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»Anders gesagt: produktive Arbeit ist die strukturelle Quelle ihrer eigenen Beherrschung.«

Nachfolgend ein frei verfügbarer Abschnitt aus Moishe Postones »Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft«, den ich für beachtenswert halte.

Das Proletariat

Ich kann nun zu der Frage nach der historischen Rolle der Arbeiterklasse und dem grundlegenden Widerspruch des Kapitalismus zurückkehren und darlegen, wie sie in der späten Marxschen kritischen Theorie implizit beantwortet wird. Mit meiner Konzentration auf seine Analyse der für den Kapitalismus konstitutiven strukturierenden Formen gesellschaftlicher Vermittlung habe ich zeigen können, daß nicht der Klassenkonflikt an und für sich die historische Dynamik des Kapitalismus erzeugt, und daß er nur deshalb ein treibendes Element dieser Entwicklung ist, weil er durch gesellschaftliche Formen strukturiert ist, die eine Dynamik aus sich heraus besitzen. Wie festgestellt, widerspricht die Marxsche Analyse der Auffassung, der Kampf zwischen der Kapitalistenklasse und dem Proletariat sei einer zwischen der herrschenden Klasse im Kapitalismus und einer, die den Sozialismus verkörpere, und der Sozialismus bedeute deshalb die Selbstverwirklichung des Proletariats. Diese Vorstellung entspringt notwendig dem traditionellen Verständnis des grundlegenden Widerspruchs des Kapitalismus als einem zwischen industrieller Produktion auf der einen, Markt und Privateigentum auf der anderen Seite. Dabei wird jede der beiden großen Klassen des Kapitalismus mit einer Seite dieses angenommenen Widerspruchs identifiziert und der Antagonismus zwischen Arbeitern und Kapitalisten als gesellschaftlicher Ausdruck des strukturellen Widerspruchs zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen interpretiert. Diese gesamte Konzeption beharrt auf einem Begriff von ›Arbeit‹ als transhistorischer Quelle gesellschaftlichen Reichtums und als dem konstituierenden Element gesellschaftlichen Lebens.
Ich habe die dieser Vorstellung zugrundeliegenden Annahmen umfassend kritisiert, indem ich die Marxsche Unterscheidung zwischen abstrakter und konkreter Arbeit, Wert und stofflichem Reichtum nachzeichnete und als zentral für seine kritische Theorie auswies. Auf der Grundlage dieser Unterscheidungen habe ich die Dialektik von Arbeit und Zeit entwickelt, die den Kern der Marxschen Analyse der für den Kapitalismus charakteristischen Muster von Wachstum und Entwicklungsverlauf der Produktion ausmacht. Weit davon entfernt lediglich die Materialisierung der Produktivkräfte darzustellen, die strukturell im Widerspruch zum Kapital stehen, ist die auf dem Proletariat basierende industrielle Produktion ihrem inneren Wesen nach durch das Kapital geformt. Sie ist die materialisierte Form sowohl der Produktivkräfte als auch der Produktionsverhältnisse. Deshalb kann sie nicht als eine Art und Weise des Produzierens aufgefaßt werden, die unverändert dem Sozialismus als Grundlage dienen könnte. Die historische Negation des Kapitalismus in der späten Marxschen Kritik kann nicht verstanden werden, wenn sie den Bedingungen einer Transformation der Distributionsweise gemäß formuliert sind, die der industriellen, im Kapitalismus entwickelten Produktionsweise entsprechen.
