Archiv der Kategorie 'Gesamtscheiße'

M31

M31 Movie – european day of action against capitalism from M31 Moviecrew on Vimeo.

Der Sumpf

Im Blog vom Grossen Thier kann man sich umfassend darüber informieren, wie dummdreist und anti-emanzipatorisch deutsche Zustände noch von den Fürsprechern der Flüchtlinge multipliziert werden.

Die Flüchtlinge, so wollen es ihre wohlmeinenden guten Freunde, sollen sich nur dann zu Wort melden, wenn sie sich qua Flüchtling zu Wort melden, wenn ihr „anliegen“ dem entspricht, was ihre „ehrenamtlichen Betreuer“ für richtig halten, wenn sie untereinander völlig einig sind, das heisst ganz und gar reduziert sind auf ihren Status als Asylbewerber, blosses Objekt der „Betreuung“, untereinander nie uneins, da ohnehin keine Verschiedenheit zwischen ihnen stattfinden soll. Dass so gedacht wird, darf niemanden wundern, es ist die blosse Verlängerung der Logik des deutschen Asylrechts, oder was man wohl Asylrecht nennt. Aber diesmal sind sie hoffentlich einmal an die falschen geraten.

Appeasement

»Die USA haben die rote Linie überschritten«, titelt Carsten Luther auf Zeit Online und man fragt sich, wo dieser Mensch überall rote Linien vermutet. Offensichtlich nicht im Iran, das sagt er ja ausdrücklich, denn das bisschen Mit-Vernichtung-Drohen, Bombenbauen, Demonstranten-Foltern, das geht schon irgendwie alles klar, denkt er sich wohl.
Für genauso unbedenklich hält er wahrscheinlich die militärische Blockade ziviler Schifffahrtsrouten. Da würde wahrscheinlich ganz doll gelacht und gesungen, wenn mal ein Schiff vorbei will ohne Bordgeschütze. Irrerweise ist das aber gar nicht so, im Gegenteil: wenn den Propagandisten und Akteuren der Barbarei schon in den eigenen Landesgrenzen freie Hand gewährt wird, dann hört erst Recht bei der aktiven Bedrohung außerhalb dieser Grenzen die Geduld auf, denn das Regime in Teheran selbst ist eine rote Linie.
Die Antwort auf eine militärische Drohung kann niemals Appeasement sein, zumal angesichts der vollkommenen Rücksichtslosigkeit ebendiesen Regimes gegen die eigene Bevölkerung. Vielmehr gilt es, den Rest der Welt vor dieser Bedrohung zu schützen. Das ist dann kein »Muskelspiel«, sondern schlicht eine rationale Reaktion auf eine irrationale Gefahr. Stattdessen schlägt Carsten Luther uns vor (nein, nicht Sanktionen), mehr Gesprächsangebote an die Verbrecher zu senden, welche den Iran terrorisieren. Das ist einerseits zwar ziemlich zynisch, hat aber den Vorteil, dass die deutsche Wirtschaft weiterhin Überwachungstechnik und Autos in den Iran exportieren darf.
Davon hat dann jeder was. Außer den Menschen, die in die Fänge der Mullahs geraten.

Zecken und Blutsauger

Gemäß dem Schreiben müsse davon ausgegangen werden, dass „noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. In dem Schreiben war demnach die Rede von drei geplanten Explosionen „gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“. Das LKA geht daher davon aus, dass noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten.
zeit.de

Zizek über Occupy Frankfurt

»Je weniger man von diesem Ort sieht, desto besser versteht man ihn. Der Sinn der Occupy-Bewegung liegt nicht darin, dass wir daran teilnehmen, sondern dass möglichst viele Leute von ihr erfahren.« Paradoxie à la Slavoj Žižek: Eine Illusion, die durchschaut ist, hat sich noch lange nicht erledigt – wir müssen uns trotzdem dazu verhalten. Die Leute müssen protestieren, damit ein Bewusstsein entsteht, aber eigentlich sind es, natürlich, die falschen Leute.
-zeit.de

Hass… Hass… Hass und Gewalt.

»Occupy the Movement!«

In der aktuellen Jungle World vergisst Bernhard Schmid in einem sonst guten Artikel, »dass die SA-Aufmärsche dann doch schneller organisiert waren als die soziale Revolution.« (ebd.)

»Angst und Abscheu in der BRD«

Ein ideologiekritischer Rundumschlag in Form eines durchaus unterhaltsamen Hörspiels.
schreibenfuerdiewelt

Inside Job


xkcd

Occupy Production!

