Archiv der Kategorie 'Gewalt'

Appeasement

»Die USA haben die rote Linie überschritten«, titelt Carsten Luther auf Zeit Online und man fragt sich, wo dieser Mensch überall rote Linien vermutet. Offensichtlich nicht im Iran, das sagt er ja ausdrücklich, denn das bisschen Mit-Vernichtung-Drohen, Bombenbauen, Demonstranten-Foltern, das geht schon irgendwie alles klar, denkt er sich wohl.
Für genauso unbedenklich hält er wahrscheinlich die militärische Blockade ziviler Schifffahrtsrouten. Da würde wahrscheinlich ganz doll gelacht und gesungen, wenn mal ein Schiff vorbei will ohne Bordgeschütze. Irrerweise ist das aber gar nicht so, im Gegenteil: wenn den Propagandisten und Akteuren der Barbarei schon in den eigenen Landesgrenzen freie Hand gewährt wird, dann hört erst Recht bei der aktiven Bedrohung außerhalb dieser Grenzen die Geduld auf, denn das Regime in Teheran selbst ist eine rote Linie.
Die Antwort auf eine militärische Drohung kann niemals Appeasement sein, zumal angesichts der vollkommenen Rücksichtslosigkeit ebendiesen Regimes gegen die eigene Bevölkerung. Vielmehr gilt es, den Rest der Welt vor dieser Bedrohung zu schützen. Das ist dann kein »Muskelspiel«, sondern schlicht eine rationale Reaktion auf eine irrationale Gefahr. Stattdessen schlägt Carsten Luther uns vor (nein, nicht Sanktionen), mehr Gesprächsangebote an die Verbrecher zu senden, welche den Iran terrorisieren. Das ist einerseits zwar ziemlich zynisch, hat aber den Vorteil, dass die deutsche Wirtschaft weiterhin Überwachungstechnik und Autos in den Iran exportieren darf.
Davon hat dann jeder was. Außer den Menschen, die in die Fänge der Mullahs geraten.

Zecken und Blutsauger

Gemäß dem Schreiben müsse davon ausgegangen werden, dass „noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. In dem Schreiben war demnach die Rede von drei geplanten Explosionen „gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“. Das LKA geht daher davon aus, dass noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten.
zeit.de

Ein Fall für die Psychiatrie

Das medizinische Gutachten über Anders Breivik liegt nun vor und kommt zu der Schlussfolgerung, die hier schon vorsichtig vermutet wurde: Der Mann ist krank, nicht politisch indoktriniert.

Leygraf: Die Theorie, dass seine Taten einen internationalen rechtsextremen Hintergrund haben, ist damit nicht mehr zu halten. Es handelt sich um die individuelle Krankheit eines Menschen. Das bedeutet auf der anderen Seite aber nicht, dass Rechtsextremismus nicht mehr gefährlich wäre. Aber das, was er geschrieben hat, wird man in erster Linie unter dem Aspekt seiner Krankheit bewerten müssen.

ZEIT ONLINE: In Breiviks krankem Weltbild waren die Morde an Unschuldigen offenbar gerechtfertigt. Was unterscheidet ihn von religiös motivierten Fundamentalisten? Könnten sie auch als unzurechnungsfähig gelten?

Leygraf: Nein, weil ein religiös motivierter Akt nicht durch eine wahnhafte Erkrankung ausgelöst wird. Aus psychiatrischer Sicht besitzen religiös motivierte Fundamentalisten eine sogenannte überweltliche Idee. Zu solchen Ideen kann ein Mensch im Unterschied zum Wahn kritischen Abstand gewinnen. Das hat nichts mit einer Krankheit zu tun. Zudem gehört zu der Diagnose paranoide Schizophrenie nicht nur der Wahn. Es gibt immer auch andere Symptome wie eine Störung der Affektivität oder der zwischenmenschlichen Kontaktfähigkeit. Die von außen absurd erscheinende Überzeugung macht nicht die Krankheit aus.

das ganze Interview mit dem Professor für Psychiatrie, Norbert Leygraf

„Deutschland? Weißt du doch nich!“

2012 – Fliegen bis Dresden Geschichte ist!
Gemeinsamer Aufruf der Bündnisse
Dresden Häuserfrei und X-tausendmal leer

1945 ist es uns erstmalig gelungen, Europas größte Barockausstellung durch Flächenbombardements zu beenden. Grundlage unseres Erfolges war die Länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Luftwaffen der beteiligten Staaten sowie einigen anderen Organisationen und Einzelpersonen. Mit unserer klaren Ankündigung, die größte Barockausstellung der Welt zu beenden, haben wir gemeinsam den Raum des symbolischen Protestes verlassen. Die Entschlossenheit tausender Piloten, sich mit den Mitteln des militärischen Gehorsams der schnöden Barockbauten zu entledigen, hat die Operation zu einem Erfolg werden lassen.