Es ist ebenfalls deutlich geworden, daß das Proletariat in der Marxschen Analyse nicht den gesellschaftlichen Repräsentanten einer möglichen nicht-kapitalistischen Zukunft darstellt. Die logische Stoßrichtung der Marxschen Entfaltung des Kapitalbegriffs, also seiner Analyse der industriellen Produktion, steht im vollkommenen Widerspruch zu den traditionellen Annahmen vom Proletariat als revolutionärem Subjekt. Für Marx ist die kapitalistische Produktion durch eine enorme Ausdehnung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und des gesellschaftlichen Wissens charakterisiert, die sich unter den vom Wert bestimmten Bedingungen konstituiert und deshalb in entfremdeter Form als Kapital existiert. Mit der vollständigen Entwicklung der industriellen Produktion werden diese Produktivkräfte des gesellschaftlichen Ganzen größer als die kombinierten Fähigkeiten, größer als die Arbeit und die Erfahrung des Gesamtarbeiters. Sie sind gesellschaftlich-allgemein und repräsentieren die akkumulierten Erfahrungen und Potenzen der Menschheit, die sich als solche selbst in entfremdeter Form konstituieren. Als die objektivierten Potenzen des Proletariats können sie jedenfalls nicht adäquat verstanden werden. »Tote Arbeit«, um Marxens Begriff zu gebrauchen, ist nicht mehr nur die Vergegenständlichung »lebendiger Arbeit« – sie wurde zur Vergegenständlichung historischer Zeit.
Marx zufolge wird die Erzeugung von stofflichem Reichtum mit der Entwicklung der kapitalistischen industriellen Produktion immer weniger von der Verausgabung unmittelbarer menschlicher Arbeit in der Produktion abhängig. Dennoch spielt solche Arbeit auch weiterhin insofern eine notwendige Rolle, als die Produktion von (Mehr) Wert notwenig von ihr abhängt. Die strukturell begründete Rekonstitution des Werts, die wir oben untersucht haben, ist gleichzeitig die Rekonstitution der Notwendigkeit proletarischer Arbeit. Dies resultiert darin, daß proletarische Arbeit mit der fortdauernden Entwicklung der kapitalistischen industriellen Produktion vom Standpunkt der Produktion von stofflichem Reichtum zunehmend überflüssig und deshalb letztlich anachronistisch wird – als Quelle des Werts bleibt sie allerdings notwendig. Je mehr sich das Kapital entwickelt und diese Dualität zum Tragen kommt, desto mehr entleert und fragmentiert es genau die Arbeit, die es für seine Konstitution benötigt.
Die von Marx analysierte ›Ironie‹ dieser Situation besteht darin, daß sie durch proletarische Arbeit selbst konstituiert wird. Es ist in dieser Hinsicht von Bedeutung, daß Marx bei der Erörterung der polit-ökonomischen Kategorie der ›produktiven Arbeit‹ diese nicht als eine gesellschaftliche Tätigkeit behandelt, die Gesellschaft und Reichtum im allgemeinen konstituiert – anders gesagt, er behandelt sie nicht als ›Arbeit‹. Vielmehr definiert er produktive Arbeit im Kapitalismus als Arbeit, die Mehrwert produziert, was gleichbedeutend damit ist, daß sie zur Selbstverwertung des Kapitals beiträgt. (MEW 23, 532) Dadurch verwandelt er eine ehemals transhistorische und affirmative Kategorie der politischen Ökonomie in eine, die historisch spezifisch und kritisch ist, darin erfassend, was für den Kapitalismus zentral ist. Gegen eine Glorifizierung produktiver Arbeit argumentiert Marx:

