Archiv für Juli 2011

Kein Al-Quds-Tag!


Termine, Broschüre und natürlich die Demonstration seien den geneigten Leser_innen an dieser Stelle empfohlen. Der Aufruf im Vollzitat:

Kein Al Quds-Tag!
Gegen Antisemitismus und Islamismus! Solidarität mit Israel!

Aufruf des antifaschistischen Berliner Bündnisses gegen den Al Quds-Tag
(mehr…)

»Fuck cancer.«

Lanes

via

Slash


Möchte hiermit dem Erwartungsdruck auf den neuen Fotoblog http://fotos.verbrochenes.net/ genügetun.

Deutschland, deine Linken

Auf den ganzen Artikel hab ich gar keine Lust, aber diese Rechnung sagt so ziemlich alles zu denjenigen, die Islamkritik und Islamophobie und antimuslimischen Rassismus ständig synonym verwenden:

Breivik habe sich im Gegenteil die Dschihadisten zum Vorbild genommen, so die wirre Logik. Was will uns Broder, den manche gute Bürger selbst heute noch für einen preiswürdigen Schriftsteller halten, damit sagen? Dass der islamfeindliche Terrorist gewissermaßen ein verkappter Moslem war?

Robert Misik scheint die Möglichkeit einer gemeinsamen Psychopathologie religiös-fanatischer Terroristen nicht einsehen zu wollen. Warum eigentlich?
Wir stellen fest: Breivik ist ein Terrorist, Al-Qaida ist eine Terrororganisation. Sie reden beide ähnlich wirres Zeug. Das ist die »wirre Logik«, um die es hier geht. Und wo wir schon bei Verwirrung sind, spielen wir gleich mal shoot-the-messenger und jubeln sie Broder unter. Wie plusminusalles bei Twitter schon kurzgefasst hat, ergibt sich daraus ein bescheuerter Kurzschluss: Weil ja Broder die Muslime hasse, gleichzeitig Breivik für genauso bekloppt hält wie Al-Qaida, halte er dementsprechend Breivik für einen Moslem! Man muss sich jetzt nochmal das Zitat von oben durchlesen und sich dann klarmachen, dass diese Rechnung nur aufgeht, wenn die Mengen Al-Qaida und Muslime deckungsgleich sind.
Komische Ansichten für einen, der vor der »gut vernetzten islamophoben Bloggosphäre« erzittert.

Jungle World 28/11

Ich weiß, es ist ein bisschen her, aber die Ausgabe fand ich echt super. Hier ein paar dazugehörige, dringende Leseempfehlungen:

—Georg Seesslen schreibt anlässlich des zehnten Todestages von Carlo Giuliani über die Polizeigewalt: »Eine Polizei, die nicht auf der Basis von Rechtsstaatlichkeit agiert, verteidigt keine demokratische Ordnung, sondern ist Partei in einem latenten Bürgerkrieg.«
Olaf Kistenmacher schreibt im Dossier über den altbekannten Antisemitismus in der deutschen Linken. Kennt man teilweise schon aus einem Vortrag, aber besonders interessant ist der heftige Antizionismus, den die Linken schon in den 20ern kultivierten. Vor allem die damalige Rechnung Jude gleich Zionist spricht in dieser Beziehung Bände.
—Am spannendsten finde ich aber Roger Behrens‘ Artikel über die Gewaltfrage: »Damit verlieren aber die Demonstrationen tendenziell ihren eigentlichen und wesentlichen Sinn innerhalb demokratisch verfasster Gesellschaften: Man kann kaum noch etwas demonstrieren.«

Gehirnschmelze #2

Die Anti-AKW-Bewegung erreicht humoristische Höhenflüge.

Das wirkt zwar wie die Gehirnschmelze der Wutbürger, stammt aber aus einer Wahlzeitung der NPD.