Für 2012 hat die Stadt Dresden angekündigt, mehrere Veranstaltungen zum Jahrestag der allierten Luftangriffe auf Dresden durchzuführen. Seit Jahren versucht Dresden die eigene Bombardierung für die Zwecke der Stadt zu instrumentalisieren und an bestehende Mythen und die Gedenkkultur anzuknüpfen. Wir werden nicht akzeptieren, dass die Stadt Dresden die Geschichte verdreht und die eigentlichen Helden, die Piloten der allierten Streitkräfte, verhöhnt werden.

Wir sind uns bewusst, dass sich Dresden seine „Prachtbauten“ nicht einfach nehmen lassen wird. Deshalb werden wir uns 2012 wieder durch Aktionen des militärischen Gehorsams mit Flächenbombardements auf uns aufmerksam machen. Dieses Ziel eint uns über alle sozialen, politischen oder kulturellen Unterschiede hinweg. Von uns wird dabei eine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, Dresden wieder zu enturbanisieren, seiner Prachtgebäude zu entreissen und damit auch ein klares Zeichen gegen Gentrifizierung zu setzen.

Wir werden uns weiterhin bei Versuchen der Gegenwehr solidarisch zueinander verhalten. Wir stellen uns gegen jeden Versuch, Flächenbombardements als „extremistisch“ zu bezeichnen.
2012 werden wir Dresden gemeinsam bombardieren – bunt und lautstark, kreativ und entschlossen!

Nie wieder Dresden! Feuer frei!

Imagine There’s No Deutschland


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Werkzeug

Mit der Aufhebung des Privateigentums entzieht man der menschlichen Aggressionslust eines ihrer Werkzeuge, gewiss ein starkes und gewiss nicht das stärkste. […]
Es ist immer möglich, eine größere Menge von Menschen in Liebe aneinander zu binden, wenn nur andere für die Äußerung der Aggression übrigbleiben. Ich habe mich einmal mit dem Phänomen beschäftigt, dass gerade benachbarte und einander auch sonst nahestehende Gemeinschaften sich gegenseitig befehden und verspotten, so Spanier und Portugiesen, Nord- und Süddeutsche, Engländer und Schotten usw. Ich gab ihm den Namen »Narzissmus der kleinen Differenzen«, der nicht viel zur Erklärung beiträgt. Man erkennt nun darin eine bequeme und relativ harmlose Befriedigung der Aggressionsneigung, durch die den Mitgliedern der Gemeinschaft das Zusammenhalten erleichtert wird. Das überallhin versprengte Volk der Juden hat sich in dieser Weise anerkennenswerte Verdienste um die Kulturen seiner Wirtsvölker erworben; leider haben alle Judengemetzel des Mittelalters nicht ausgereicht, dieses Zeitalter friedlicher und sicherer für seine christlichen Genossen zu gestalten. Nachdem der Apostel Paulus die allgemeine Menschenliebe zum Fundament seiner christlichen Gemeinde gemacht hatte, war die äußerste Intoleranz des Christentums gegen die draußen Verbliebenen eine unvermeidliche Folge geworden; den Römern, die ihr staatliches Gemeinwesen nicht auf Liebe begründet hatten, war religiöse Unduldsamkeit nicht fremd gewesen, obwohl die Religion bei ihnen Sache des Staates und und der Staat von Religion durchtränkt war. Es war auch kein unverständlicher Zufall, dass der Traum einer germanischen Weltherrschaft zu seiner Ergänzung den Antisemitismus aufrief, und man erkennt es als begreiflich, dass der Versuch, eine neue kommunistische Kultur in Russland aufzurichten, in der Verfolgung der Bourgeois seine psychologische Unterstützung findet. Man fragt sich nur besorgt, was die Sowjets anfangen werden, nachdem sie ihre Bourgeois ausgerottet haben.
—Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur (1930)

Deutschland, deine Linken

Auf den ganzen Artikel hab ich gar keine Lust, aber diese Rechnung sagt so ziemlich alles zu denjenigen, die Islamkritik und Islamophobie und antimuslimischen Rassismus ständig synonym verwenden:

Breivik habe sich im Gegenteil die Dschihadisten zum Vorbild genommen, so die wirre Logik. Was will uns Broder, den manche gute Bürger selbst heute noch für einen preiswürdigen Schriftsteller halten, damit sagen? Dass der islamfeindliche Terrorist gewissermaßen ein verkappter Moslem war?

