Archiv der Kategorie 'riot'

Sila Sömnez

Sila: Ja, ein Mal geplant am 1. Mai machen wir dann Randale, hui. Ein Mal im Jahr dürfen wir alle ausrasten. Das ist doch nichts anderes als Karneval.

Ein lesenswertes Interview in der aktuellen Straßen aus Zucker.

»No Heartbeat / No Voice«

Fußball und Hartz 4? Ja, bitte!

Wie sehr die Autokraten und Diktatoren im Nahen Osten den Fußball als Katalysator für Proteste gegen ihre Herrschaft fürchten, sieht man aber nicht nur in Ägypten, sondern auch in Algerien und Libyen, wo der Spielbetrieb ebenfalls auf unbestimmte Zeit eingestellt wurde. Das Prinzip »Brot und Spiele« funktioniert längst nicht mehr. Schon gar nicht dort, wo sich Fußballfans auch als politische Subjekte definieren.

Soweit Alex Feuerherdt in der aktuellen Jungle World. Nachdem man nun auch deutschen Fußballfans jahrelang versucht hat einzutrichtern, dass sie sehr wohl politische Subjekte sind, mag man gar nicht mehr hinschauen, wenn sie das auch begreifen. Denn die sich in Feindschaft zum System aka DFB, Vereinsoffizielle, Presse, blabla, definierenden deutschen Fußballfans, sind dieser Definition entsprechend allein schon ihrem Grundverständnis nach auf das System angewiesen. In Kurzform heißt das: die herrschenden Zustände sind die für sie denkbar besten Zustände, solange sie sich am Wochenende als Opposition fühlen und dafür schon im Voraus zulangen können, während sie unter der Woche in der ihnen zugedachten Rolle aufgehen, als Chef_in, Lohnarbeiter_in oder Arbeitslose_r — wahrlich ein Querschnitt der Gesellschaft, nur eben ein virtuell widerspruchsfreier.
Insofern kann man nur froh sein, dass die politische Kraft Fußballfans dieserorts nicht benötigt wird und sich mit dem Angebot »Fußball und Hartz 4« zufrieden gibt.

»und weg damit«


via

Stars: Take Me To The Riot

Grey skies and light fading, headlamps making patterns on the wall. Uptown it’s dead now, but out here no one seems to care at all. Slick girls and sick boys and each one lining up to take it home. They hold tight their coin and pray no one has to see the fall. I‘m there, yeah. I serve them, the one with the empty looking eyes. Come closer, you‘ll see me: the face that is used to telling lies.
Saturday nights in neon lights, sunday in the cell. Pills enough to make me feel ill, cash enough to make me well.
Take me, take me to the riot.

You sprung me, I‘m grateful. I love when you tell me not to speak. I owe you, but I know you, you‘ll have me back, but it’s gonna take a week.
What now kid? Which way love? Will we ever make up and be friends? Good news is my shoes is lined with all my nickels and my tens. Let’s do them! Just feed me. I hate when I have to go to sleep.
You despise me and I love you. It’s not much but it’s just enough to keep.

Saturday nights in neon lights, sunday in the cell. Pills enough to make me feel ill, cash enough to make me well.
Take me, take me to the riot.
And let me stay.

für Kanonen aus Plastik

»I‘ve got something here worth fighting for«

Das sieht mir zwar alles ein bisschen zu männlich aus, aber: es ist bunt, es ist laut, ich will es haben!!!!