Die Occupy-Bewegung ist heute halbwegs überraschend in Deutschland angekommen. Das ist einerseits begrüßenswert, weil Menschen ihren Platz im Politischen tatsächlich beanspruchen, aber andererseits ist Misstrauen durchaus angebracht, spätestens natürlich, wenn sich eintausend plus x Deutsche versammeln und einer Meinung sind.
Fangen wir mit der guten Nachricht an: der Text von Occupy Germany auf Facebook eignet sich definitiv nicht zur Yuppiejagd zurückgebliebener Jungrevolutionär_innen. Dennoch gibt es ein grundsätzliches Problem an diesen Protesten, sie richten sich nämlich nicht gegen den Kapitalismus an sich, also die Märkte, sondern nur »gegen die Banken, gegen die finanziellen Machthaber im System«, und sind damit so antikapitalistisch wie mein Gameboy.
Das hat meiner Meinung nach zweierlei Gründe: einerseits das nicht-vorhandene Verständnis der mehrheitlichen Bevölkerung für volkswirtschaftliche Zusammenhänge, zweitens das dadurch fehlende Verständnis für die Kritik der herrschenden Verhältnisse. Gegen den ersten Punkt hilft, salopp gemacht, massive Propaganda für marxistisch-dialektische Autodidaktik. Das Problem dabei ist aber, das vermutlich grade das Unverständnis der Zusammenhänge der Grund für den Protest selber ist. Die Empörung und Wut richtet sich nämlich ausschließlich gegen das Abstrakte im heutigen Wirtschaften, welches Unverständnis hervorruft und als losgelöst vom erlebbaren Alltag wahrgenommen wird.

Diese Form des ’Antikapitalismus‘ beruht also auf dem einseitigen Angriff auf das Abstrakte. Abstraktes und Konkretes werden nicht in ihrer Einheit als begründende Teile einer Antinomie verstanden, für die gilt, daß die wirkliche Überwindung des Abstrakten – der Wertseite – die geschichtlich-praktische Aufhebung des Gegensatzes selbst sowie jeder seiner Seiten einschließt. Statt dessen findet sich lediglich der einseitige Angriff gegen die abstrakte Vernunft, das abstrakte Recht und, auf anderer Ebene, gegen das Geld- und Finanzkapital. So gesehen entspricht dieses Denken seiner komplementären liberalen Position in antinomischer Weise: Im Liberalismus bleibt die Herrschaft des Abstrakten unbefragt; eine Unterscheidung zwischen positiver und kritischer Vernunft wird nicht getroffen.
Moishe Postone: Antisemitismus und Nationalsozialismus

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, wie sich die Occupy-Bewegung entwickeln kann.
1. Der Protest ist Ausgangspunkt einer massenhaften Kritik der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Erfordert massive Propaganda und wissbegierliche »Empörte«, was beides schwer zu stemmen wäre.
2. Der Protest setzt sich fort und entwickelt sich nicht über die Bankenjagd hinaus. Im besten Falle passiert nichts, auch weil die Sozialdemokratie die Bewegung schluckt. Vor allem aber, weil gar nichts passieren kann, wenn die kapitalistische Produktion nicht über den Haufen geworfen wird. Im schlechtesten Fall werden auf dem Weg noch die Falschen gelyncht, aber eher nicht.
3. Die Proteste ebben ab und ein paar warme Worte reichen wieder aus.

Soll den internationalen Finanzmärkten wirklich der Geldhahn zugedreht werden, hilft nur eins: den Laden selber zu schmeißen. Das ist durchaus wörtlich gemeint. Denn eine gemeinschaftliche Produktion macht de facto das Geld überflüssig, welches so wehleidig »verzockt« wird. Anstatt auf den Bundestag, die Bankenviertel oder die Kaffeepause zu marschieren, müsste man dann aber die Produktionsstätten besetzen.
Falls also jemand gleich bis hier runtergescrollt hat, alles nochmal in Bold:
Die Krise ist der Arbeitsplatz! Erobert ihn zurück! Occupy Production! Und ab.

