Beiträge von tnb

Ein Fall für die Psychiatrie

Das medizinische Gutachten über Anders Breivik liegt nun vor und kommt zu der Schlussfolgerung, die hier schon vorsichtig vermutet wurde: Der Mann ist krank, nicht politisch indoktriniert.

Leygraf: Die Theorie, dass seine Taten einen internationalen rechtsextremen Hintergrund haben, ist damit nicht mehr zu halten. Es handelt sich um die individuelle Krankheit eines Menschen. Das bedeutet auf der anderen Seite aber nicht, dass Rechtsextremismus nicht mehr gefährlich wäre. Aber das, was er geschrieben hat, wird man in erster Linie unter dem Aspekt seiner Krankheit bewerten müssen.

ZEIT ONLINE: In Breiviks krankem Weltbild waren die Morde an Unschuldigen offenbar gerechtfertigt. Was unterscheidet ihn von religiös motivierten Fundamentalisten? Könnten sie auch als unzurechnungsfähig gelten?

Leygraf: Nein, weil ein religiös motivierter Akt nicht durch eine wahnhafte Erkrankung ausgelöst wird. Aus psychiatrischer Sicht besitzen religiös motivierte Fundamentalisten eine sogenannte überweltliche Idee. Zu solchen Ideen kann ein Mensch im Unterschied zum Wahn kritischen Abstand gewinnen. Das hat nichts mit einer Krankheit zu tun. Zudem gehört zu der Diagnose paranoide Schizophrenie nicht nur der Wahn. Es gibt immer auch andere Symptome wie eine Störung der Affektivität oder der zwischenmenschlichen Kontaktfähigkeit. Die von außen absurd erscheinende Überzeugung macht nicht die Krankheit aus.

das ganze Interview mit dem Professor für Psychiatrie, Norbert Leygraf

Wir haben dies Wunder so verstanden, dass der einzelne sein Ich-Ideal aufgibt und es gegen das im Führer verkörperte Massenideal vertauscht. Das Wunder, dürfen wir berichtigend hinzufügen, ist nicht in allen Fällen gleich groß. Die Sonderung von Ich und Ich -Ideal ist bei vielen Individuen nicht weit vorgeschritten, die beiden fallen noch leicht zusammen, das Ich hat sich oft die frühere narzisstische Selbstgefälligkeit bewahrt. Die Wahl des Führers wird durch dies Verhältnis sehr erleichtert. Er braucht oft nur die typischen Eigenschaften dieser Individuen in besonders scharfer und reiner Ausprägung zu besitzen und den Eindruck größerer Kraft und libidinöser Freiheit zu machen, so kommt ihm das Bedürfnis nach einem starken Oberhaupt entgegen und bekleidet ihn mit der Übermacht, auf die er sonst vielleicht keinen Anspruch hätte.
Sigmund Freud, Massenpsychologie und Ich-Analyse.

„Deutschland? Weißt du doch nich!“

2012 – Fliegen bis Dresden Geschichte ist!
Gemeinsamer Aufruf der Bündnisse
Dresden Häuserfrei und X-tausendmal leer

1945 ist es uns erstmalig gelungen, Europas größte Barockausstellung durch Flächenbombardements zu beenden. Grundlage unseres Erfolges war die Länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Luftwaffen der beteiligten Staaten sowie einigen anderen Organisationen und Einzelpersonen. Mit unserer klaren Ankündigung, die größte Barockausstellung der Welt zu beenden, haben wir gemeinsam den Raum des symbolischen Protestes verlassen. Die Entschlossenheit tausender Piloten, sich mit den Mitteln des militärischen Gehorsams der schnöden Barockbauten zu entledigen, hat die Operation zu einem Erfolg werden lassen.

Für 2012 hat die Stadt Dresden angekündigt, mehrere Veranstaltungen zum Jahrestag der allierten Luftangriffe auf Dresden durchzuführen. Seit Jahren versucht Dresden die eigene Bombardierung für die Zwecke der Stadt zu instrumentalisieren und an bestehende Mythen und die Gedenkkultur anzuknüpfen. Wir werden nicht akzeptieren, dass die Stadt Dresden die Geschichte verdreht und die eigentlichen Helden, die Piloten der allierten Streitkräfte, verhöhnt werden.

Wir sind uns bewusst, dass sich Dresden seine „Prachtbauten“ nicht einfach nehmen lassen wird. Deshalb werden wir uns 2012 wieder durch Aktionen des militärischen Gehorsams mit Flächenbombardements auf uns aufmerksam machen. Dieses Ziel eint uns über alle sozialen, politischen oder kulturellen Unterschiede hinweg. Von uns wird dabei eine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, Dresden wieder zu enturbanisieren, seiner Prachtgebäude zu entreissen und damit auch ein klares Zeichen gegen Gentrifizierung zu setzen.