Schönes Leben, schicke Läden

Gestern wurde die Liebigstraße 14 geräumt, und trotz großer Demo und viel dezentralem Sachschaden, bleibt die große Aufregung aus. Viele kleinere spontane Solidemos fanden gestern Abend statt, aber heute sieht die Welt trotzdem nicht besser aus. Die Routine und Vorhersagbarkeit des Schauspiels wird zur Zielscheibe des Spottes bürgerlicher Kommentator_innen, der aber das Problem der Proteste im Mark trifft: so richtig geht es um nichts mehr. Die Bullen haben keinen Bock, und der Menge fehlt der Hass, um an die alten Bilder von den großen Straßenschlachten anknüpfen zu können. Das öffentliche Leben geht weiter seinen kapitalistischen Gang, aber das kommt auch nicht wirklich auf die Tagesordnung.
Die »politische Antwort auf die realen Probleme« liefert dieses Scharmützel nicht, und auch mich erinnert das alles mehr und mehr an »die allsamstägliche Hatz zwischen Polizei und Hooligans«. Da wundert es auch nicht, dass das Interesse der deutschen Linken weniger den emanzipatorischen, ja sogar erfolgreich scheinenden Protesten in Tunesien gilt, als vielmehr den Ausschreitungen dort und in der Region, die damit in Verbindung stehen. Es offenbart sich das degenerative Moment des Riots.
Der öffentliche Raum bleibt dabei ein Markt, nur dass jetzt auch Aufmerksamkeit gehandelt wird. Dem linken Spektrum fällt etwas Beachtung seitens der Bürger_innen und deren Medien zu, doch selbst die angekündigten Räumungskosten von einer Million Euro sind volkswirtschaftlich gesehen »Peanuts«. Es steht also nicht wirklich etwas auf dem Spiel für die Gesellschaft, die sich solche Ausbrüche offenbar leisten kann, ohne groß ins Schwanken zu geraten. Lediglich das Selbstbewusstsein der Handelnden wird durch ihre erfolgreichen Aktionen befördert — mehr nicht. Und mehr als Aufmerksamkeit für den Riot scheint man den Menschen in der Mittelmeerregion auch nicht zugestehen zu wollen, obwohl dort handfeste emanzipatorische Politik gemacht wird. Jedenfalls hört man wenig.
In dieses Grübeln hinein platzt dann die Pressemitteilung der Liebig 14, die sicherlich wichtig und ernstgemeint ist, aber inzwischen auch nur noch reflexartig erscheint. Da steht dann auch, was der Protest noch zum Inhalt haben soll: »Gezielt wurden schicke Ladengeschäfte […] angegriffen.« Und hier fängt der Riot dann wirklich an, sein emanzipatorisches Moment zu verlieren und in die Rückschrittlichkeit zu verfallen, die der oben verlinkte Kommentar den Protesten leider zurecht vorwirft. Denn eigentlich will man doch »laut sein und weiter für eine bunte und vielfältige Stadt kämpfen«. Warum dann aber grade »Designershops« und »schicke Ladengeschäfte« das Ziel der Wut sind, das kann keiner erklären. Diese sind zwar in den kapitalistischen Produktionsprozess eingebunden, aber das sind auch die Aktivist_innen selber, sofern sie sich nicht autark versorgen. Noch dazu stehen diese Aktionen im krassen Gegensatz zur Stellungnahme, denn ein »Designershop« ist doch grade dadurch markiert, dass er bunt und vielfältig ist; wie die Stadt, für die gekämpft wird.
Hierzu Friedrich Engels:

Ebenso scharf wie Marx die schlimmen Seiten der kapitalistischen Produktion hervorhebt, ebenso klar weist er nach, dass diese gesellschaftliche Form notwendig war, um die Produktivkräfte der Gesellschaft auf einen Höhegrad zu entwickeln, der eine gleiche menschenwürdige Entwicklung für alle Glieder der Gesellschaft möglich machen wird. Dazu waren alle früheren Gesellschaftsformen zu arm. Erst die kapitalistische Produktion schafft die Reichtümer und die Produktionskräfte, welche dazu nötig sind, aber sie schafft auch gleichzeitig in den massenhaften und unterdrückten Arbeitern die Gesellschaftsklasse, die mehr und mehr gezwungen wird, die Benutzung dieser Reichtümer und Produktivkräfte für die ganze Gesellschaft – statt wie heute für eine monopolistische Klasse – in Anspruch zu nehmen.

Es ist also zutiefst reaktionär und rückschrittlich, die kapitalistische Produktion — wenn auch nur symbolisch — zu zerstören, da sie doch die Voraussetzung dafür ist, dass eine Gesellschaft entstehen kann, in der die Menschen Strukturen geschaffen haben, die es ihnen ermöglichen, in Freiheit und ohne materielle Sorge zu leben.

»ein besoffener Jungmänner_innenmob«

»I wish I could say beautiful words, but I can‘t.«


via

:)

A protester kicks a policeman during clashes with riot police in downtown of the capital Tunis January 14, 2011.

Eine kurze Anmerkung zu Tunesien

Auf der einen Seite haben wir einen Diktator, gegen den demonstriert wird, den aber Polizeikräfte unterstützen. Auf Seiten der Demonstrant_innen sehen wir die Forderung »Freedom«.
Aber deutschen Zeitungen fällt nichts besseres ein, als über »Randalierer« zu schreiben, die »Polizisten mit Steinen« bewarfen. Moment, Polizisten war doch grad schonmal? Ach, genau, das sind doch die bewaffneten Einheiten, die den Protest gegen die Diktatur gewaltsam unterbinden! Dass man daran nichts schlimmes findet und lieber die Demonstrant_innen negativ markiert, ist in gewisser Weise gar nicht überraschend, aber doch ganz schön frustrierend.
Wie sich die Proteste weiterentwickeln, ist im Moment sehr spannend. Denn die lautstarken Forderung nach Freiheit wird auch über eine nationale Identität artikuliert; neben den zahlreichen Nationalflaggen springt auf einigen Bildern auch die Losung »Freiheit für die Tunesier« ins Auge. Ein skeptischer Blick tut dieser nationalen Manövriermasse ganz sicher nicht schlecht.

no more Kugelhagel


via

Rom

Nun stellt sich für die Weltgemeinschaft die Frage: Was hat Santa gegen die Bullen?