Archiv für Dezember 2011

«In the very midst of Revolution»

Die HBO-Miniserien sind ja bekanntlich immer ein paar Abende wert. Das war bei Band of Brothers und The Pacific so, und auch John Adams kann ruhig in diese Reihe eingeordnet werden.
In der Serie wird das Leben eines der Mitbegründer der USA, John Adams, vom «Boston Massacre» 1770 bis zu dessen Tod am 4. Juli 1826 abgedeckt und damit die Gründungsphase der Vereinigten Staaten. Man sieht also einen Menschen, der einerseits britische Offiziere gegen den Lynchmob vor Gericht verteidigt, andererseits auf dem Zweiten Kontinentalkongress vehement für die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien von der britischen Krone streitet. Damit ist er ein gewisser Gegenpart zum strahlenden Thomas Jefferson, der sich an ebenso prominenter Stelle für die Freiheit in den amerikanischen Kolonien engagierte, darüber hinaus auch für die Französische Revolution.
Die Beziehung der beiden schreit natürlich gradezu danach, dramaturgisch ausgeschlachtet zu werden. Denn ihre vielen Kämpfe miteinander spiegeln letztlich auch nur den Willen wider, die Menschen in eine freiere Welt zu entlassen. Als beide am 50. Unabhängigkeitstag hochbetagt starben, konnte man ihnen sicherlich kein Scheitern vorwerfen.
Wenn man sich also die historischen Ungenauigkeiten klarmacht, ist diese Miniserie genau das Richtige, um sich mindestens die Vorweihnachtszeit gebührend und menschenfrei um die Ohren zu schlagen.

The Mountain from TSO Photography on Vimeo.

Racism is stupid.

Ihr habt gehört, was der Panda gesagt hat!!

Zecken und Blutsauger

Gemäß dem Schreiben müsse davon ausgegangen werden, dass „noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. In dem Schreiben war demnach die Rede von drei geplanten Explosionen „gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“. Das LKA geht daher davon aus, dass noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten.
zeit.de

Halle? Irgendwer?

Birte Hewera (Berlin):
Engagement und Desengagement.
Jean-Paul Sartre – Michel Foucault – Jean Améry

Di, 13.12.11, 18.30 Uhr, Melanchthonianum, Uniplatz

Jean Améry wurde im April 1945 von den Engländern aus Bergen-Belsen befreit. Nach zwei Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, stieß der Anhänger des Wiener Neopositivismus nun auf die Philosophie Jean-Paul Sartres.
In Auschwitz hatte Amérys Bezug zum Neopositivismus einen Bruch erfahren, da sich in diesem Denken die erlittene Wirklichkeit von Folter und KZ nicht wiederfinden ließ. Erst der Sartre’sche Existentialismus gab Améry die Möglichkeit, dieses Erlittene zu artikulieren, sein eigenes Handeln als moralisch zu bekräftigen, die Täter zu verurteilen und für sich selbst eine Zukunft jenseits des von den Nazis über ihn verhängten Urteils überhaupt zu denken.
Die „Tendenzwende“ – das Aufkommen des französischen Strukturalismus – stellte diese Errungenschaft jedoch wieder in Frage. Améry kritisierte den Strukturalismus, dem er Michel Foucault entgegen dessen Selbstbeschreibung ausdrücklich zuordnete, bereits sehr früh, lange schon, bevor dieser in Deutschland populär wurde. Er bezeichnete den Strukturalismus als „Philosophie jenseits des Menschen“, da der leibliche und leidende Mensch hier keinen Platz hatte, das Handeln als Akt freier Wahl negiert, sowie überhaupt von jeglicher Erfahrung abstrahiert wurde.
Schließlich ist es konstitutiv für das Denken Amérys, dass die gelebte Erfahrung – das „vécu“, den unhintergehbaren Referenzpunkt jeglicher Reflexion bildet. So polemisierte Améry auch gegen alle diejenigen, die die existenzielle Bedeutung des Staates Israels nicht sehen wollten. Denn das Bestehen dieses Staates, so Améry, sei nur vor dem Hintergrund der Katastrophe Auschwitz und der darin enthaltenen Möglichkeit eines zweiten Auschwitz zu sehen. Améry hatte sich selbst immer als der Linken zugehörig betrachtet. Die Ignoranz gegenüber der andauernden Bedrohung Israels und der zunehmende und nur schlecht als „Antizionismus“ verhüllte Antisemitismus ausgerechnet innerhalb der Linken ließen ihn jedoch schließlich an dieser Linken verzweifeln. Die Bezeichnung der arabischen Gewaltregime als progressiv, Israels hingegen als reaktionär, verweise auf eine „totale Verwirrung der Begriffe“, auf den „definitiven Verlust moralisch-politischer Maßstäbe“. Am Israel-Palästina-Konflikt schließlich habe die Linke sich neu zu definieren, insofern sie sich nicht selbst aufgeben und die Maßstäbe der Gerechtigkeit für den „Fetisch Revolution“ opfern will.

