Archiv der Kategorie 'Antisemitismus'

Gute Freunde kann niemand trennen

MdB Niema Movassat zusammen mit der reaktionären Band »Die Bandbreite«, welche immer wieder durch nationalistische, homophobe, sexistische und — wie auch im Bild — durch Verschwörer-Fantasien auffällt.
Scheinbar hat man nicht einmal in der Bundestagsfraktion der »Linken« Probleme mit diesem originär rechten Gedankenkosmos.
Mal sehen, wieviel länger der Link zum Bild auf seiner Homepage verweilt.

Der neue Antisemitismus

Über die Duisburger Linkspartei bricht es blogmäßig ja grade von allen Seiten herein. Klick, klick, klick, klick.
Neben dieser kurzen Link-Sammlung habe ich noch ein paar Rosinen der linksdeutschen Israelkritik herauspickt, die den intellektuellen Tiefflug der antisemitischen Hetzer_innen schauderhaft unterstreichen.
Abgesehen von ein paar Gruselmärchen über die Juden im Nahen Osten lernen wir kennen: die Kontrolle des Weltjudentums über irgendwie alles — alter Hut. Kauft nicht beim Juden — da wird es für Linksdeutsche langsam wieder interessant. Aber soweit in das nationalsozialistische Vernichtungsvokabular hat sich lange keine_r vorgewagt:
Da wird von einer »Judenpresse« schwadroniert, wie es sich die Neonazis gar nicht mehr trauen. Genauso wenig wie folgende Sätze:

Tretet der moralischen Erpressung durch den sogenannten Holocaust entgegen! Wahrheit macht Frei!

Hier schafft Die.Linke beachtliches: Einerseits wird in dem Flugblatt, das inzwischen von der Homepage entfernt wurde, die Shoah schlicht geleugnet — als hätte es Auschwitz, Sobibor, Babi Jar, … nicht gegeben — um im gleichen Atemzug wieder mit der Vernichtung zu drohen, wie es die Torbögen der Vernichtungslager der Deutschen taten.
Wie die »Wahrheit« aussieht, der sich die Autor_innen des Flugblattes und die Duisburger Linkspartei verschrieben haben, macht schon der Kopf der Hetzschrift klar: Ein zu einem Hakenkreuz verschandelter Davidstern.

Das Flugblatt wurde von der Seite der Linkspartei entfernt, kann aber zur Kontrolle der genannten Zitate hier runtergeladen werden.

(im Sinne Robespierres)

Unter Zionismus versteht die Linke ungefähr das, was man so vor rund 30 Jahren in Deutschland das ‘Weltjudentum’ genannt hat. Gegen diesen Zionismus, den man auch ‘Nationalzionismus’ nennt, um ihn schon phonetisch dem Nationalsozialismus anzunähern, erhebt sich linker Purismus, linker Eifer und linke Tugend (im Sinne Robespierres). […] Und ihre Sympathien wenden sich selbstverständlich den verschiedenen arabischen Freikorps zu, vor allem dem El Fatah, der für sie, die Linke, das zugleich eherne und verklärte Antlitz des Widerstandskämpfers trägt.
Wie, so fragt man sich, konnte es dahin kommen? Was hat geschehen müssen, daß die Linke der Welt […] einstimmt in einen Haßgesang gegen Israel, der, des bin ich gewiß, wenn die Dinge weiter ihren Lauf nehmen, schließlich dem schlechten, unrechten Antisemitismus dienen muß? Wie ist es geschehen, daß marxistisch-dialektisches Denken sich dazu hergibt, den Genozid von morgen vorzubereiten?

— Jean Améry – Die Linke und der “Zionismus” (1969), in ders. Werke Bd. 7: Aufsätze zur Politik und Zeitgeschichte

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Der Mob hat Bock


Dresdner Gästeblock beim Spiel gegen Hansa Rostock

Ist das jetzt wieder so ein Fall von Islamophobie aka Neuer Antisemitismus?