Robert Misik scheint die Möglichkeit einer gemeinsamen Psychopathologie religiös-fanatischer Terroristen nicht einsehen zu wollen. Warum eigentlich?
Wir stellen fest: Breivik ist ein Terrorist, Al-Qaida ist eine Terrororganisation. Sie reden beide ähnlich wirres Zeug. Das ist die »wirre Logik«, um die es hier geht. Und wo wir schon bei Verwirrung sind, spielen wir gleich mal shoot-the-messenger und jubeln sie Broder unter. Wie plusminusalles bei Twitter schon kurzgefasst hat, ergibt sich daraus ein bescheuerter Kurzschluss: Weil ja Broder die Muslime hasse, gleichzeitig Breivik für genauso bekloppt hält wie Al-Qaida, halte er dementsprechend Breivik für einen Moslem! Man muss sich jetzt nochmal das Zitat von oben durchlesen und sich dann klarmachen, dass diese Rechnung nur aufgeht, wenn die Mengen Al-Qaida und Muslime deckungsgleich sind.
Komische Ansichten für einen, der vor der »gut vernetzten islamophoben Bloggosphäre« erzittert.

Jungle World 28/11

Ich weiß, es ist ein bisschen her, aber die Ausgabe fand ich echt super. Hier ein paar dazugehörige, dringende Leseempfehlungen:

—Georg Seesslen schreibt anlässlich des zehnten Todestages von Carlo Giuliani über die Polizeigewalt: »Eine Polizei, die nicht auf der Basis von Rechtsstaatlichkeit agiert, verteidigt keine demokratische Ordnung, sondern ist Partei in einem latenten Bürgerkrieg.«
Olaf Kistenmacher schreibt im Dossier über den altbekannten Antisemitismus in der deutschen Linken. Kennt man teilweise schon aus einem Vortrag, aber besonders interessant ist der heftige Antizionismus, den die Linken schon in den 20ern kultivierten. Vor allem die damalige Rechnung Jude gleich Zionist spricht in dieser Beziehung Bände.
—Am spannendsten finde ich aber Roger Behrens‘ Artikel über die Gewaltfrage: »Damit verlieren aber die Demonstrationen tendenziell ihren eigentlichen und wesentlichen Sinn innerhalb demokratisch verfasster Gesellschaften: Man kann kaum noch etwas demonstrieren.«

Der Verrückte und Israel

Zunächst einmal: der Attentäter von Oslo, Anders Breivik, kann nichts anderes als verrückt genannt werden. In einigen Leitartikeln wird das zurückgewiesen, aber bei jemandem, der sich für einen Tempelritter hält, in selbstgebastelten Uniformen auftritt und selbstgeführte Interviews als groteske Pressemappe online stellt, ist kein anderer Schluss möglich.
Die Verwirrung, die sein zusammengeschustertes Weltbild auslöst, erinnert nicht zuletzt wegen des Templerwahns an ein Buch von Umberto Eco; »Das Foucaultsche Pendel«. Er scheint einfach zeitgenössischen Rechtsradikalismus mit altbekannten Verschwörungen kompiliert zu haben, und deswegen wird man ihn auch keinem Lager zuordnen können — auch wenn Passagen diesem oder jenem entnommen sind.
Dabei fällt auch auf, dass er sich anti-muslimisch, pro-amerikanisch und pro-israelisch gibt, was bei manchen die Assoziation zur neuen Rechten wecken mag. Auf schlamassel wird zutreffend beschrieben, wie weit her es bspw. mit der Israelsolidarität ist. Das »Judenproblem« sieht der Attentäter nämlich damit gelöst, dass »nur eine Million [Juden] in Westeuropa« übrig sind.
Das passt gut zu seinem Hass auf den »Multikulturalismus«. Der klingt auch nach der neuen Rechten, Breivik setzt ihn jedoch mit dem »Kulturmarxismus« gleich. Damit befindet er sich, ganz wie mit der Templerverschwörung, im traditionell antisemitischen Fahrwasser des rechtsradikalen Lagers. Für »Kulturmarxisten« hält er nämlich die Soziologen der Frankfurter Schule. Breivik selbst bemüht die Klarstellung nicht, aber dieser Begriff bedient sich der Idee, die »Kulturmarxisten« seien allesamt jüdisch und marxistisch, und hätten seit 1945 den gesellschaftlichen Mainstream mehr und mehr unterwandert, wobei der (im Tagesgeschäft geläufigere) »Multikulturalismus« herausgekommen sei, den der Verrückte mit seinem Massaker zu bekämpfen gedachte.
In der Debatte um die Bedeutung dieser Wahnsinnstat muss also klar sein, dass Breivik sich nicht eines politischen Prototypen bediente, sondern ihm vielmehr der des Verschwörungsideologen zuzuschreiben ist. Der Unterschied zu den anderen Bekloppten, die solch ein Gewäsch lesen, glauben, verbreiten, ist lediglich die unfassbare Konsequenz, die er so vielen Menschen aufgezwungen hat.