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elendes Gesindel

In der Frage des Antisemitismus habe ich wenig Lust, Erklärungen zu suchen, verspüre eine starke Neigung, mich meinen Affekten zu überlassen, und fühle mich in der ganzen unwissenschaftlichen Einstellung bestärkt, daß die Menschen so durchschnittlich und im großen ganzen doch elendes Gesindel sind.
— Sigmund Freud: Brief an Arnold Zweig 1927, in: Ernst L. Freud (Hg.): Sigmund Freud – Arnold Zweig Briefwechsel, Frankfurt am Main 1969, S. 11
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Zizek über Occupy Frankfurt

»Je weniger man von diesem Ort sieht, desto besser versteht man ihn. Der Sinn der Occupy-Bewegung liegt nicht darin, dass wir daran teilnehmen, sondern dass möglichst viele Leute von ihr erfahren.« Paradoxie à la Slavoj Žižek: Eine Illusion, die durchschaut ist, hat sich noch lange nicht erledigt – wir müssen uns trotzdem dazu verhalten. Die Leute müssen protestieren, damit ein Bewusstsein entsteht, aber eigentlich sind es, natürlich, die falschen Leute.
-zeit.de

Ein Fall für die Psychiatrie

Das medizinische Gutachten über Anders Breivik liegt nun vor und kommt zu der Schlussfolgerung, die hier schon vorsichtig vermutet wurde: Der Mann ist krank, nicht politisch indoktriniert.

Leygraf: Die Theorie, dass seine Taten einen internationalen rechtsextremen Hintergrund haben, ist damit nicht mehr zu halten. Es handelt sich um die individuelle Krankheit eines Menschen. Das bedeutet auf der anderen Seite aber nicht, dass Rechtsextremismus nicht mehr gefährlich wäre. Aber das, was er geschrieben hat, wird man in erster Linie unter dem Aspekt seiner Krankheit bewerten müssen.

ZEIT ONLINE: In Breiviks krankem Weltbild waren die Morde an Unschuldigen offenbar gerechtfertigt. Was unterscheidet ihn von religiös motivierten Fundamentalisten? Könnten sie auch als unzurechnungsfähig gelten?

Leygraf: Nein, weil ein religiös motivierter Akt nicht durch eine wahnhafte Erkrankung ausgelöst wird. Aus psychiatrischer Sicht besitzen religiös motivierte Fundamentalisten eine sogenannte überweltliche Idee. Zu solchen Ideen kann ein Mensch im Unterschied zum Wahn kritischen Abstand gewinnen. Das hat nichts mit einer Krankheit zu tun. Zudem gehört zu der Diagnose paranoide Schizophrenie nicht nur der Wahn. Es gibt immer auch andere Symptome wie eine Störung der Affektivität oder der zwischenmenschlichen Kontaktfähigkeit. Die von außen absurd erscheinende Überzeugung macht nicht die Krankheit aus.

das ganze Interview mit dem Professor für Psychiatrie, Norbert Leygraf