Der Begriff des produktiven Arbeiters schließt daher keineswegs bloß ein Verhältnis zwischen Tätigkeit und Nutzeffekt … ein, sondern auch ein spezifisch gesellschaftliches … Produktionsverhältnis, welches den Arbeiter zum unmittelbaren Verwertungsmittel des Kapitals stempelt. Produktiver Arbeiter zu sein ist daher kein Glück, sondern ein Pech. (MEW 23, 532)11

Anders gesagt: produktive Arbeit ist die strukturelle Quelle ihrer eigenen Beherrschung.
In der Marxschen Analyse kommt dem Proletariat also weiterhin eine strukturell wichtige Funktion für den Kapitalismus zu: Quelle des Werts zu sein, nicht jedoch Quelle des stofflichen Reichtums. Dies ist dem traditionellen Verständnis vom Proletariat diametral entgegengesetzt. Weit davon entfernt, die vergesellschafteten Produktivkräfte darzustellen, die in Widerspruch mit den kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnissen geraten und dadurch auf die Möglichkeit einer postkapitalistischen Zukunft verweisen, ist die Arbeiterklasse für Marx das wesentliche, konstituierende Element dieser Verhältnisse selbst. Sowohl Arbeiterklasse als auch Kapitalistenklasse bleiben an das Kapital gebunden, die erstere jedoch um einiges mehr: das Kapital könnte ohne Kapitalisten existieren, jedoch nicht ohne wertproduzierende Arbeit. Der Logik der Marxschen Analyse zufolge ist die Arbeiterklasse, statt eine mögliche zukünftige Gesellschaft zu verkörpern, die notwendige Grundlage derjenigen, unter der sie leidet: der gegenwärtigen. Sie ist an die bestehende Ordnung auf eine Art und Weise gebunden, die sie zum Objekt der Geschichte macht.
Kurz gesagt weist die Marxsche Analyse des Entwicklungsverlaufs des Kapitals in keiner Weise auf die mögliche Selbstverwirklichung des Proletariats – als dem wahren Subjekt der Geschichte – im Sozialismus hin.12 Ganz im Gegenteil verweist sie, als Bedingung für Emanzipation, auf die mögliche Abschaffung des Proletariats und der von ihm verrichteten Arbeit. Diese Interpretation reflektiert notwendigerweise das Verhältnis der Kämpfe der Arbeiterklasse in der kapitalistischen Gesellschaft zur möglichen Aufhebung des Kapitalismus in neuer Weise – ein Thema, das wir in dieser Arbeit nur streifen können. Sie läuft darauf hinaus, daß die durch die Marxsche Kritik implizierte mögliche historische Negation des Kapitalismus nicht so verstanden werden kann, als würde sich das Proletariat das, was es konstituiert hat, wieder aneignen, also bloß in der Abschaffung des Privateigentums bestünde. Vielmehr impliziert die logische Stoßrichtung der Marxschen Darstellung eindeutig, daß man sich diese historische Negation als Wiederaneignung der gesellschaftlich-allgemeinen Fähigkeiten, die letztlich nicht in der Arbeiterklasse ihren Ursprung haben und historisch in entfremdeter Form als Kapital konstituiert wurden, durch alle Menschen vorstellen sollte.13 Eine solche Wiederaneignung setzt die Abschaffung der strukturellen Grundlage dieses Entfremdungsprozesses – Wert, und somit proletarische Arbeit – voraus. Das historische Auftreten dieser Möglichkeit hängt wiederum von dem Widerspruch ab, der der kapitalistischen Gesellschaft zugrundeliegt.

Quelle und pdf

Hier wohl nicht.

Die Revolutionen in Nordafrika beschäftigen in Deutschland grade einmal die Reisebüros, Flüchtlinge nimmt die CSU nur als Ballast wahr. Und was in Tunesien und anderswo einen Umsturz auslöst, das ringt den Deutschen grade einmal die Mindestportion Mitleid ab: »persönliche Probleme«, nicht politische, wie etwa Abschiebung, sind hier der Grund für Selbstverbrennungen. Manchmal weiß ich auch nicht.

»Die Individuen sollen nie und nimmer für Staat, Gemeinschaft, Kollektiv, Kultur oder Tradition da sein.«

Die Redaktion meldet sich wieder aus dem Sumpf der Audioarchive, diesmal mit einem Referat von Martin Dornis aus dem Jahr 2009. Unter dem Thema »Im Zeichen der Krise. Massenwahn und gewaltförmige Vergleichung in der Warengesellschaft« unterzieht er die Zustände einer materialistischen Kritik mit Hilfe des Marxismus. Hierbei wird aufgezeigt, dass jegliche Krise bereits im kapitalistischen Produktionsprozess angelegt ist, und eine Kritik, die eine gesunde Marktwirtschaft vorstellt, auf antisemitische Feindbilder zurückgreifen muss.

via

Die freiheitlich-demokratische Grundordnung

Dieses Bild ist bei weitem der beste Kommentar zum Verhalten der Bundesregierung gegenüber Diktatoren, welche die Bevölkerung vom Militär niedermähen lassen.