Das Problem heißt: Antisemitismus

Der Ansatz ist auch falsch, weil er vorauseilenden Gehorsam erzwingen will. Man kann eine jüdische Symbolik in der Fankurve nicht einfach nur geißeln, weil man Angst vor den Reaktionen hat. Das wäre ein Einknicken vor dem plumpen Antisemitismus und Rassismus, der da versucht wird. In diesem Sinne spielt auch keine Rolle, ob und wie real die jüdische Identität der Amsterdamer Fans ist. Wer hier Maß anlegt, stellt die absurde Behauptung auf, es dürfe sich nur zu Judentum, Zionismus oder Israel bekennen, wer praktizierender Jude ist. Dem ist aber nicht so. Empathie kann jeder. Deshalb legitimiert Philosemitismus auch keinen Antisemitismus. Der Antisemit bleibt Antisemit, auch wenn er nicht mehr offen mit Jüdischem konfrontiert ist. Es ist deshalb besser, ihn zu provozieren, damit sich seine Haltung offenbart.

Ein lesenswerter Artikel des Fußballmagazins 11 Freunde.

Bin Laden hatte Recht?

Lernen wir grade auf sueddeutsche.de:

Der Al-Qaida-Führer nannte das saudische Königshaus mit seinen Tausenden Ferrari-fahrenden Prinzen „dekadent und korrupt“. Er hatte recht. Er sah im Irak-Krieg nicht die Befreiung von einer Diktatur, sondern den US-Überfall auf einen souveränen Staat. Auch das traf, zumindest in Teilen, die Wirklichkeit. Der Islam-Autodidakt höhnte über die Religionsgelehrten der Kairoer Al-Azhar-Universität, weil sie im Sold des Mubarak-Regimes nach dessen Vorgabe predigten. Vor allem warf er Washington vor, auf Kosten der Palästinenser Nahost-Politik zugunsten Israels zu betreiben. Auch das bleibt richtig, bis heute.

Thomas Avenarius sollte vielleicht einfach sein eigenes El-Kaida-Chapter aufmachen. Dann kann er sich ja Gründe für den Terror Saddam Husseins ausdenken, dessen Souveränität ihm offensichtlich tausendmal wichtiger war als die des jüdischen Staates. Die Fronten hat er ja geklärt.

Libyen

Tripolis/Riad – Verzweifelt schreit die Frau, als die Sicherheitkräfte sie abholen kommen, deutlich ist es auf einem YouTube-Video zu sehen. Die Libyerin war zuvor in ein Fünf-Sterne-Hotel in der Hauptstadt Tripolis gestürmt und berichtete den dort untergebrachten Journalisten, wie sie von Gaddafi-treuen Kämpfern missbraucht worden sei. Sie sagte, sie sei an einer Straßensperre verschleppt, anschließend von 15 Männern vergewaltigt und gefoltert worden.
Laut „Washington Post“ sagte die Frau: „Schaut, was sie mir angetan haben.“ Demnach zeigte sie den Journalisten Kratzer und Blutspuren an ihren Oberschenkeln. An ihren Händen und Knöcheln habe man sehen können, dass sie gefesselt worden war, schreibt das US-Blatt. Sie sagte den Reportern, sie heiße Iman al-Obeidi. Laut der Zeitung schilderte die Frau, wie die Männer sie erniedrigten: „Sie urinierten auf mich, sie schändeten meine Ehre.“
Die „Washington Post“ beschreibt die Szene so: Während sie sprach, kamen Hotelangestellte und Sicherheitskräfte hinzu und versuchten, die Frau fortzuziehen. Einige Journalisten, die versuchten, die Frau zu beschützen, seien geschlagen worden. Ein Reporter der „Financial Times“ sei niedergeschlagen und getreten worden. Zwei Kellnerinnen griffen demnach nach Messern und schrien, die Frau sei eine Verräterin. Beamte warfen eine Kamera des Fernsehsenders CNN auf den Boden und bedrohten den Kameramann mit einer Pistole, als er sie wieder aufheben wollte.
Kurz darauf wurde die Frau vor den Augen der Journalisten von einem Vertreter der Staatsmacht in Zivil überwältigt und fortgebracht. Er hielt ihr die Hand auf den Mund, um sie am Sprechen zu hindern.

via Spiegel Online

Und Deutschland gefällt sich wieder im Zuschauen.