Prioritäten

Wie die Neutralität in Person kommt der Artikel auf Spiegel Online daher, der einen Erfolg des israelischen Geheimdienstes Mossad publik macht. Ein wahrer »Agententhriller« sei das, in den der mutmaßliche Hamas-Ingenieur Abu Sisi geraten ist. Der wurde nämlich festgenommen. Wenn man schon keine Kinofilme machen kann, dann will man wenigstens seine Nachrichten in James-Bond-Manier platzieren. Brav werden auch alle Fakten aufgezählt: Es geht um den Fall des Gilad Schalit, der seit über vier Jahren von der islamistischen Terrororganisation Hamas festgehalten wird. Abu Sisi soll nun Informationen zu dessen Verbleib besitzen, alternativ fordert die Hamas für Schalits Freilassung lediglich 1000 palästinensische Terrorist_innen zurück.
Weil man sich über solche offensichtlichen Verirrungen nicht gegen Israel empören kann, macht man das dann einfach ein paar Sätze später. Dazu wird eine emotional aufgeladene Geschichte runtergeleiert, und schwupps: auf einmal haben wir ein Problem damit, wenn Menschen mir nichts, dir nichts festgehalten werden. Die Israelis »schmettern Widersprüche ab«, und zuhause sitzt nun auch eine besorgte Familie.
Dass sich um Gilad Schalit eventuell auch Menschen sorgen machen, taucht wieder einmal nicht auf. Aber der ist schließlich auch jüdischer Soldat, gefangengehalten von mordenden Antisemit_innen.

Der ehrbare Antisemitismus

Der vorliegende Text von Jean Améry wurde am 25.7. 1969 in der Zeit veröffentlicht und wird hier nach nach dem Conne Island Newsflyer zitiert.

De Gaulle fiel. Manch einem war trüb zumut wie einem Heineschen Grenadier; mir auch, mir auch. Nur leider, dass in New York dem französischen UNO- Delegierten Armand Bérard nichts besseres einfiel, als verzweifelt auszurufen (laut „Nouvel Observateur“ vom 5.Mai): „C’est l’or juif!“ Und kein Dementi. Rechter Hand, linker Hand alles vertauscht. Der Antisemitismus schafft’s und, wie es einst bei Stefan George hiess: „… er reisst in den Ring.“
Das klassische Phänomen des Antisemitismus nimmt aktuelle Gestalt an. Der alte besteht weiter, das nenn ich mir Koexistenz. Was war, das blieb und wird bleiben: der krummnasige, krummbeinige Jude, der vor irgendwas – was sag ich? – der vor allem davonläuft. So ist er auch zu sehen auf den Affichen und in den Pamphleten der arabischen Propaganda, an der angeblich braune Herren deutscher Muttersprache von einst, wohlkaschiert hinter arabischen Namen, mitkassieren sollen. Die neuen Vorstellungen aber traten auf die Szene gleich nach dem Sechs-Tage-Krieg und setzen langsamerhand sich durch: der israelische Unterdrücker, die mit dem ehernen Tritt römischer Legionen friedliches palästinensisches Land zerstampft. Anti-Israelismus, Anti-Zionismus in reinstem Vernehmen mit dem Antisemitismus von dazumal. Der ehern tretende Unterdrücker-Legionär und der krummbeinige Davonläufer stören einander nicht. Wie sich endlich die Bilder gleichen!
Doch neu ist in der Tat die Ansiedlung des als Anti-Israelismus sich gerierenden Antisemitismus auf der Linken. Einst war das der Sozialismus der dummen Kerle. Heute steht er im Begriff, ein integrierender Bestandteil des Sozialismus schlechthin zu werden, und so macht jeder Sozialist sich selber freien Willens zum dummen Kerl.
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»Israel angreifen müssen«

Fun Fact: die Juden sind schlimmer als Gaddafi und Saddam Hussein zusammen.


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»Hängt ihr die Juden auf, wir hängen die anderen Kapitalisten auf!«

Ein hörenswerter Beitrag, den ich beim Audioarchiv gefunden habe, beschäftigt sich mit dem Antisemitismus in der KPD vor dem Machtantritt der Nazis. Es wird deutlich, dass die KPD den Antisemitismus als willkommenen Impuls zur Kapitalismuskritik begrüßte, wie es schon die SPD Ende des 19. Jahrhunderts proklamierte. Hierbei scheute man auch keineswegs vor der Zusammenarbeit mit nationalistischen Gruppen zurück, und genierte sich nicht einmal dafür.

»Es war nicht viel vorzubringen gegen die Greuel.«

Jean Améry: Jenseits von Schuld und Sühne.