Gehirnschmelze

Noch während gar nicht klar ist, wie sich die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima entwickelt, reiben sich die Deutschen schon wieder die Hände. Die Hunderttausenden Obdachlosen, die unzähligen Toten und Vermissten, die sind ihnen herzlich egal. Wichtiger ist ihnen, dass es endlich zur Kernschmelze kommt und Menschen an einem Ort, der nicht weiter entfernt sein könnte, das abschreckende Beispiel für ihre politischen Forderungen durchleben müssen.
Es ist in Zusammenhang mit dem Katastrophenporno, der durch die Wohnzimmer flimmert, nicht nur hanebüchen, diesen für die Mobilmachung der Demonstrant_innen zu benutzen, sondern auch schlichtweg widerlich, denn wieviel mehr Hohn könnte man den Menschen im Katastrophengebiet jetzt entgegenschleudern, als noch im Moment ihres Unglücks nur das eigene Schicksal vor sich herzutragen, das heute nicht minder gut oder schlecht aussieht als noch vor einer Woche.

»Denker ohne Weltvertrauen«

Eigentlich hatte man ihn zur Frankfurter Buchmesse erwartet, den Schriftsteller und Essayisten Jean Améry. Doch dann kam die Nachricht aus Salzburg: Améry, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Publizisten nach 1945, habe sich dort in einem Hotel während einer Lesereise das Leben genommen, am 17.Oktober 1978 – vor nunmehr dreißig Jahren. In einem Brief hatte er sich noch bei der Hotelleitung entschuldigt – wegen eventueller Ärgerlichkeiten – und den Polizeibehörden erklärt, dass er freiwillig, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, in den Tod gehe. In einem seiner drei Abschiedsbriefe bekannte er: „Ich bin auf dem Weg ins Freie. Es ist nicht leicht, aber dennoch eine Erlösung.“ Auf seinem mit Efeu überwachsenen Grabstein auf dem Wiener Zentralfriedhof findet man neben dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten auch Amérys Auschwitznummer 172 364 vermerkt. Das am linken Unterarm eingeritzte Brandmal, schrieb er einst, lese sich kürzer als der Pentateuch oder der Talmud und gebe zudem gründlicher als diese Auskunft über eine jüdische Existenz.
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Guttis Shoah oder Die Stunde des Bauernpöbels