Zur Dokumentation des bürgerlich-konservativen Wahnsinns


via

geschweige denn formulieren

Es steht zu befürchten, dass die Piraten nicht trotz, sondern wegen ihres ganz und gar unpolitischen oder, wie manchmal gesagt wird, »postideologischen« Denkens so erfolgreich sind, und dass sich deshalb die bereits jetzt minorisierten kritischeren und reflektierteren Piraten in Zukunft noch weiter an den Rand gedrängt sehen werden. Die technokratische Ideologie der Piratenpartei ist zeitgemäß, sie entspricht der Mentalität der nach dem Ende der Blockkonfrontation sozialisierten Generation, die liberal ist, ohne einen Begriff von Freiheit zu haben, und individualistisch ohne einen Begriff des Subjekts. Eine und sei es noch so unzulängliche Kritik, wie sie noch die Achtundsechziger formuliert haben, die durch das etablierte System erst vereinnahmt oder integriert werden müsste, kann diese Generation offenbar nicht verstehen, geschweige denn formulieren.
—Oliver Schott in der aktuellen Jungle World

Imagine There’s No Deutschland


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die Weltmacht

Während Souveränität nicht von einem einzigen Staat verkörpet werden kann, sei er selbst hegemonial wie die USA nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern immer von den Staaten in ihrem Verhältnis zueinander, weil sie nur so die Verwertung des Kapitals zu garantieren imstande ist, beansprucht der Gegensouverän absurderweise genau diese Singularität, in deren Namen er die Einheit einzelner Gewaltmonopole auflöst: im Nahen und Mittleren Osten durch den Glauben an die weltweite umma der Gläubigen, die im jihad den Staaten der Ungläubigen den Garaus macht; in Kerneuropa durch die kaum minder religiöse Vorstellung einer in Völkerrecht und Völkergemeinschaft fußenden Macht, die unmittelbar davor stehe, sich als ewiger Frieden zu installieren. Der eigene Wahn wird eben dadurch kaschiert, dass man den USA und dem Judentum unterschiebt, unrechtmäßig schon zu besitzen, was man selbst rechtmäßig beansprucht: die Weltmacht.
—Gerhard Scheit: Der Wahn vom Weltsouverän, S. 83

»Ihr dürft nicht wissen«

Der Artikel von Ute Kalender zur Präimplantationsdiagnostik (PID) aus der aktuellen Jungle World ist inzwischen online nachzulesen, und muss hier umfassend kritisiert werden.
Zunächst stellt sie richtig fest, dass marxistische und queere Kritik die Möglichkeiten der PID erkannt haben und dementsprechend optimistisch mit ihr umgehen. Diesen Optimismus zeichnet sie distanziert nach, und so wartet man leicht ungeduldig auf den Haken bei den Technologien zur assistierten Befruchtung.
Dieser wird mit einer großen Merkwürdigkeit eingeläutet. Mit dem Greifbarwerden des menschlichen Körpers als Rohstoffquelle manifestiere sich der »Biowert«, den die Autorin lediglich in der Form von Eizellen, Stammzellen und Embryonen beschreibt. Der Wert erschließe sich folgendermaßen:

Embryonen, die im Rahmen einer IVF1 hergestellt werden, setzen immer Hormonbehandlungen, einen operativen Eingriff in den Körper der Frauen und mehrere Klinikbesuche voraus. Die Prozedur der Eizellernte zieht sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen hin. Für die Produktion der Stoffe ist also einerseits die herkömmliche Arbeit notwendig. Die Frau muss sich Geld beschaffen. Sie muss gesund essen, um möglichst optimale Bedingungen für das Eizellwachstum zu schaffen, auf Zigaretten und Alkohol verzichten, in die Klinik fahren, eine gute Beziehung zur Reproduktionsmedizinerin aufbauen, sich bei Laune halten und vieles mehr. Die Herstellung der Stoffe bedeutet aber auch eine neue Form der Ausbeutung, die als eine Inbesitznahme des Körperinnenraums bezeichnet werden kann. Aus dieser Verwertung des Körpers, die in den Körper interveniert, seine Substanzen extrahiert und sie produktiv macht, resultiert der »Biowert«.