Wir werden uns weiterhin bei Versuchen der Gegenwehr solidarisch zueinander verhalten. Wir stellen uns gegen jeden Versuch, Flächenbombardements als „extremistisch“ zu bezeichnen.
2012 werden wir Dresden gemeinsam bombardieren – bunt und lautstark, kreativ und entschlossen!

Nie wieder Dresden! Feuer frei!

Hass… Hass… Hass und Gewalt.

»Occupy the Movement!«

In der aktuellen Jungle World vergisst Bernhard Schmid in einem sonst guten Artikel, »dass die SA-Aufmärsche dann doch schneller organisiert waren als die soziale Revolution.« (ebd.)

»Biopolitik«

Germanisten, die Carl Schmitt zitieren, rufen in einer der nächsten Fußnoten garantiert Giorgio Agamben auf, um anschließend auf Michel Foucaults Begriff der »Biopolitik« zu sprechen zu kommen.
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Daniil Charms: »Und was kommt dann? Wasser?«

Da sitze ich auf einem Stuhl. Und der Stuhl steht auf dem Boden. Und der Boden gehört zum Haus. Und das Haus steht auf der Erde. Und die Erde erstreckt sich in alle Richtungen, nach rechts und nach links, vor und zurück. Und endet sie irgendwo? Denn es kann ja nicht sein, dass sie nirgends endet! Unbedingt muss sie irgendwo enden! Und was kommt dann? Wasser? Und schwimmt die Erde auf dem Wasser? Das glaubten die Leute ja früher. Und sie glaubten, da, wo das Wasser endet, da vereinigt es sich mit dem Himmel.
Und tatsächlich, wenn man auf einem Schiff im Meer ist, wo nichts ringsumher den Blick verstellt, da scheint es, als sinke irgendwo weit entfernt der Himmel herab und vereinige sich mit dem Wasser.
Der Himmel erschien den Menschen als große harte Kuppel, aus etwas Durchsichtigem, Glasartigem gemacht. Aber damals kannte man noch kein Glas und sagte, der Himmel sei aus Kristall gemacht. Und man nannte den Himmel Feste. Und die Menschen dachten, der Himmel oder die Feste sei das Beständigste, das Unveränderlichste. Alles könne sich verändern, aber die Feste verändere sich nicht. Und bis jetzt sagen wir, wenn wir von etwas sprechen, das sich nicht verändern soll: Das muss festgelegt werden.
Und die Menschen sahen, wie sich Sonne und Mond am Himmel bewegen und die Sterne unbeweglich stehen. Da begannen die Menschen, die Sterne aufmerksamer zu beobachten, und bemerkten, dass die Sterne am Himmel Figuren bilden. Sieben Sterne zum Beispiel bilden die Form eines Topfs mit Henkel, drei Sterne stehen einer nach dem anderen auf einer Linie. Die Menschen lernten, die Sterne voneinander zu unterscheiden, und sahen, dass sich die Sterne auch bewegen, nur alle auf einmal, als seien sie am Himmel befestigt und bewegten sich zusammen mit dem Himmel. Und die Menschen befanden, der Himmel drehe sich um die Erde.
Da teilten die Menschen den ganzen Himmel in einzelne Sternfiguren ein, und jede Sternfigur nannten sie Sternbild, und jedem Sternbild gaben sie einen Namen.
Aber dann sahen die Menschen, dass nicht alle Sterne sich zusammen mit dem Himmel bewegen, sondern dass es auch solche gibt, die zwischen anderen Sternen umherirren. Und die Menschen nannten diese Sterne Planeten.

(1931)

Daniil Charms

»Angst und Abscheu in der BRD«

Ein ideologiekritischer Rundumschlag in Form eines durchaus unterhaltsamen Hörspiels.
schreibenfuerdiewelt

Kommentare zur Finanzkrise I

Ich habe aber auch keinen Zweifel darüber gelassen, dass, wenn die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden, dann auch jenes Volk mit zur Verantwortung gezogen werden wird, das der eigentlich Schuldige an diesem mörderischen Ringen ist: Das Judentum!
—Adolf Hitler, Politisches Testament

The Labor Movement


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Inside Job


xkcd

♫ »but your voice was too loud«

»Kids« von MGMT, Piano Cover von Maxence Cyrin [Pop]

Support The Anglo-American Cultural Imperialism!