Nachdem Karl Theodor zu Guttenberg, dessen Familie nach dem Dorf benannt ist, in dem sie seit Jahrhunderten haust, mit der Lachnummer, einen Doktorgrad durch Copy & Paste erlangt zu haben, das nicht zuzugeben und der Verteidigungsminister eines sich selbst als hochkultiviert behauptenden Staates bleiben zu wollen, nicht durchkam, ist nicht nur sein eigenes Geheule groß. Seine Anhänger_innen veranstalten allerlei Unverwertbares in Erinnerung an ihren gescheiterten Star. Damit dieses Spektakel des deutschnationalen Bürgertums vollends in die Groteske entfleucht, tun sie das auch in: Guttenberg.
Was sich liest wie der Plot einer Erzählung aus vorindustrialisierten Zeiten, ist tatsächlich aber das um-sich-schlagen der verbitterten Deutschen, denen man eine Realität gar nicht erst aufzuschreiben braucht, die sie als Hetzjagd auf ihr geliebtes Idol zurückweisen, das die Verlogenheit und den Narzissmus in ihren eroberten und gebrochen Herzen wie kein_e andere_r verkörpert.
Sind diese deutschen Herzen erst von der Realität abgeschnitten, lebt es sich sehr leicht in ihnen. Dumm nur, dass die Medienhetze nicht verhallt, sondern fortdauernd tönt und auch noch von »Spaßvögeln«, die Guttenberg nun mal gar nicht sympathisch fanden, untermalt wird. Das gefällt dem Deutschen Herzen gar nicht, und während es sich wie ein mittelalterlicher Bauernpöbel flennend beim »Baron« einfindet, fühlt der sich von der Gunst der Stunde so mitgerissen, dass er den Führer dieser gebrochenen Herzen zu geben versucht. Da er Dirigent ist, und damit irgendwie auch ein Star, ganz wie sein kleiner Sohn, fällt ihm das gar nicht so schwer, wie man es sich wünschen würde.
Notizen hat er sich gemacht, bevor er zum Pöbel vor das Schloss tritt. Und dann zieht er so richtig vom Leder, der er die Ehre seiner Familie bedroht sieht. Ganz und gar ungerecht sei das, spricht er in seinem Dorf, vor seinem Schloss, zu seiner Bauernmeute. Die Kritik am unwiderlegbaren Betrug seines Sohnes, hält der »Baron« für ein »Schlachtfest«.
Auch mit den letzten Geschützen der deutschkonservativen Realitätsverweigerung verschont er die Welt nicht. Denn dieses »Schlachtfest«, das bekanntlich hauptsächlich journalistisch, mit teilweiser Untermalung auf humorvollen Kundgebungen, ausgetragen wurde, hält Enoch zu Guttenberg für eine »Menschenjagd«, die er als Wiederholung der Ereignisse in Deutschland vor 1945 einstuft.
Die vernünftigen Köpfe der Konservativen mutieren in einer Schnelle zu beleidigten, dummen Herzen, dass es einer_einem den Atem raubt. All die unbeschreiblichen Taten der Deutschen werden aufgewogen mit der intellektuellen Auseinandersetzung um die Betrügereien eines gefallenen, adligen, deutschen Verteidigungsministers.
Es wäre die Groteske, der sich die Deutschen hier hingeben, damit auf die Spitze getrieben, wären es nicht zweitausend von ihnen gewesen, die in Guttenberg dem Baron zu Guttenberg ihre unerschütterlichen, jede Aufklärung verweigernden dummdeutschen Herzen zu Füßen gelegt haben.

Deutschlands Helden

Diese neue Lockerheit im Umgang mit der deutschen Identität, die man der hiesigen Nation seit ein paar Jahren einredet, scheint nicht auf liebgewonnene Kontinuitäten verzichten zu können. Das Schema ist ziemlich einfach: überlegen, wer irgendwie allgemein als böse gilt, aber trotzdem in riesigen Zahlen frequentiert wird, dieses Spannungsfeld dann mit einem Tusch auflösen und behaupten, die wären schuld und würden uns vergiften — mit ihrer Art, mit ihrer »Agenda«, mit ihrer bloßen Existenz. Das Prinzip ist altbekannt in Deutschland, wird beim Spiegel gerne ausprobiert, und wenn sich da noch einer dran stört, dann haben wir auch Kreuzberger Mütter mit sympathischen Popstarstatus zu bieten, die auch nicht groß was anderes sagen. Der Feind sitzt im Inneren, mit seiner Agenda kreiert er unsere Realität und wir sollten ihn zwecks Reinheit schnellstmöglich entfernen.

Die Bildzeitung ist […] ein bösarti­ges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

Das Weltbild dieser dem Dalai Lama treu ergebenen Buddhistin passt wie die Faust aufs Auge zum »neuen«, »ungefährlichen« Partynationalismus, den die Deutschen für sich entdeckt haben, genauso wie er zur Bildzeitung selber passt. Es attackieren sich dort Deutschlands zeitgenössische Helden, in einem Spiel »Not gegen Elend«.

Fußball und Hartz 4? Ja, bitte!