Ob jetzt der Kapitalismus oder die Autorin den menschlichen Körper zu einer leblosen Maschine macht, sei dahingestellt. Anscheinend hat sie sich jedoch noch nie in ärztliche Behandlung begeben müssen. Denn die »Inbesitznahme«, aus der sie den »Biowert« ableitet, lässt sich für jede, man kann es gar nicht oft genug unterstreichen, ohne Ausnahme für alle! medizinischen Leistungen in der Marktwirtschaft beschreiben. Die Patient_innen sind schon vor Unzeiten zum Rohstoff von Arztpraxen und Kliniken mutiert, was schlicht und ergreifend mit dem Zwang zum Profit einhergeht, dem diese Einrichtungen unterworfen sind.
Behandlungskosten unterscheiden sich nicht von anderen Betriebskosten, Fallpauschalen von den Krankenkassen unterscheiden sich nicht von anderen Umsätzen.
Mit dieser eklatanten Fehleinschätzung vom Wert des menschlichen Körpers im Kapitalismus beginnt die Argumentation gegen die PID. Am Beispiel der Pränatalen Diagnostik2 wird beschrieben, dass nur die Aussicht auf Profit den technologischen Fortschritt brachte, den die PID exemplarisch darstellt. Der Treppenwitz an dieser Argumentation ist, dass sie sich gegen das marxistische Ja zur Technologie richtet. Hätte sie diese Theorie jedoch genauer befragt, hätte sie festgestellt, dass ebenjener Widerspruch die Quelle der Emanzipation darstellt, auf die der Marxismus bekanntlich abzielt.
Und auch die Hoffnungen queer-feministischer Kritik in die PID werden sprachlich gewandt, inhaltlich aber dilettantisch zerschmettert. Die Loslösung der Fortpflanzung von der gesellschaftlich festgelegten Körperlichkeit soll damit widerlegt werden, dass ebenjene gesellschaftlichen Zwänge »[a]ngesichts der real existierenden Geschlechternormen« sich auch in der Reproduktionsmedizin Bahn schlagen würden. Dass die Normen, die die Gesellschaft dem Sex aufzwingt, aber genau jetzt neu verhandelt werden, auch mit Artikeln in der Wissenschafts-Rubrik der Jungle World, das scheint der Autorin noch nicht klar zu sein.
Abgesehen von all diesen Hoffnungen, die man zurecht in Technologien wie die PID setzen kann, übergeht der Artikel auch den definitiven Grund für die Einführung der PID. Die häufigste Ursache für Fehlgeburten, also spontane Schwangerschaftsabbrüche, ist eine Fehlbildung des Feten in der Gebärmutter3. Genau diese Fehlbildungen werden mittels der PID erkannt, bevor die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter der Patientin stattfindet. Ein »konsequentes Nein« der queer-feministischen und marxistischen Perspektive zur PID bedeutet nichts anderes, als Frauen, die die Technologie der assistierten Befruchtung in Anspruch nehmen, zu Fehlgeburten zu zwingen. Denn nicht jeder Gendefekt führt zu einer Behinderung, die medizinisch mit dem Leben vereinbar ist. Das Resultat dieses Neins ist das enorm erhöhte Risiko, einen Schwangerschaftsabbruch zu erleben. In dieser Debatte bezieht selbst Der Spiegel Stellung gegen das urkonservative Nein4, welches so herablassend ist, dass nicht einmal mehr die Christen es geschlossen vortragen wollen5. So schreibt etwa Eva Menasse:

Damit stellte man den Schutz eines Zellhaufens über die körperliche und seelische Gesundheit von lebenden und fühlenden Menschen.

Genau dieser Zellhaufen, den die Christen als Ausdruck des Lebens schlechthin verteidigen, ist der greifbar gewordene »Biowert«, den Ute Kalender meint, noch im Kapitalismus selber abschaffen zu können. Dagegen spricht nicht nur die technische Unmöglichkeit dieses Unterfangens, das auch mit einem stolzen »Nein« natürlich nicht erledigt wäre. Dagegen spricht auch die Chance für die queer-feministische Perspektive, sich in einer Debatte über die Forpflanzung selber Gehör zu verschaffen. Hierin kristallisiert sich zwangsläufig der gesellschaftliche Fortschritt, für den die PID steht.
Eine Ablehnung der Präimplantationsdiagnostik ist angesichts der Konsequenzen nichts anderes als menschenverachtend. Für diese Erkenntnis braucht man sich gar nicht erst in den linken Diskurs zu begeben.

  1. In-Vitro-Fertilisation, assistierte Befruchtung im Reagenzglas [zurück]
  2. PND, Schwangerenvorsorge [zurück]
  3. siehe Ätiologie des Abort: http://www.med2click.de/missed-abortion-verhaltener-abort-972#entry_aetiologie [zurück]
  4. »Das „Designer-Baby“, vor dem jetzt alle warnen, ist nichts als ein Hirngespinst.« http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-71558828.html [zurück]
  5. »Ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik ist nicht christlich, sondern falsch« http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74822669.html [zurück]

Gute Freunde kann niemand trennen

MdB Niema Movassat zusammen mit der reaktionären Band »Die Bandbreite«, welche immer wieder durch nationalistische, homophobe, sexistische und — wie auch im Bild — durch Verschwörer-Fantasien auffällt.
Scheinbar hat man nicht einmal in der Bundestagsfraktion der »Linken« Probleme mit diesem originär rechten Gedankenkosmos.
Mal sehen, wieviel länger der Link zum Bild auf seiner Homepage verweilt.