die objektiv manifest gewordene Summe individuellen Schuldverhaltens. Dann wird aus der Schuld jeweils einzelner Deutscher – Tatschuld, Unterlassungsschuld, Redeschuld, Schweigeschuld – die Gesamtschuld eines Volkes. Der Begriff der Kollektivschuld ist vor seiner Anwendung zu entmythisieren und zu entmystifizieren. So verliert er den dunklen, schicksalhaften Klang und wird zu dem, als das er allein nütze ist: zu einer vagen statistischen Aussage.
Jean Améry
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»Quellen waren auch Soldaten auf Urlaub. Einer berichtete am 28. Oktober 1941, er habe in Polen gesehen, wie jüdische Männer und Frauen nackt vor eine Grube getrieben und auf Befehl der SS von hinten erschossen wurden. „Der Graben wurde dann zugeschaufelt. Aus den Gräben drangen oft noch Schreie!“«
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