Wie sehr die Autokraten und Diktatoren im Nahen Osten den Fußball als Katalysator für Proteste gegen ihre Herrschaft fürchten, sieht man aber nicht nur in Ägypten, sondern auch in Algerien und Libyen, wo der Spielbetrieb ebenfalls auf unbestimmte Zeit eingestellt wurde. Das Prinzip »Brot und Spiele« funktioniert längst nicht mehr. Schon gar nicht dort, wo sich Fußballfans auch als politische Subjekte definieren.

Soweit Alex Feuerherdt in der aktuellen Jungle World. Nachdem man nun auch deutschen Fußballfans jahrelang versucht hat einzutrichtern, dass sie sehr wohl politische Subjekte sind, mag man gar nicht mehr hinschauen, wenn sie das auch begreifen. Denn die sich in Feindschaft zum System aka DFB, Vereinsoffizielle, Presse, blabla, definierenden deutschen Fußballfans, sind dieser Definition entsprechend allein schon ihrem Grundverständnis nach auf das System angewiesen. In Kurzform heißt das: die herrschenden Zustände sind die für sie denkbar besten Zustände, solange sie sich am Wochenende als Opposition fühlen und dafür schon im Voraus zulangen können, während sie unter der Woche in der ihnen zugedachten Rolle aufgehen, als Chef_in, Lohnarbeiter_in oder Arbeitslose_r — wahrlich ein Querschnitt der Gesellschaft, nur eben ein virtuell widerspruchsfreier.
Insofern kann man nur froh sein, dass die politische Kraft Fußballfans dieserorts nicht benötigt wird und sich mit dem Angebot »Fußball und Hartz 4« zufrieden gibt.

man hätte ihn schon 2009 *********en können

Das Klima wirkt wieder auf die Verhaltensweisen zurück. Je weniger intelligent, je weniger gebildet, je unreflektierter ein Mensch ist, desto mehr ist für ihn das gesellschaftliche Klima wichtig. Weil er sich dem nicht entziehen kann.
Thilo Sarrazin

Es treffen die Worte von Jörg Lau zu:

Der Mann, der sich fragt, wie man erreichen kann, dass nur diejenigen Kinder kriegen, die “damit fertig werden”, hat seinen Sohn abgeschafft. Ein Abgrund.

»Viele kleine Schindlers«

Ein lesenswerter Beitrag von Lars Distelhorst in der aktuellen Jungle World, der heute online gestellt wurde.

Wenn der Neudefinition von Geschichte nicht Einhalt geboten wird, damit auch die heute Dreijährigen irgendwann einmal lernen, wer Täter und wer Opfer war, werden Zweiter Weltkrieg und Holocaust bald nur noch den Rang einer Art Naturkatastrophe haben, die einst die Welt heimsuchte, bevor sie so ein sicherer Ort wurde wie heute, wo wir uns wie Tiger und Bär bei Janosch vor nichts mehr zu fürchten brauchen. Die Gründe für den Holocaust aufzuarbeiten und die daraus resultierende Verantwortung festzuschreiben, wird das Geschäft von professionellen Historikern sein und den Großteil der Bevölkerung noch weniger tangieren als heute. Was damit vor allem entfallen wird, ist die Frage nach der historischen Kontinuität. Und das könnte fatale Folgen haben.

Was SZ online schreibt und meint

In der Euphorie wird leicht vergessen, dass der siegreichen Menge die Führer und die gemeinsamen Ideen fehlten, die ab morgen zu einem konstruktiven Neubeginn gebraucht werden.

Ideen hört sich so nach Freiheit an, da schreiben wir mal noch was vom Führer davor.

Auf dem Tahrir-Platz wurde freilich auch gebetet. Denn der politische Islam ist die einzige strukturierte Kraft der bisherigen Opposition.

Alle Ägypter_innen sind gläubige Muslime, vermutlich aufgrund ihres Phänotyps.