Der Verrückte und Israel

Zunächst einmal: der Attentäter von Oslo, Anders Breivik, kann nichts anderes als verrückt genannt werden. In einigen Leitartikeln wird das zurückgewiesen, aber bei jemandem, der sich für einen Tempelritter hält, in selbstgebastelten Uniformen auftritt und selbstgeführte Interviews als groteske Pressemappe online stellt, ist kein anderer Schluss möglich.
Die Verwirrung, die sein zusammengeschustertes Weltbild auslöst, erinnert nicht zuletzt wegen des Templerwahns an ein Buch von Umberto Eco; »Das Foucaultsche Pendel«. Er scheint einfach zeitgenössischen Rechtsradikalismus mit altbekannten Verschwörungen kompiliert zu haben, und deswegen wird man ihn auch keinem Lager zuordnen können — auch wenn Passagen diesem oder jenem entnommen sind.
Dabei fällt auch auf, dass er sich anti-muslimisch, pro-amerikanisch und pro-israelisch gibt, was bei manchen die Assoziation zur neuen Rechten wecken mag. Auf schlamassel wird zutreffend beschrieben, wie weit her es bspw. mit der Israelsolidarität ist. Das »Judenproblem« sieht der Attentäter nämlich damit gelöst, dass »nur eine Million [Juden] in Westeuropa« übrig sind.
Das passt gut zu seinem Hass auf den »Multikulturalismus«. Der klingt auch nach der neuen Rechten, Breivik setzt ihn jedoch mit dem »Kulturmarxismus« gleich. Damit befindet er sich, ganz wie mit der Templerverschwörung, im traditionell antisemitischen Fahrwasser des rechtsradikalen Lagers. Für »Kulturmarxisten« hält er nämlich die Soziologen der Frankfurter Schule. Breivik selbst bemüht die Klarstellung nicht, aber dieser Begriff bedient sich der Idee, die »Kulturmarxisten« seien allesamt jüdisch und marxistisch, und hätten seit 1945 den gesellschaftlichen Mainstream mehr und mehr unterwandert, wobei der (im Tagesgeschäft geläufigere) »Multikulturalismus« herausgekommen sei, den der Verrückte mit seinem Massaker zu bekämpfen gedachte.
In der Debatte um die Bedeutung dieser Wahnsinnstat muss also klar sein, dass Breivik sich nicht eines politischen Prototypen bediente, sondern ihm vielmehr der des Verschwörungsideologen zuzuschreiben ist. Der Unterschied zu den anderen Bekloppten, die solch ein Gewäsch lesen, glauben, verbreiten, ist lediglich die unfassbare Konsequenz, die er so vielen Menschen aufgezwungen hat.

Pazifisten

Da Pazifisten mehr Handlungsfreiheit in Ländern haben, in denen Ansätze der Demokratie bestehen, können Pazifisten effektiver gegen die Demokratie wirken als für sie. Objektiv betrachtet ist der Pazifist pro-nazistisch.
—George Orwell
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die Weltmacht

Während Souveränität nicht von einem einzigen Staat verkörpet werden kann, sei er selbst hegemonial wie die USA nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern immer von den Staaten in ihrem Verhältnis zueinander, weil sie nur so die Verwertung des Kapitals zu garantieren imstande ist, beansprucht der Gegensouverän absurderweise genau diese Singularität, in deren Namen er die Einheit einzelner Gewaltmonopole auflöst: im Nahen und Mittleren Osten durch den Glauben an die weltweite umma der Gläubigen, die im jihad den Staaten der Ungläubigen den Garaus macht; in Kerneuropa durch die kaum minder religiöse Vorstellung einer in Völkerrecht und Völkergemeinschaft fußenden Macht, die unmittelbar davor stehe, sich als ewiger Frieden zu installieren. Der eigene Wahn wird eben dadurch kaschiert, dass man den USA und dem Judentum unterschiebt, unrechtmäßig schon zu besitzen, was man selbst rechtmäßig beansprucht: die Weltmacht.
—Gerhard Scheit: Der Wahn vom Weltsouverän, S. 83

Chicago


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nachlässige Urbanität und autochthoner Stumpfsinn

Berlin ist keine Metropole. Berlin ist die urbanisierte Provinz: ein riesiges Dorf mit viel zu vielen Einwohnern, das die sture Sachlichkeit der Großstadt mit der brutalen Herzenswärme ruraler Stammesgemeinschaften vereint. Obwohl jeder hier über genügend Auslauf verfügt, begegnet man wie im Fernsehen, in der Wohngemeinschaft oder auf dem Pausenhof überall genau denjenigen, denen man eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Wer in Berlin allein ist, fühlt sich deprimiert und verloren statt befreit vom Zwang des Kollektivs. Wer in Berlin unter Menschen geht, wird zum Misanthropen. Die bürgerähnliche Spezies, die diese Stadt bevölkert, ist nur in Ansätzen individuiert. Sie organisiert sich in Horden nach dem Prinzip der Landnahme und nennt ihr jeweiliges Siedlungsgebiet ihren Kiez. Im Berliner Kiez kommen nachlässige Urbanität und autochthoner Stumpfsinn wie nirgends sonst auf der Welt zueinander. Kreuzberger oder Neuköllner verlassen eher den Kontinent als den eigenen Bezirk. Hier haben sie ihre Szene, hier haben sie ihre Freunde, und hier schlägt ihr Herz, das sie anders als ihren Verstand nur ungern verlieren und nie an der Garderobe abgeben. Jeden, der sie daran erinnert, dass ihre Wohnung schöner, ihr Leben glücklicher und die Welt ein freier Ort sein könnte, halten sie für einen Gentrifizierungsagenten.
Magnus Klaue
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»die Vision der totalen Gemeinschaft«

Die Vision der totalen Gemeinschaft ohne Subjekte, die als solches unrealisierbar bleibt, liefert alle Vorwände, das Subjekt — einerseits bloß formal, andererseits mitsamt dem Leib — schon einmal abzuschaffen.
—Gerhard Scheit: Der Wahn vom Weltsouverän, S. 37

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Un homme est toujours la proie de ses vérités.
—Albert Camus

Atommodell nach Bohr


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Wohlgemerkt in analog. Die Technik dahinter kann man im Link erkunden.