»Jude sein, dass hieß für mich von diesem Anfang an, ein Toter auf Urlaub zu sein, ein zu Ermordender, der nur durch Zufall noch nicht dort war, wohin er rechtens gehörte, und dabei ist es in vielen Varianten, in manchen Intensitätsgraden bis heute geblieben.«

Améry untertitelte seine Aufsatz-Sammlung bescheiden mit Bewältigunsversuche eines Überwältigten — doch ist festzustellen, dass die vorliegenden Texte eine scharfe Darlegung des »Prozesses der Wiederherstellung der Würde« sind, der für Améry nach dem Überleben von Auschwitz zum zentralen Thema wurde.
Vielmehr, als sich intellektuell neutral den Fragen des Lebens nach der Befreiung zu widmen, ist das Buch das persönliche Zeugnis eines Intellektuellen, wie Améry im Vorwort betont. Gleichzeitig ist sein Bericht von der »Opfer-Existenz« kein Ruf an Leidensgenoss_innen oder Interessierte: an die Deutschen selber wendet sich Améry, denn sie sind die Schuldigen.
Es macht wenig Sinn, hier den Inhalt auszubreiten, denn der ist meiner Meinung nach auf den gut hundertfünfzig Seiten schon knapp genug gefasst. Vielmehr soll unterstrichen werden, wie wichtig es ist, dieses Buch zu lesen.
Entlang der Greuel rechnet Améry mit den Schrecken, mit den Täter_innen, aber auch mit sich selbst ab. Er widmet sich der geistigen Zersetzung der KZ-Häftlinge, der an ihm begangenen Folter nach seiner Festnahme als Mitglied des Widerstandes, genauso wie der Mutation der Heimat zur »Feindheimat«. Gleichzeitig nachdenklich und schonungslos legt er in seinen Darstellungen die Bürden dar, die den Überlebenden auferlegt sind, ohne diese zu verklären. Er weist darauf hin, wo die Philosophie Sartres im KZ versagt hat, so wie überhaupt die theoretische Analyse versagte.
Das Buch ist auch ein Nachdenken über jüdisches Leben nach Deutschland. Hierbei wird deutlich, dass trotz seines differenzierten Bildes der Deutschen grade diese es sind, denen seine Verbitterung gilt. Denn sie waren es, die ihm das Weltvertrauen raubten — nicht nur durch die direkte Beteiligung am Grauen, sondern oft auch durch die stillschweigende Duldung, der Améry sich ebenso intensiv widmet. Seine Schilderungen belegen weit mehr als das Gefühl, es müssen viele weggeschaut haben. Sie zeigen eindringlich, wie normal der Judenhass für die Deutschen war.
Genau hieraus zieht Améry die Notwendigkeit für sich, als Jude zu existieren. Die Antisemit_innen machten ihn erst zu einem, und ohne diesen Kampf anzunehmen, wird er ihn nicht für sich entscheiden können. Dieser Kampf macht für ihn die jüdische Existenz aus, und so ist seine Konsequenz aus dem Erlittenen einerseits die »revoltierende Solidarität« mit den vom Antisemitismus geplagten, andererseits die nackte Hoffnung, Auschwitz möge ihn tatsächlich »klüger« gemacht haben. Denn weder »weiser« noch »tiefer« wurde er durch die gleichsam körperliche wie seelische Strapaze.

»Die Nachbarin grüßt freundlich, Bonjour Monsieur; ich ziehe den Hut, Bonjour Madame. Aber Madame und Monsieur sind durch interstellare Distanzen voneinander getrennt, denn eine Madame hat gestern weggeschaut, als man einen Monsieur abführte, und ein Monsieur betrachtete Madame durch die Gitterfenster des abfahrenden Wagens wie einen steinernen Engel aus einem hellen und zarten Himmel, der den Juden für immer verschlossen ist.«

»Denker ohne Weltvertrauen«

Eigentlich hatte man ihn zur Frankfurter Buchmesse erwartet, den Schriftsteller und Essayisten Jean Améry. Doch dann kam die Nachricht aus Salzburg: Améry, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Publizisten nach 1945, habe sich dort in einem Hotel während einer Lesereise das Leben genommen, am 17.Oktober 1978 – vor nunmehr dreißig Jahren. In einem Brief hatte er sich noch bei der Hotelleitung entschuldigt – wegen eventueller Ärgerlichkeiten – und den Polizeibehörden erklärt, dass er freiwillig, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, in den Tod gehe. In einem seiner drei Abschiedsbriefe bekannte er: „Ich bin auf dem Weg ins Freie. Es ist nicht leicht, aber dennoch eine Erlösung.“ Auf seinem mit Efeu überwachsenen Grabstein auf dem Wiener Zentralfriedhof findet man neben dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten auch Amérys Auschwitznummer 172 364 vermerkt. Das am linken Unterarm eingeritzte Brandmal, schrieb er einst, lese sich kürzer als der Pentateuch oder der Talmud und gebe zudem gründlicher als diese Auskunft über eine jüdische Existenz.
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Guttis Shoah oder Die Stunde des Bauernpöbels