Während hierzulande nur Scheiße produziert wird, kann man in den USA gefühlt alle fünf Sekunden einen neuen tollen Film sehen. Beweisstück A. Kein Wunder, dass man auch den politischen Protest von dort holt. Dennoch komisch: Undankbarkeit.
Nun aber zu schöneren Dingen. Die kommen, natürlich, aus den Vereinigten Staaten von Amerika:

usw! Wer Filmtipps hat, kann ja mal kommentieren.

The Tour Show


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Occupy Production!

Die Occupy-Bewegung ist heute halbwegs überraschend in Deutschland angekommen. Das ist einerseits begrüßenswert, weil Menschen ihren Platz im Politischen tatsächlich beanspruchen, aber andererseits ist Misstrauen durchaus angebracht, spätestens natürlich, wenn sich eintausend plus x Deutsche versammeln und einer Meinung sind.
Fangen wir mit der guten Nachricht an: der Text von Occupy Germany auf Facebook eignet sich definitiv nicht zur Yuppiejagd zurückgebliebener Jungrevolutionär_innen. Dennoch gibt es ein grundsätzliches Problem an diesen Protesten, sie richten sich nämlich nicht gegen den Kapitalismus an sich, also die Märkte, sondern nur »gegen die Banken, gegen die finanziellen Machthaber im System«, und sind damit so antikapitalistisch wie mein Gameboy.
Das hat meiner Meinung nach zweierlei Gründe: einerseits das nicht-vorhandene Verständnis der mehrheitlichen Bevölkerung für volkswirtschaftliche Zusammenhänge, zweitens das dadurch fehlende Verständnis für die Kritik der herrschenden Verhältnisse. Gegen den ersten Punkt hilft, salopp gemacht, massive Propaganda für marxistisch-dialektische Autodidaktik. Das Problem dabei ist aber, das vermutlich grade das Unverständnis der Zusammenhänge der Grund für den Protest selber ist. Die Empörung und Wut richtet sich nämlich ausschließlich gegen das Abstrakte im heutigen Wirtschaften, welches Unverständnis hervorruft und als losgelöst vom erlebbaren Alltag wahrgenommen wird.

Diese Form des ’Antikapitalismus‘ beruht also auf dem einseitigen Angriff auf das Abstrakte. Abstraktes und Konkretes werden nicht in ihrer Einheit als begründende Teile einer Antinomie verstanden, für die gilt, daß die wirkliche Überwindung des Abstrakten – der Wertseite – die geschichtlich-praktische Aufhebung des Gegensatzes selbst sowie jeder seiner Seiten einschließt. Statt dessen findet sich lediglich der einseitige Angriff gegen die abstrakte Vernunft, das abstrakte Recht und, auf anderer Ebene, gegen das Geld- und Finanzkapital. So gesehen entspricht dieses Denken seiner komplementären liberalen Position in antinomischer Weise: Im Liberalismus bleibt die Herrschaft des Abstrakten unbefragt; eine Unterscheidung zwischen positiver und kritischer Vernunft wird nicht getroffen.
Moishe Postone: Antisemitismus und Nationalsozialismus

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, wie sich die Occupy-Bewegung entwickeln kann.
1. Der Protest ist Ausgangspunkt einer massenhaften Kritik der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Erfordert massive Propaganda und wissbegierliche »Empörte«, was beides schwer zu stemmen wäre.
2. Der Protest setzt sich fort und entwickelt sich nicht über die Bankenjagd hinaus. Im besten Falle passiert nichts, auch weil die Sozialdemokratie die Bewegung schluckt. Vor allem aber, weil gar nichts passieren kann, wenn die kapitalistische Produktion nicht über den Haufen geworfen wird. Im schlechtesten Fall werden auf dem Weg noch die Falschen gelyncht, aber eher nicht.
3. Die Proteste ebben ab und ein paar warme Worte reichen wieder aus.

Soll den internationalen Finanzmärkten wirklich der Geldhahn zugedreht werden, hilft nur eins: den Laden selber zu schmeißen. Das ist durchaus wörtlich gemeint. Denn eine gemeinschaftliche Produktion macht de facto das Geld überflüssig, welches so wehleidig »verzockt« wird. Anstatt auf den Bundestag, die Bankenviertel oder die Kaffeepause zu marschieren, müsste man dann aber die Produktionsstätten besetzen.
Falls also jemand gleich bis hier runtergescrollt hat, alles nochmal in Bold:
Die Krise ist der Arbeitsplatz! Erobert ihn zurück! Occupy Production! Und ab.

Zur Dokumentation des bürgerlich-konservativen Wahnsinns


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