Dass die Hamas die freiesten Wahlen der arabischen Welt unter dem Blick ausländischer Kontrolleure gewann, ersparte ihr nicht den Boykott.

Die deutsche Geschichte lehrt uns, dass gewonnene freie Wahlen eine Vollmacht zur sanktionsfreien Durchführung von Verbrechen sein sollten.

Nicht durch Schleierzwang für Frauen, nicht durch die Strafen der Scharia machte sich ein Regime zum Pariah, sondern durch sein Bestehen auf nationale Unabhängigkeit.

Die Wahl besteht nicht zwischen emanzipatorischer Politik und regressiven Ideologien, sondern zwischen Nationalismus und Besatzung.

Unter dem Schah war Iran ein Pfeiler des amerikanischen Bündnissystems im Nahen Osten, so wie es bis heute Ägypten ist.

Ägypten wird ein zweiter Iran, inklusive brutalster Repression, unvorstellbarer Folter und lustigen alten Männern mit Bart, die den Menschen den Koran erklären.

Alle sachlichen Probleme bis hin zum Atomstreit hätten sich lösen lassen.

Die Amis sind schuld.

Die Amerikaner haben den irakischen Diktator Saddam Hussein geschlagen. Das von ihnen sicher nicht gewünschte Resultat dieses Krieges ist, dass ein mit Iran befreundetes Regime schiitischer Islamisten den Irak beherrscht.

Was die Amerikaner_innen sich wünschen, bestimmen wir. Demokratie finden wir nur gut, wenn Menschen an die Macht kommen, die sie wieder abschaffen werden.

Was am Nil geschieht, wirkt beispielgebend.

Zum Beispiel für die Menschen in Tunesien, die innerhalb der Zeitbrezel vorausschauend der ägyptischen Revolution nacheiferten und den Diktator Ben Ali zu Fall brachten.

Quelle

Der »LINKEN« auf die Fresse hauen!

Heute beim Stadtrundgang über neue alte NPD-Aufkleber mit DIE LINKE.-Schriftzug gewundert.

Das Bild ist zwar nicht mal die siebenundzwanzig Kilobyte wert, die es auf dem Server einnimmt, sei aber dennoch hier dokumentiert.

»Vom Dritten Reich zur Dritten Welt«

Wer der Meinung ist, dass die Weltbilder linker Antiimperialisten, faschistischer Nationalisten und arabischer Antizionisten auf drei völlig verschiedenen Planeten angesiedelt seien und, wenn überhaupt, dann ausschließlich antagonistisch miteinander in Kontakt geraten könnten, der sollte unbedingt dieses Buch lesen.

Ivo Bozic über »Der Schattenmann — Von Goebbels zu Carlos: Das mysteriöse Leben des François Genoud«

Ägypten

Ein recht beeindruckender Zusammenschnitt der Ereignisse in Ägypten.

Man kann den Menschen nur alles Gute und vor allem Freiheit wünschen.

Edit: Bei einigen Demonstrant_innen kann man diese Hoffnung dann wohl auch gleich wieder begraben…

Antifa e.V.

Um jetzt nochmal sicherzugehen: meint Vera Lengsfeld das wirklich ernst, oder reiht sie sich nur in die Parodie auf ihre überflüssige Partei ein?

Die Antifa muss jetzt erklären, ob es ihre Position ist, die Verfolgten des Kommunismus zu verhöhnen und demokratische Parteien an der Ausübung ihres Demonstrationsrechts zu behindern. Die Politik muss die Frage beantworten, ob die Antifa weiterhin mit Steuergeldern gefüttert werden soll.

Ich schlage vor, Vera Lengsfeld schreibt einfach mal einen Brief an den_die Präsident_in von Antifaschistische Aktion Deutschland e.V., der_die dann alles weitere klärt. Da muss sich dann die Antifa auch mal kritisieren lassen und auf eine einheitliche Linie festlegen. Geht ja so erstmal gar nicht.