Nachdem Karl Theodor zu Guttenberg, dessen Familie nach dem Dorf benannt ist, in dem sie seit Jahrhunderten haust, mit der Lachnummer, einen Doktorgrad durch Copy & Paste erlangt zu haben, das nicht zuzugeben und der Verteidigungsminister eines sich selbst als hochkultiviert behauptenden Staates bleiben zu wollen, nicht durchkam, ist nicht nur sein eigenes Geheule groß. Seine Anhänger_innen veranstalten allerlei Unverwertbares in Erinnerung an ihren gescheiterten Star. Damit dieses Spektakel des deutschnationalen Bürgertums vollends in die Groteske entfleucht, tun sie das auch in: Guttenberg.
Was sich liest wie der Plot einer Erzählung aus vorindustrialisierten Zeiten, ist tatsächlich aber das um-sich-schlagen der verbitterten Deutschen, denen man eine Realität gar nicht erst aufzuschreiben braucht, die sie als Hetzjagd auf ihr geliebtes Idol zurückweisen, das die Verlogenheit und den Narzissmus in ihren eroberten und gebrochen Herzen wie kein_e andere_r verkörpert.
Sind diese deutschen Herzen erst von der Realität abgeschnitten, lebt es sich sehr leicht in ihnen. Dumm nur, dass die Medienhetze nicht verhallt, sondern fortdauernd tönt und auch noch von »Spaßvögeln«, die Guttenberg nun mal gar nicht sympathisch fanden, untermalt wird. Das gefällt dem Deutschen Herzen gar nicht, und während es sich wie ein mittelalterlicher Bauernpöbel flennend beim »Baron« einfindet, fühlt der sich von der Gunst der Stunde so mitgerissen, dass er den Führer dieser gebrochenen Herzen zu geben versucht. Da er Dirigent ist, und damit irgendwie auch ein Star, ganz wie sein kleiner Sohn, fällt ihm das gar nicht so schwer, wie man es sich wünschen würde.
Notizen hat er sich gemacht, bevor er zum Pöbel vor das Schloss tritt. Und dann zieht er so richtig vom Leder, der er die Ehre seiner Familie bedroht sieht. Ganz und gar ungerecht sei das, spricht er in seinem Dorf, vor seinem Schloss, zu seiner Bauernmeute. Die Kritik am unwiderlegbaren Betrug seines Sohnes, hält der »Baron« für ein »Schlachtfest«.
Auch mit den letzten Geschützen der deutschkonservativen Realitätsverweigerung verschont er die Welt nicht. Denn dieses »Schlachtfest«, das bekanntlich hauptsächlich journalistisch, mit teilweiser Untermalung auf humorvollen Kundgebungen, ausgetragen wurde, hält Enoch zu Guttenberg für eine »Menschenjagd«, die er als Wiederholung der Ereignisse in Deutschland vor 1945 einstuft.
Die vernünftigen Köpfe der Konservativen mutieren in einer Schnelle zu beleidigten, dummen Herzen, dass es einer_einem den Atem raubt. All die unbeschreiblichen Taten der Deutschen werden aufgewogen mit der intellektuellen Auseinandersetzung um die Betrügereien eines gefallenen, adligen, deutschen Verteidigungsministers.
Es wäre die Groteske, der sich die Deutschen hier hingeben, damit auf die Spitze getrieben, wären es nicht zweitausend von ihnen gewesen, die in Guttenberg dem Baron zu Guttenberg ihre unerschütterlichen, jede Aufklärung verweigernden dummdeutschen Herzen zu Füßen gelegt haben.

Deutschlands Helden

Diese neue Lockerheit im Umgang mit der deutschen Identität, die man der hiesigen Nation seit ein paar Jahren einredet, scheint nicht auf liebgewonnene Kontinuitäten verzichten zu können. Das Schema ist ziemlich einfach: überlegen, wer irgendwie allgemein als böse gilt, aber trotzdem in riesigen Zahlen frequentiert wird, dieses Spannungsfeld dann mit einem Tusch auflösen und behaupten, die wären schuld und würden uns vergiften — mit ihrer Art, mit ihrer »Agenda«, mit ihrer bloßen Existenz. Das Prinzip ist altbekannt in Deutschland, wird beim Spiegel gerne ausprobiert, und wenn sich da noch einer dran stört, dann haben wir auch Kreuzberger Mütter mit sympathischen Popstarstatus zu bieten, die auch nicht groß was anderes sagen. Der Feind sitzt im Inneren, mit seiner Agenda kreiert er unsere Realität und wir sollten ihn zwecks Reinheit schnellstmöglich entfernen.

Die Bildzeitung ist […] ein bösarti­ges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

Das Weltbild dieser dem Dalai Lama treu ergebenen Buddhistin passt wie die Faust aufs Auge zum »neuen«, »ungefährlichen« Partynationalismus, den die Deutschen für sich entdeckt haben, genauso wie er zur Bildzeitung selber passt. Es attackieren sich dort Deutschlands zeitgenössische Helden, in einem Spiel »Not gegen Elend«.

