»Die Gedanken sind frei«

In einem sehr guten Artikel in der aktuellen Jungle World entlarvt Ferdinand Muggenthaler den Schamanismus derjenigen Hirnforscher_innen, die von sich behaupten, »Gedanken lesen zu können«.

Das Vorgehen ist vergleichbar mit dem eines Soziologen, der aus 100 Metern Entfernung jede Stunde ein Foto eines Hochhauses macht und dann aus dem An- und Ausgehen der Lichter hinter den Fenstern etwas über die Lebensgewohnheiten der Bewohnerinnen und Bewohner herausfinden will.

Die Unverhältnismäßigkeit der Aufregung zeigt vor allem, wie leicht das Feuilleton auf seine eigenen Sci-Fi-Ängste anspringt, und das bloß angesichts einiger großmäuliger Forschergruppen. Gleichzeitig nährt eine realistische Betrachtung der Forschungsergebnisse durchaus die Hoffnung darauf, mit naturwissenschaftlichen Methoden etwas über unser Denken herauszufinden. Es müssten sich schon einige hundert Jahre Philosophie geirrt haben, wenn damit die Freiheit des Denkens widerlegt werden sollte. Bis dahin kann es nur heißen, die Schamanen von den Entdeckern differenzieren zu lernen.

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