»Das ist ihr Hobby«

Für mich wirkt es, als wolltest du Menschen zeigen, denen eigentlich nicht viel mehr im Leben bleibt als herumzuhängen, die keinerlei andere Hoffnungen mehr in ihrem Leben haben.
Naja, sie stehen eben einfach darauf, Zeug kaputtzuschlagen. Das ist ihr Hobby, fast so etwas wie eine Kunstform. Sie versuchen, ein eigentlich völlig infantiles Verhalten in etwas Transzendentes zu verwandeln, sie sind so etwas wie Künstler des Missbrauchens von Dingen. Sie leben unter umgekehrten Vorzeichen.

Die antiantideutsche Linke

Was genau ist in Dresden passiert?
In der Nähe einer Blockade wurde ein uns unbekannter Mann, der eine Royal-Air-Force-Fahne dabei hatte, angepöbelt. Einer von uns hat die Pöbler gebeten aufzuhören, was aber nicht geschah. Es bildete sich eine Gruppe, die immer aggressiver mit uns diskutierte, und die wohl meinte, dass allein die UdSSR Deutschland befreit habe. Währenddessen rief dann jemand »Hey, hier sind Antideutsche«, was wohl die Legitimation zum Losschlagen war.

Wieso eskalierte die Situation?
Als einer von uns eine Israelfahne hochhielt, sahen diese sogenannten Antifas rot. Vorher war die Stimmung schon aggressiv, aber als die Flagge da war, traten sie denjenigen, der sie hielt, bis er bewusstlos wurde, später musste er sogar ins Krankenhaus. Auch ich wurde von mehreren Leuten angegriffen und auf dem Boden liegend getreten.

An der Stelle, an der deutsche Linke als »antideutsch« markierte Personen nicht nur beschimpfen, nicht nur körperlich angehen, sondern sie einfach mal so bewusstlos treten, sollte sich jede_r fragen, was ihm_ihr der Hass auf »die Antideutschen« bedeutet und inwieweit er_sie sich an einer sogenannten »Kritik« beteiligt, die in Gewaltexzessen endet, die in keinster Weise erklärbar oder entschuldbar sind.
Der Burgfrieden in der Dresdner Querfront kann bis auf weiteres als aufgekündigt gelten: die Blockaden sind kein sicheres Pflaster für Personen, die der Verklärung der alliierten Luftangriffe entgegentreten. Das heißt zwar nicht, dass man die Nazis gewähren lassen muss, aber es beleuchtet das geringe Interesse der deutschen Linken gegenüber reaktionären Kräften in ihrem Innern.

»und bei jeder Bombardierung Flugblätter abwerfen«

Er war eine der führenden Figuren im polnischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der erste, der die Alliierten über den Holocaust unterrichtete: Jan Karski. Die Memoiren dieses Mannes, der »den Großen dieser Welt enthüllt hat, was die Welt nicht wissen wollte« (Jorge Semprún), liegen nun, 66 Jahre nach Erscheinen der englischen Erstausgabe, erstmals auf Deutsch vor. Hier erzählt Jan Karski von einer Unterredung, die er im Herbst 1942 mit zwei Männern hatte, die die Arbeit des jüdischen Untergrunds in Polen leiteten, und von einem kurzen Aufenthalt im Warschauer Getto, in das er sich heimlich schleusen ließ.

Der Zionistenführer sprach als Erster:
»Die Deutschen lassen sich nur von Macht und Gewalt beeindrucken. Man sollte die deutschen Städte gnadenlos bombardieren und bei jeder Bombardierung Flugblätter abwerfen, die die Deutschen über das Schicksal der polnischen Juden informieren und der gesamten deutschen Nation ein ähnliches Schicksal während des Krieges und danach androhen. Die deutsche Bevölkerung niederzumetzeln, halten wir nicht für sinnvoll und streben es auch nicht an, doch eine solche Drohung ist die einzige Möglichkeit, den Gräueltaten der Deutschen Einhalt zu gebieten. Eine solche von Gewalt begleitete Warnung könnte die deutsche Bevölkerung so erschrecken, dass sie genügend Druck auf ihre politische Führung ausübt, damit diese ihr Vorgehen ändert. Anders lässt sich nichts erreichen.«