Die antiantideutsche Linke

Was genau ist in Dresden passiert?
In der Nähe einer Blockade wurde ein uns unbekannter Mann, der eine Royal-Air-Force-Fahne dabei hatte, angepöbelt. Einer von uns hat die Pöbler gebeten aufzuhören, was aber nicht geschah. Es bildete sich eine Gruppe, die immer aggressiver mit uns diskutierte, und die wohl meinte, dass allein die UdSSR Deutschland befreit habe. Währenddessen rief dann jemand »Hey, hier sind Antideutsche«, was wohl die Legitimation zum Losschlagen war.

Wieso eskalierte die Situation?
Als einer von uns eine Israelfahne hochhielt, sahen diese sogenannten Antifas rot. Vorher war die Stimmung schon aggressiv, aber als die Flagge da war, traten sie denjenigen, der sie hielt, bis er bewusstlos wurde, später musste er sogar ins Krankenhaus. Auch ich wurde von mehreren Leuten angegriffen und auf dem Boden liegend getreten.

An der Stelle, an der deutsche Linke als »antideutsch« markierte Personen nicht nur beschimpfen, nicht nur körperlich angehen, sondern sie einfach mal so bewusstlos treten, sollte sich jede_r fragen, was ihm_ihr der Hass auf »die Antideutschen« bedeutet und inwieweit er_sie sich an einer sogenannten »Kritik« beteiligt, die in Gewaltexzessen endet, die in keinster Weise erklärbar oder entschuldbar sind.
Der Burgfrieden in der Dresdner Querfront kann bis auf weiteres als aufgekündigt gelten: die Blockaden sind kein sicheres Pflaster für Personen, die der Verklärung der alliierten Luftangriffe entgegentreten. Das heißt zwar nicht, dass man die Nazis gewähren lassen muss, aber es beleuchtet das geringe Interesse der deutschen Linken gegenüber reaktionären Kräften in ihrem Innern.

»und bei jeder Bombardierung Flugblätter abwerfen«

Er war eine der führenden Figuren im polnischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der erste, der die Alliierten über den Holocaust unterrichtete: Jan Karski. Die Memoiren dieses Mannes, der »den Großen dieser Welt enthüllt hat, was die Welt nicht wissen wollte« (Jorge Semprún), liegen nun, 66 Jahre nach Erscheinen der englischen Erstausgabe, erstmals auf Deutsch vor. Hier erzählt Jan Karski von einer Unterredung, die er im Herbst 1942 mit zwei Männern hatte, die die Arbeit des jüdischen Untergrunds in Polen leiteten, und von einem kurzen Aufenthalt im Warschauer Getto, in das er sich heimlich schleusen ließ.

Der Zionistenführer sprach als Erster:
»Die Deutschen lassen sich nur von Macht und Gewalt beeindrucken. Man sollte die deutschen Städte gnadenlos bombardieren und bei jeder Bombardierung Flugblätter abwerfen, die die Deutschen über das Schicksal der polnischen Juden informieren und der gesamten deutschen Nation ein ähnliches Schicksal während des Krieges und danach androhen. Die deutsche Bevölkerung niederzumetzeln, halten wir nicht für sinnvoll und streben es auch nicht an, doch eine solche Drohung ist die einzige Möglichkeit, den Gräueltaten der Deutschen Einhalt zu gebieten. Eine solche von Gewalt begleitete Warnung könnte die deutsche Bevölkerung so erschrecken, dass sie genügend Druck auf ihre politische Führung ausübt, damit diese ihr Vorgehen ändert. Anders lässt sich nichts erreichen.«

»Vom Dritten Reich zur Dritten Welt«

Wer der Meinung ist, dass die Weltbilder linker Antiimperialisten, faschistischer Nationalisten und arabischer Antizionisten auf drei völlig verschiedenen Planeten angesiedelt seien und, wenn überhaupt, dann ausschließlich antagonistisch miteinander in Kontakt geraten könnten, der sollte unbedingt dieses Buch lesen.

Ivo Bozic über »Der Schattenmann — Von Goebbels zu Carlos: Das mysteriöse Leben des François Genoud«

Nie wieder

Am 27. Januar 1945 erreichten sowjetische Truppen das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden dort innerhalb weniger Jahre über eine Million Menschen ermordet.

Was vom Judenhass heute noch übrig ist, beschreibt Jörg Lau in seiner Rundreise durch den europäischen Antisemitismus.